Harald Martenstein Über das Verfassen von Onlinekommentaren

© Martin Fengel

Lassen Sie uns ganz offen miteinander reden, ja? Im Netz geht das wunderbar einfach. Zu den Errungenschaften des Netzes gehört der Leserkommentar, der an jeden Artikel angehängt werden kann, als Lob, oder als Kritik, oder als Anmerkung.

Wir, die Journalistinnen und Journalisten, müssen sich da vieles anhören. Sogar Grobheiten, manchmal! Nicht selten ist die Kritik der Leser natürlich zutreffend. Und manchmal sehen wir das sogar ein.

Ab Mittwoch möchte ich täglich auf einen Leserkommentar auf ZEITmagazin ONLINE antworten. Die Kommentare müssen sich nicht auf eine meiner Kolumnen beziehen. Ich suche einen Kommentar aus, der meiner Ansicht nach dringend eine Antwort braucht.

Ich habe trotz diesbezüglicher Bitten verschiedener Redaktionen bisher niemals direkt auf Netzkommentare geantwortet, da ich die neue literarische Form "Leserkommentar" skeptisch beurteile. Es handelt sich bei Leserkommentaren meist um Taten, die im Affekt begangen werden. Ein guter Text braucht, ähnlich wie Wein, eine gewisse Zeit zur Reifung, diese Zeit sind die Kommentatoren nur selten bereit aufzuwenden. Da aber fast immer die Schwäche einer Textgattung gleichzeitig ihre Stärke ist – dies näher zu begründen ist mir zu zeitaufwendig –, hoffe ich auf wütende, beleidigte oder unsachliche Kommentare, die ich gerne in gleicher Tonlage zu beantworten bereit bin.

Dass dieser Kommentar eines Kommentars auch wieder kommentiert werden kann, versteht sich wohl von selbst.

Illustration Fengel

60 Kommentare

Meinen Kommentar musste ich in drei Teilen einfügen, man fange also wie gewohnt, bei 'Eins' an.
Drei:
Also - sollten es, im Falle der Fernsehfarben, meine Augen sein, die sich nicht mehr opportun verhalten und einfach nicht mehr das tun, was sie sollen?
Oder schlimmer noch - Ich - sozusagen der ganze Mensch, akkomodiere bzw. adaptiere nicht mehr ganz richtig? In diese unsere Zeiten passen würde das ja, aber dass mir das einfach so ganz und gar unvermittelt geschieht?
Oder hat mein verzweifeltes Wollen, dass da doch endlich etwas geschehen möge, etwas Umwälzendes, ja vielleicht gar Berührendes, etwas das uns vereine - zum Beispiel gegen das wachsende Wachstum - zu einem gar merkwürdigen Evolutionssprung meinerseits geführt? Und wo führte der denn hin?
Ein Gutes hat es vielleicht - der (mein) menschliche(r) Wille hätte endlich seine Zugkraft bewiesen.

Zwei:
Aber wieso haben die Schauspieler orangene Haare, die sind doch in Wirklichkeit gar nicht grün? Von dem Film habe ich, dieser Fragestellung wegen, nicht viel mitgekriegt, außer dass es durchaus heldenhaft zuging. Denn ich konnte einfach nicht herauskriegen, welche Farbe da in meinem Fernsehen die Oberhand bekommen hatte.
Also gegoogelt. 'Wieso sind in meinem Fernseher die Bäume knallorange?' Da kamen aber nur Sachen wie 'Da freut sich der Blumenfreund', etwas über Weihnachtsbäume und im Zusammenhang damit natürlich das gute alte Chlorophyll. Das mit dem Chlorophyll ist natürlich eine spannende Geschichte und dass die Farbe Orange auf den Menschen aktivierend wirkt, war auch interessant, aber spannend wurde es erst bei der additiven Farbmischung.
Da gab es dann endlich auch einige Informationen über meinen Farbfernseher.
Also, die Basisfarben eines Fernsehmonitors sind das, was ich seit gestern beinahe nur noch sehe: Knallorange, Grasgrün und Obermegablau. Aber über das zarte Magenta, das mir seit gestern die weiten Horizonte überstrahlt - kein Wort. Jedenfalls nicht eindeutig.
Sehr zweideutig auch der folgende Satz: 'Die Farben werden also erst im Auge des Betrachters vermischt.' Beim Fernsehen wohlgemerkt. Sonst übrigens auch, weil wir ja eigentlich alles umgekehrt sehen und es dann selbsttätig kurz nach unserer Geburt umdrehen, und wenn wir uns eine Brille aufsetzen, die wiederum alles umdreht, drehen wir auch das innerhalb eines Tages wieder um. Was das über die Objektivität unserer Wahrnehmung sagt, lassen wir mal dahingestellt sein.

Licht sieht mich nicht
Eins:
Mein Fernseher ist ein bisschen kaputt - d.h. die Farben sind ganz anders. Das ist schön. Es geschah gestern ganz unvermittelt. Plötzlich hatten alle Darsteller orangene Haare und die Uniformen - ukrainische Soldaten waren das meine ich - erstrahlten in einem irren Türkis. Verzaubert habe ich den violett-rosa Himmel anschaut, der Rest war entweder sehr sehr blau oder sehr sehr orange.
Nun sind das bei Tagesschauen, Heutes und Talkshows ja die angesagten Farben, ich dachte also, mein Fernseher hat sich da irgendwie angepasst. Vielleicht will er mir damit etwas sagen, Opportunismus war ja immer schon die lukrativere Lebensführungsvariante und etwas mehr Lukrativität käme mir durchaus gelegen...
Aber ich wollte eigentlich etwas ganz Anderes. Die Farben. Auf der Palette gemischt, hab ich sie im Griff, doch die in meinem Fernseher eben nicht. Zugegeben, ich genieße von den orangenen Bäume und einmal gab es eine ganz wunderbare Einstellung, eine Rasenfläche von oben, orange hingestreckt wie ein großes wildes und warmes Tier. Wunderbar.

Noch'n Bug: Wenn man in der

Noch'n Bug: Wenn man in der eigenen Kommentarliste auf einen Beitrag clickt, der mit der 'neuen' Version erstellt werde, kommt man nicht zum gewählten Kommentar, sondern nur zum ersten des threads. Soll man dann alles selbst durchscrollen, oder was? Wenn auch nur ein Verantwortlicher diese neue Kommentarfunktion mal getestet hätte, hätte auffallen müssen, das diese völlig unbrauchbar ist! Bitte sofort zum alten Standard zurückkehren.

Über diese heute zufällig entdeckte Neuerung bin ich entsetzt. Argumente dagegen wurden schon von vielen anderen genannt und ich kann ihnen nur zustimmen.
Zum Artikel: Die Arroganz und Überheblichkeit kennt man ja auch anderen Texten, aber hier finde ich sie, weil sie echt und als persönliche Meinung des Autors herüberkommt, ziemlich unerträglich.
Nur gut, dass man seine Artikel wegen ihres Inhalts ja nun wirklich schon seit Längerem nicht unbedingt lesen muss und ohne die alte Kommentarfunktion erst recht nicht.

Gerade fällt mir noch folgendes ins Auge (ok, ich hab' manchmal eine lange Leitung):
"Wir, die Journalistinnen und Journalisten, müssen sich da vieles anhören." E Pluribus Unum, oder was? Herr Martenstein, bitte melden Sie sich umgehend bei Herrn Voß!
:P
(Ein großer Vorteil von Kommentatoren gebenüber Kolumnisten - die Erwartungshaltung bezüglich Grammatik und Rechtschreibung ist deutlich niedriger!)

Endlich wieder lustig!

Die Zeit stutzt ihre gut funktionierende Kommentarfunktion auf rudimentäres Twitter-Niveau zusammen und gleichzeitig verkündet Martenstein, er wolle jetzt Kommentatoren kommentieren. Ein Brüller! Narrhallamarsch!

Auf den Wein und laßt uns einen zwitschern! Aber bitte nicht zu intelligent (könnte an zu wenig Wein liegen) und nur in affirmativer Untertanensprache, sonst war es das dann wohl bald ganz mit den Kommentaren.

Herr Martenstein, versuchen Sie bitte mal, Ihre nächste Kolumne in diesem Minifenster zu schreiben, das die Zeit uns Kommentatoren hier zur Verfügung stellt! Wirklich eine Zumutung, weder zum Schreiben noch zum Lesen geeignet. Sowas gehört bestraft. Treten Sie, stellvertretend für uns, dem dafür Verantwortlichen bitte ordentlich in den Allerwertesten!

Ich habe aufgrund der unbefriedigenden Arbeit verschiedener Redaktionen schon oftmals direkt auf Online-Artikel geantwortet, da ich die Qualität des Journalismus skeptisch beurteile. Es handelt sich bei Medienberichten meist um Arbeit, die im Akkord ausgeführt wird. Ein guter Text braucht, ähnlich wie Wein, eine gewisse Zeit zur Reifung, diese Zeit sind die Journalisten nur selten bereit aufzuwenden ("zu zeitaufwändig").

Leserkommentare sind eine wichtige Ergänzung zu Artikeln. Wir Kommentatoren fügen Informationen hinzu, korrigieren Fehler und zeigen alternative Deutungen. Die sich daraus entwickelnden Diskussionen führen oft zu neuen Erkenntnissen über ein Thema. Dafür verdienen wir Respekt, nicht arrogante Herablassung, wie Sie sie an den Tag legen! Daß Kommentare in der Mehrzahl Kritik, teilweise auch in harscher Form enthalten, ist einfach nur eine Reflektion der Wichtigkeit des Themas und der Qualität der Berichterstattung. Dies müssen Journalisten ertragen, wie andere Dienstleister auch! Über den Kunden beschwert man sich besser nicht, das kann für die Firma nur nach hinten losgehen.

Ich könnte zum Thema noch viel mehr sagen, basierend auf 14 jähriger Erfahrung als Forist, werde dies aber hier nicht tun, da ich aufgrund des Tenors Ihrer Kolummne (sowie der Tatsache, daß das Kommentarfeld so an den Rand gequetscht wurde, daß es fast unbenutzbar ist), nicht davon ausgehe, daß Sie an ernsthaften Debaten interessiert sind. Egal - wer Leserkommentare aus dem Blickwinkel der "literarischen Form" sieht, den kann man als Journalisten sowieso nicht ernst nehmen!

Euer Hochwürden,
willkommen im digitalen Zeitalter.

Ja, lassen sie uns offen reden.

Also ich als Kommentator muss auch so manches lesen, bei dem ich denke, wo haben die so einen Bockmist her, kann wohl nur von einem übermüdeten Onlineredakteur stammen, welcher scheinbar in irgend einem Keller, vermutlich Weinkeller, 24h vor seiner Kiste brütete, bis er "onlinestellen" drückt. Kaum ist es online, ja, da kommt schon der Senf von uns.
Aber ihnen geht es ja nicht um Senf, sondern um Wein, also zurück zum Wein.
Sie reden hier vom Reifen des Weins, in Wirklichkeit geben ihre Redaktionen das Tempo vor und dieses Tempo bedeutet für mich als Kommentator, ich hab nicht einmal Zeit mir ein Glas Wein einzuschenken, bis zur nächsten Schlagzeile. So sieht es doch aus.

Aber klar, sie haben auch einwenig Recht und damit wir uns finden und vielleicht etwas annähern können, geben sie uns doch bekannt, wo sie gerade am reifen sind, was sind ihre Themen?
Micheal Jackson schon gestorben? Sind sie schon soweit?
Oder evtl. noch etwas weiter zurück? 9/11 schon mitbekommen?
Also wenn sie noch vor 9/11 sind, werden sie bestimmt ein Hammer-Artikel schreiben, so lange reifen ja nur die besten Weine oder es ist nur noch Essig übrig.

Und übrigens, ja, das war eine andere Zeit, vor 9/11.
Keine Kommentare, keine Paranoia in den USA, keine NSA, keine Finanzkrise, keine Smartphones, kein Euro, Mann das waren noch Zeiten.

So, ich habe fertig, der reine Wein ist eingeschenkt, bitte sehr.

Liebe Grüsse und "Zwinker"

Wie so oft in den letzten 18- 180 Mrd. Jahren ist die Bedeutungsvergabe das Thema in der Kommunikation. Sei es unter einzelnen Higgs Teilchen, versammelten Molekülen oder der großen Leere dazwischen. Die Einladung sich zu Äußern, egal wie, ist das Spiel aus der Tiefe des Seins. Die Regeln sind dehnbar und das Ende kommt immer schon vor dem letzten Wort des anderen.

Mit der neuen, reduzierten Kommentarfunktion, wird es schwieriger anzuschliessen, was Kommunikation, frei nach Luhmann, erschwert. Aber alles ist relativ und eine der besten Frage und Antwort bleibt: Wozu? Dazu!

Sie behaupten: "Es handelt

Sie behaupten: "Es handelt sich bei Leserkommentaren meist um Taten, die im Affekt begangen werden. " (fast so etwas wie Totschlag) Ich behaupte: In Kommentaren kommt Leidenschaft zum Ausdruck, vielleicht das was Journalisten abzugehen scheint.
Bleiben Sie beim Wein, ich bleibe bei der Leidenschaft. Auf die Niederungen brauchen Sie sie nicht zu begeben. Ein jeder hat sein Recht auf sein Selbstmißverständnis. Ich stimme Ihne zu; bei Kommentaren handelt es sich um eine neue (!) literarische Form, die sich vielleicht noch sucht. Ich denke, Sie können von dieser Form noch etwas lernen.

Es bleibt also dabei: Der Journalist gibt den Oberlehrer. Es ist so schade, dass Ihre Zunft nicht begreifen will, welches Potential in uns Lesern und Kommentierern liegt. Wir sind nicht berufen, den reifenden Genießer-Text zu schreiben - aber wir können das liefern, was ihn erst richtig aufblühen lassen könnte: Andere Blickwinkel dazu, Auftakt für echte, weil zweiseitige Kommunikation (gleichberechtigt erhoffen wir nach den Erfahrungen der Ukraine-Belehrungen schon gar nicht mehr) und auch Härtetest für manchen vielleicht nur scheinbar gut gereiften Gedanken. Außerdem kennt sich jeder Leser mindestens irgendwo besser aus als der Journalist, der sich ja selbst als Oberlehrer in allem nur ein bisschen auskennt. Es könnte - Gott bewahre - gleichberechtigter Austausch sogar fachliche Qualität bringen, wenn sich zum Thema des Beitrags plötzlich drei Fachkundige zu Wort melden.

Ach Harald Martenstein erzähl uns doch nichts!Teil 2
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Die Zeiten dass ein "Fachredakteur" mit der passenden Hintergrundbildung wissend einen Betrag brachte sind doch lange vorbei!:-)
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Harald, Du willst dich im offenen Diskurs mit Beiträgen der User auseinander setzten:-) (2) Lass es. Versuch erst einmal unter Pseudonym, als kleiner namenloser Schreiber in der Menge. Hier gelten andere Bedingungen, Argumente, Polemik, .... also ganz andere Kriterien als bei den Kollegen:-)
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Du wirst uns auch Noten geben? Vielleicht auch User auszeichnen:-) mit einer Antwort? User/Leser Kommunikation geht anders:-)
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Grinsgruesse
Sikasuu
(RFFU/Verdi)
Der sich kringelt warum der Platz hier beschränkt ist:-) Willst du Schnellschüsse oder ausgereiften Diskurs?
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(1) Der Traum vieler ist doch mal am Stück 300 Seiten zu schreiben, damit was bleibt. Nicht immer Einwickelpapier für den Fisch am nächsten Tag.
2-3, ein paar Mehr haben es in den letzen 100 Jahren geschafft. Tucholsky, Kisch, Hemmingway...... selbst Reportage ist eine aussterbende Kunst innerhalb der Innung:-(((( Gutes Handwerk fehlt bei der "irgendwas mit Medien" Generation!
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(2) gegen Honorar versteht sich :-)

Ach Harald Martenstein erzähl uns doch nichts!
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Journalisten(1) gar aus der Online-Zunft schreiben abgehangene Beiträge, die wie "guter Wein" lange reifen :-)
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Es gibt also keine dead-line, keine "Morgenrunde: Wer schreibt was?".... keinen Druck: "Da muss jetzt was raus?"
Also du überlegst Montags was Freitags als Kolumne im Blatt steht:-))
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Und "Leserkommentare" sind spontan, Schnellschüsse..... ??? :-))
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Wir können alles, ausser "Rächstschraibung" klingt sehr oft aus vielen Beiträgen der bezahlten Zunft, und die haben dann ein Problem.
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Bei der Masse von Lesern gibt es bestimmt einige Prozent, die sehr viel besser im Thema sind. Die Antworten dann:-)
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Ok, auch viele Andere, die sind spontan, aber mehr als die Hälfte der Beiträge haben "Hand und Fuss" bringen Argumente, Fakten die die bezahlten Kollegen oft übersehn, deren "Tiefe" sie oft auch gar nicht begriffen haben!
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Journalisten lernen es nie!

Es geht darum, einen Sachverhalt wiederzugeben und ihn dann zu bewerten.

Leider lässt die moralische Empörung über vermeintlich Empörenswertes das regelmäßig meist nicht zu.

Häufig geht dieses Phänomen einher mit einer gewissen Nachrichtenmodulation, um sich noch energischer empören zu können:

Beispiel:

1.Bundesregierung distanziert sich von Schröder-Besuch.

2. Der Altkanzler sei ohne Kenntnis der Bundesregierung nach St. Petersburg gereist, heißt es.

3. Die Bundesregierung erklärt, Altkanzler Gerhard Schröder sei als Privatmann nach St. Petersburg gereist.

Ausgangsnachricht war 3. - 2. und 1. entwickelten sich nachfolgend.

Zitat aus ZON vom 29. April 2014 22:07 Uhr - Putin hofft auf Freilassung der Militärbeobachter

Laut Horkheimer können ohnehin die weitaus meisten unter der Bevölkerung den strukturell stets wirksamen Engpass nicht hinter sich lassen und dementsprechend nicht zur Lage der Dinge in der sozialen Welt zumindest in ihren Grundzügen der Öffentlichkeit hinreichend Auskunft geben. Dass angesichts solch eklatant fehlender Befähigung deren Leserkommentare lediglich davon zeugen, zeitlebens außerhalb dessen zu stehen, was es unabweisbar zu begreifen gilt, nimmt somit nicht Wunder. Unzählige Male ertönt vor allem im Internet deshalb auch inzwischen der aus demselben Fehlschluss herrührende Ruf danach, sich ärztlich assistiert selbst zu töten, sobald wenigstens die Erkenntnis gereift ist, auf diese Weise am Leben vorbei gelebt zu haben.

Kurz angebunden, unsachlich, unter der Gürtellinie. Das scheint ihr Kommentar-Bild zu sein. Scheinbar kennen Sie nicht die Funktion, mit deren Hilfe man auf Zeit Online (und anderswo) nach Leserempfehlungen (oder, wenn es sein muss, auch nach Redaktionsempfehlungen) sortieren kann. Das ist natürlich kein Garant für das Aussieben minder substanzieller Beiträge, aber die Wahrscheinlichkeit dadurch bessere Kommentare zu finden, ist deutlich erhöht. Wenn Sie diese Funktion öfter nutzen, werden Sie merken, dass es überraschend viele Kommentare gibt, die sich nicht mit Ihrem Eindruck decken.

Lieber Herr Martenstein,

dies ist in der Tat eine sehr gute Idee. Es ist besonders edel und hervorzuheben, dass Sie sich dem gemeinen Menschen, der da auf dem digitalen Gehweg ausgezehrt und geltungshungrig herumlungert und mittels gehässigem und unfundiertem Aufschrei, aber bar jeder Schreibfertigkeit nach Aufmerksamkeit heischt, annehmen wollen. Es adelt Sie, dass Sie diesem augenscheinlich egokranken, verzweifelten Bettler helfen - freilich nicht, indem Sie ihm anonym per pedes begegnen, sondern indem Sie in Ihrer auffälligen Amtskarosse an ihn heranchauffiert kommen, einen kurzen, schön formulierten, aber inhaltlich vor Gemeinplätzen strotzenden Absatz loswerden und ihm mithin das Gefühl vermitteln: "Du bist wer. Ich gebe mich schließlich mit Dir ab, und ich bin wer. Literat. Beruflich." Und Journalist. Und eben bald auch Psychohansel. Und Weltverbesserer sowieso.
Vielen Dank, dass Sie aus Ihrer bisherigen wohligen Anonymität im Internet auszubrechen wagen und so nicht mehr nur Inhalte, sondern eben auch Befindlichkeiten schwerstkränkelnder und -krakeelender Mitmenschen zu korrigieren trachten.

Lieber Herr Martenstein,

wunderbare Idee! Ich möchte Sie bitten, zur Premiere einen Kommentar auszuwählen, der die Pflichtvokabeln "grün-rot versifft", "Gutmenschen" und "Mainstream-Medien" enthält. Nur dann werden Sie wirklich Spaß haben. Es dürfte nicht allzu schwer fallen, einen solchen Kommentar zu finden, meistens hilft ein bisschen warten...

Sehr geehrter Herr Martenstein,

prinzipiell finde ich die Idee sehr interessant, sich manchen Leserkommentaren im Einzelnen zu widmen, denn in der Tat, manchmal wäre es schon interessant, was der Autor eines Artikels so über das ein oder andere denkt.
Einzig einen Aspekt an Ihrem Vorhaben finde ich doch ein wenig enttäuschend. In diesem Text schreiben Sie folgendes: "..., hoffe ich auf wütende, beleidigte oder unsachliche Kommentare, ..."
Darf man daraus schließen, dass es hauptsächlich um Beantwortung Kommentare solcher Art gehen soll? Und ist das dann nicht vielleicht positive Verstärkung an der falschen Stelle? Aufmerksamkeit, gerade auf das zu lenken, was eben nicht durchdacht und im Impuls geschrieben wird?
Denn sicher, Leserkommentare sind selten Perlen an Inhalt und Sprache, dennoch würde ich aber behaupten, dass es durchaus so manchen KommentatorIn gibt, die sich bemühen eine faire und gut formulierte Meinung abzugeben.
Werden aber gerade solche Kommentare gar nicht beachtet, heißt es doch am Ende, Polemik gewinnt, oder? :)
Nun, ich werde Ihre Beantwortung von Leserkommentaren wohl dennoch mit Spannung verfolgen.

Mit freundlichen Grüßen,
L.

In der Tat, eher putzig als praktisch.
Diese userunfreundliche Spielerei lässt mich vermuten, dass jetzt auch im IT-Bereich von ZON verstärkt Praktikanten am Werk sind, die hier un/unter/bezahlt ihre Genialität testen dürfen. Im redaktionellen Bereich ist das ja längst Usus.
Foristen sind hingegen stets absolute Vollprofis und Experten in allen Lebensfragen, denen würde so ein solches Webdesign nie nicht passieren.

Martenstein, Sie haben sich doch schon immer wieder mal mit der neuen literarischen Gattung Leserkommentar befasst, das letzte Beispiel ist erst ein paar Wochen her. Ihr hier dargelegter Plan ist sehr gut. Im Grunde wollen Leserkommentare ja in einen Dialog mit den jeweiligen Verfassern der von ihnen kommentierten Artikel treten, und es ist immer etwas unbefriedigend, dass dies fast nie stattfindet, und stattdessen ein Dialog mit anderen Lesern als Platzhalter herhalten muss, der seinerseits oft auch für den kommentierenden Leser ähnlich unerfreulich verläuft wie für den kommentierten Journalisten. Vielleicht suchen Sie für die neue Rubrik der Autorenkommentarantwort nicht nur abschreckende Kommentar-Beispiele heraus, obwohl ich den Hang dazu verstehen kann, sondern auch ein paar passable Mitteilungen.

Der hochverehrte Morrissey singt: It's so easy to laugh, it's so easy to hate, it takes guts to be gentle and kind. Und damit hat er wohl recht. Es ist schrecklich, wie unhöflich und ausfallend die Leute in der angeblichen Anonymität des Internets werden. Teilnehmerinnen von GNTM (für intellektuelle Zeitleser: das ist eine Castingshow, in der Models gesucht werden...^^) werden als hässlich und ekelhaft bezeichnet - auf ihrer eigenen Facebook-Seite. Auf Kritik erklären die Kommentatoren, dass jemand, der sich in die Öffentlichkeit begibt, mit solchen Beleidigungen rechnen muss.
Kommentare unter Internetartikeln zu lesen, kommt mir manchmal so vor, als würde man auf einem Festival in jedes Dixi-Klo reingucken - und jedes einzelne ist voller Scheiße!
Lange Rede, kurzer Sinn, ich freue mich auf Ihre Antworten, denn ich bin mir sicher, dass Sie jede Gemeinheit mit der Ihnen eigenen Höflichkeit vorbringen werden - und ich bin für mehr Höflichkeit im Internet.

achdumeinegüte. jetzt wollte ich gerade diesen text hier kommentieren, aber die kommentarspalte hier bei zeit-magazin ist ja grausam.
testet sowas niemand vorher?
da lobe ich zeit online immer und überall für das beste kommentartool der online-presse-welt und dann versaut ihr es hier so dermaßen?

Kleine Frage nebenbei, auch wenn sie vielleicht nicht genau hier her gehört: Finden sich die Inhalte des online-Zeitmagazins auch in der Printausgabe?

Anmerkung. Wir bitten Sie, sich in Zukunft im jeweiligen Kommentarbereich nur zum konkreten Thema des Artikels zu äußern. Zu Ihrer Frage: Online finden Sie nur einige Artikel, die auch im Magazin abgedruckt wurden. Den Großteil der Artikel wird eigens für die täglich aktualisierte Online-Version erstellt. Die Redaktion/ca

"Anmerkung. Wir bitten Sie,

"Anmerkung. Wir bitten Sie, sich in Zukunft im jeweiligen Kommentarbereich nur zum konkreten Thema des Artikels zu äußern."

Bitte nicht missverstehen, mir ist klar, dass es nicht so einfach ist, eine Kommentarspalte "auf Linie" zu halten[1], aber manchmal wäre es schön, wenn ein wenig Off-Topic geduldet würde. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leser- und vor allem Kommentar-Community von Zeit ONLINE zu mehr als nur flüchtigem Kommentar-Dahingerotze fähig ist. Dazu bräuchte es jedoch nicht nur Potential, sondern auch Raum, der das hergibt. Ja klar, viel Arbeit. Aber gerade aus Freiraum kann etwas entstehen, nicht aus Begrenzungen und Verboten. Nur als Denkansatz.

[1] Und falls Sie finden, dass dieser Kommentar zu "meta" ist, bedenken Sie bitte, dass der Artikel nun wirklich dazu einlädt.
[2] Auch ich kann nicht verhehlen, dass die aktuelle Anzeige-Form der Kommentarspalte bestenfalls Ablehnung erzeugt, im schlimmsten Falle jedoch zu Ignoranz führen wird - und das wollen weder Sie, noch ich.

Testkommentar. Wollte einfach mal ausprobieren wie das funktioniert.

Liegt vielleicht aucvh an meinem alten Browser aber bei mir ist das kommentarfenster richtig in die Ecke gequetscht und die anderen kommentare kann ich auch nicht lesen.

Wäre schade wenn es so bleiben würde, denn das interessante an den Kommentaren ist doch unterschiedliche Meinungen kennenzulernen.

Hallo Herr Martenstein!
Eine gute Entscheidung - finde ich zumindest. Es könnte zeitweise sehr spannend und evtl. "nervend" werden...
Ich würde mir wünschen, dass Sie nicht darauf verfallen, in Zukunft "grenzwertigere" Kolumnen zu verfassen, um dann möglichst viele Kommentare zu erhalten...
Bei einigen Kollegen (Joffe, Blome, Frankenberger, Stürmer...) könnte man manchmal auf diesen Gedanken kommen. Frei nach dem Motto: Egal was meine Leser erwidern, Hauptsache es sind viele...

Also, gutes Gelingen auf jeden Fall!

Es bleibt also dabei: Der Journalist gibt den Oberlehrer. Es ist so schade, dass Ihre Zunft nicht begreifen will, welches Potential in uns Lesern und Kommentierern liegt. Wir sind nicht berufen, den reifenden Genießer-Text zu schreiben - aber wir können das liefern, was ihn erst richtig aufblühen lassen könnte: Andere Blickwinkel dazu, Auftakt für echte, weil zweiseitige Kommunikation (gleichberechtigt erhoffen wir nach den Erfahrungen der Ukraine-Belehrungen schon gar nicht mehr) und auch Härtetest für manchen vielleicht nur scheinbar gut gereiften Gedanken. Außerdem kennt sich jeder Leser mindestens irgendwo besser aus als der Journalist, der sich ja selbst als Oberlehrer in allem nur ein bisschen auskennt. Es könnte - Gott bewahre - gleichberechtigter Austausch sogar fachliche Qualität bringen, wenn sich zum Thema des Beitrags plötzlich drei Fachkundige zu Wort melden.

Martenstein, Sie haben sich doch schon immer wieder mal mit der neuen literarischen Gattung Leserkommentar befasst, das letzte Beispiel ist erst ein paar Wochen her. Ihr hier dargelegter Plan ist sehr gut. Im Grunde wollen Leserkommentare ja in einen Dialog mit den jeweiligen Verfassern der von ihnen kommentierten Artikel treten, und es ist immer etwas unbefriedigend, dass dies fast nie stattfindet, und stattdessen ein Dialog mit anderen Lesern als Platzhalter herhalten muss, der seinerseits oft auch für den kommentierenden Leser ähnlich unerfreulich verläuft wie für den kommentierten Journalisten. Vielleicht suchen Sie für die neue Rubrik der Autorenkommentarantwort nicht nur abschreckende Kommentar-Beispiele heraus, obwohl ich den Hang dazu verstehen kann, sondern auch ein paar passable Mitteilungen.

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