© Emily von Euw

Sonntagsessen Was vom Kaffee übrigbleibt

Das sind ja Koalitionen: Mit Mokka-Törtchen wird die Welt gerettet, Desserts sind in der absoluten Mehrheit und Wraps führen beim veganen Sonntagsessen die Opposition an. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Viele Blogger nennen Kollegen als Vorbild, manche auch Kochlegenden alter Schule, sagen wir: Jamie Oliver oder Julia Child. Nicht so Emily von Euw alias This Rawsome Vegan Life. Sie zögert keine Sekunde mit ihrer Antwort: "Michelle Obama! Sie ist elegant, stark, hingebungsvoll und unverwüstlich." Kein Wunder also, dass die Kanadierin beim Kochen bevorzugt Podcasts zu den Themen Politik und Feminismus hört.

Aber das ist längst nicht alles. Von Euws Interessen sind ziemlich vielfältig: "Musik hören, unter Bäumen spazieren gehen, lernen, schreiben, lesen, an Duftölen riechen, meditieren, schlafen … Und Tätowierungen. Oh Gott, ich bin süchtig nach Tätowierungen!" All das vereint sie mit dem Beruf der Vollzeit-Bloggerin und Kochbuchautorin, und das mit gerade mal 24 Jahren. 

So viel Selbstvertrauen beruht nicht zuletzt auf einer glücklichen Kindheit: "Meine Mom hat viel gekocht, was dazu führte, dass wir Abend für Abend gemeinsam am Tisch saßen. Unsere Küche würde ich als 'eklektisch' beschreiben: nie wirklich sauber, nie wirklich still, there's always something cooking, wie man im Englischen sagt. Meine Kindheit schmeckt nach Bananenbrot, Spaghetti mit Salz und Olivenöl und Pizza Pops." Damals wie heute lebt Emily von Euw im kanadischen Vancouver, wo sie an der Universität Kurse in Philosophie, Geschichte und Gender Studies belegt.

Seit ihrem 16. Lebensjahr verzichtet sie auf tierische Produkte.  Im Gegensatz zu vielen anderen will sie aber niemanden missionieren: "Mir ist bewusst, dass dieser freiwillige Verzicht ein Privileg ist und ich andere damit potenziell kritisiere, was nicht meine Absicht ist. Fremde Lebensentwürfe zu akzeptieren, ist mir sehr wichtig. Veganismus wird nicht alle Probleme dieser Welt lösen." Auch ihre Eltern, bei denen sie noch immer lebt, kochen überwiegend ohne tierische Produkte. "Meine Brüder hingegen … Das ist eine andere Geschichte", sagt die Bloggerin. Familienfrieden herrsche trotzdem. Welchem Lebensmittel sie immer ihre Stimme geben würde? "Schokolade. Müsste ich mich für eine Mahlzeit für den Rest meines Lebens entscheiden, wäre das Kokos-Vanilleeiscreme mit salziger Schokoladensoße."

Ihr Sonntagsessen vereint all ihre kulinarischen Überzeugungen: "Desserts in der absoluten Mehrheit, mit einem frischen Smoothie und frischen Veggie-Wraps in der Opposition. Diese Art Essen inspiriert mich und gibt mir Kraft." Solches Power Food sind ihre Mokkacreme-Tartelettes. Eine der Zutaten ist übrig gebliebener Kaffee. Gibt es einen schöneren Weg, die Welt zu retten?

Rezept für Mokkacreme-Tartelettes

Zutaten:

Für den Teig:

  • 60 g Cashew-Kerne
  • 120 g Mandeln
  • 120 g entkernte Medjool-Datteln
  • 1–2 TL Kakaopuder
  • 1 TL Kokosöl

Für die Füllung:

  • 1 Dose vollfette Kokosmilch
  • 3 TL Kokosblütenzucker
  • 1/8 TL Meersalz
  • 2–3 TL Kokosöl60 ml starker Espresso
  • 30 g Cashewnüsse
  • 1–2 TL Mandel- oder Haselnussbutter

Zubereitung:

Für den Teig Mandeln und Cashew-Kerne in einer Küchenmaschine mahlen, bis sie sie eine grob-mehlige Konsistenz haben. Die restlichen Zutaten hinzufügen und weiterrühren, bis ein feuchter, dicker Teig entsteht. Sollte er zu feucht sein, mehr Mandelmehl hinzugeben. Sollte er zu krümelig sein, helfen mehr Datteln oder Kokosnussöl. In mit Backpapier ausgelegte Tartelette-Formen pressen und im Kühlschrank kaltstellen. 

Für die Mokkacreme mit einem Löffel das feste Fett der Kokosmilch herausschaben. Das übrige Kokoswasser zum Beispiel für Smoothies verwenden. Zusammen mit den restlichen Zutaten zu einer glatten Masse verrühren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Creme sofort in die vorbereiteten Tartelette-Formen geben oder in einem Behälter kaltstellen und anschließend auf dem Teig verteilen.

Zum Schluss die Tarte mit Mandel- oder Haselnussbutter beträufeln. Im Kühlschrank hält sie sich zwei bis vier Tage.

Sommerrollen, die wärmen können: Es kommen nämlich getrocknete Jalapeños hinein. © Emily von Euw

Auch bei von Euw kommt ab und an etwas Herzhaftes auf den Tisch. Diese veganen Sommerrollen mit Chipotle-Erdnuss-Soße schmecken auch jetzt im Herbst. Chipotle ist übrigens die Bezeichnung für getrocknete Jalapeños.

Bananen, Blaubeeren, Vanille und Ahornsirup kommen in diesen Shake. © Emily von Euw

Das übrig gebliebene Kokoswasser kann man für diesen Blaubeershake verwenden. Ohne Zweifel würde die Bloggerin ihre Zweitstimme für das beste Lebensmittel Blaubeeren geben!

Man sieht es nicht und schmeckt es nicht – aber in diesen Brownies stecken auch Süßkartoffeln. © Emily von Euw

Gooey bedeutet übersetzt klebrig. Diese Brownies mit Mandelbutter-Frosting enthalten, neben von Euws Lieblingszutat Schokolade, auch Süßkartoffeln und Bohnen. Klingt komisch? Klingt klebrig. Und sehr, sehr lecker.

Süß drin statt drauf: Emily von Euws Vanille-Karamell-Donuts sind Kugeln, nicht Kringel. © Emily von Euw


Voilà, die Fake-News unter den Rezepten: Keineswegs handelt es sich bei diesen Vanille-Karamell-Donuts um jene altbekannten, pappig-süßen Kringel mit Loch in der Mitte. Eher sind es Energy Balls in Kugelform. So herrlich können Lügen schmecken.

Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren