© Zephyre Bar

Smoked Cocktails Dunst im Glas

Der Sommer schmeckt rauchig. Ein Cocktailtrend vernebelt Tresen rund um die Welt. Barkeeper aus Berlin und München haben uns ihre Rezepte für Smoked Cocktails verraten. Von

Den Sommer erkennt man daran, dass Rauchgeruch nicht die Feuerwehr alarmiert, sondern Appetit macht. Während das Steakfett in der Glut zischt und die Gemüsepäckchen langsam Farbe annehmen, öffnet man das erste Bier. Die Kreativität wird auf dem Grill ausgelebt. Bei den Drinks endet die Kreativität meistens beim Sixpack oder Hugo. Wie wäre es stattdessen mit einem Drink, der das Grillaroma der Speisen weiterdenkt?

Spirituosen wie Whisky und Brandy haben von Haus aus ein rauchiges Aroma, ebenso Mexikos Nationalschnaps Mezcal, für dessen Herstellung Agavenherzen gekocht, zu Brei zerstoßen und mit heißen Steinen in einer Erdgrube gelagert werden. Ein neuer Trend geht noch weiter. Die ersten Rauchzeichen sah man vor einiger Zeit auf Instagram: Tumbler, die wabern wie Lagerfeuer, und Longdrinks, aus denen es qualmt, als hätte der Mitbewohner eine Pizza im Ofen vergessen. Smoked Cocktails sehen nicht nur smartphonetauglich aus, sondern sie schmecken. Grund dafür ist ihr Umami-Aroma, jener fünfte Geschmackssinn, der mit fleischig oder schmackhaft umschrieben wird. Jenseits des Grilltellers finden sich Raucharomen etwa als Auberginenpaste Baba Ganoush, als geräucherter Fisch oder der italienischen Käsesorte Scarmoza.

Am einfachsten lassen sich Smoked Cocktails durch Zugabe rauchiger Geschmacksträger wie dem Paprikagewürz Piment oder geräucherten Jalapeños herstellen, die gut zu Margarita oder Bloody Mary passen. Eine Scheibe knusprig gebratener Bacon ersetzt den Strohhalm und gibt sein Speckaroma an den Drink ab. Eine weitere Möglichkeit ist, Früchte oder Kräuter wie Rosmarin und Thymian zu räuchern und in den fertigen Cocktail zu geben. Raffinierter wird es durch geräucherte Eiswürfel, die kurz vor dem Servieren im Cocktailglas zerstoßen werden und auf diese Weise ihr Aroma freisetzen. Wer sein Küchensortiment sowieso regelmäßig erweitert, zielt mit einer sogenannten Smoking Gun auf Gläser und deren Inhalt. Die fünfte Methode gelingt auch ohne Profiequipment: Einfach ein Stück Holz anzünden, den Rauch in einem Glas auffangen, einige Minuten abgedeckt ruhen lassen und dieses dann mit dem gewünschten Cocktail füllen. Oder man gibt einige Tropfen Liquid Smoke – flüssiges Raucharoma – in das Getränk seiner Wahl.

Es qualmt also an den Theken rund um die Welt. Sidedoor, eine Bar in Chicago, etwa serviert den Sage Wisdom, einen Drink bestehend aus Süßkartoffelpüree, dem Kräuterlikör Amaro und geräucherten Eiswürfeln. Dragon’s Breath lautet der Name eines Drinks, der aus Maker’s Mark Bourbon, Cointreau, Sirup und Holunderblütenlikör besteht.

Bereits seit einigen Jahren experimentiert die Münchner Bar Zephyre mit Raucharomen. Etwa mit geräucherten Kirschholzspänen oder Smoked Ice Cubes, deren Schmelzwasser den Drink nach und nach "einräuchern". Insbesondere Eistees haben es dem Zephyre-Barkeeper Lukas Motejzik angetan. Abgefüllt in Milchflaschen werden diese mit geräucherten Nelken oder Zimtstangen aromatisiert. Am besten gelingt das ihm zufolge mit einer Smoking Gun, für den Hausgebrauch empfiehlt er eine elektrische Wasserpfeife.

Rezept für Zephyr Ice Tea nach Lukas Motejzik

Zutaten:

  • 5 cl Irish Whiskey
  • 3 cl Zitronensirup
  • 3 cl Zitronensaft
  • 10 cl kalter, stark aufgebrühter Earl Grey Tee
  • Nelkenrauch

Zubereitung:

Alle flüssigen Zutaten verrühren und zusammen mit Crushed Ice in ein Longdrinkglas geben. Nelken mit Smoking Gun räuchern und zum Cocktail geben. Mit Zimtstangen und getrockneten Orangenscheiben dekorieren.

Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Also das ist der neue Trend.
Nachdem Whiskey hip war und dann jeder Spezial- Gin und irgendein sauteures Spezialtonic brauchte (für mich reicht Gordons und Schweppes völlig aber bitte wers braucht...) braucht man jetzt halt so einen Rauch. Ist ja verständlich heute muss man sich in Bars eben was einfallen lassen wenn man nicht morgen schon beim alten Eisen sein will denn Long Island Ice Tea, Gin-Tonic und Co. kann halt mittlerweile jeder. Es tut aber gut das die Personen im Artikel offenbar noch nicht zu der Unart gegriffen haben sich "Mixologist" zu nennen.