Gesellschaftskritik Über Männer und Glücksspiel

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Ben Affleck © Tom Williams/GettyImages

Im Film ist das Casino der Ort, wo das Schicksal eine Wende nehmen kann. Weil jemand alles riskiert, sein Glück auf die Probe stellt – und dafür belohnt werden will. Oder aber man versucht, das Glück zu überlisten. Eine der schönsten Casino-Szenen liefert der Film Rain Man. Der Autist Raymond, gespielt von Dustin Hoffman, wird von seinem von Tom Cruise verkörperten Bruder ins Casino geschleppt. Raymond hat aufgrund seiner Entwicklungsstörung ein fantastisches Wahrnehmungsvermögen, er zählt beim Black Jack die Karten. Beide gewinnen, gewinnen, gewinnen. Die Manager des Casinos schauen so fassungs- wie hilflos zu.

  
Unlängst war Ben Affleck im Hard Rock Casino in Las Vegas. Der Besuch endete mit seinen Rauswurf. Affleck hat dort nicht etwa randaliert, er hat nur Black Jack gespielt. Das Sicherheitspersonal war der Meinung er spiele "zu gut". Angeblich soll er Karten gezählt haben.


"Zu gut" bedeutet scheinbar, dass er nicht oft genug verloren hat. Offenbar darf ein Mann das Glücksspiel nicht als Leistungssport begreifen. Es soll sich dem Zufall ausliefern – und der Zufall will, dass die Bank gewinnt. Andererseits müssen sich Männer heute trotzdem an ihrer Leistung im Casino messen lassen. So wie Boris Becker – er hat sich an einer zweiten Karriere als Poker-Spieler versucht. Er zeigte wirklich respektable Leistungen, es reichte sogar für einen Werbevertrag mit dem Internet-Betreiber Pokerstars.de. Im vergangenen Jahr wurde sein Vertrag aber nicht mehr verlängert. Wohl kaum weil Becker "zu gut" gewesen wäre.

Im Film Lola rennt stürmt die Protagonistin die Spielbank, setzt beim Roulette zweimal alles auf die 20 und gewinnt. Alles ist gut. In der Wirklichkeit taugt das Casino offenbar nicht mehr als Platz für Fantasien. Würde Rain Man in Las Vegas erscheinen, würden die Sicherheitskräfte ihn nach kurzer Zeit einfach aus dem Saal befördern. Mitsamt seines aufgekratzten Bruders. Das ist desillusionierend. Aber noch viel schmerzhafter ist die Feststellung, dass man offenbar gar kein genialer Autist sein muss, um beim Black Jack die Karten zu zählen. Sondern nur Ben Affleck.

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