Video "Look up" Haltung, bitte!

Das Smartphone ist das Accessoire, das zu jedem Outfit genau die falsche Haltung schafft. © Reuters/Eddie Keogh

Verpassen wir dank des Smartphones den Rest unseres Lebens? Die Gefahr besteht. Deswegen: Eine kleine Handreichung, wie man trotz Handy ein würdiges Auftreten behält. Von

Im Internet wird gerade sehr über einen kleinen Film gestritten namens Look up. Die Handlung ist schnell erklärt: Die Menschen gucken die ganze Zeit in ihre Smartphones, hängen in den sozialen Netzwerken herum und verpassen deswegen ihr Leben. Etwa weil einem gerade die Frau des Lebens entgegenkommt, man sie aber nicht sieht, weil man mit seinen 448 Facebook-Freunden beschäftigt ist.

Vermutlich hat der Film ganz Recht. Die Frau des Lebens wird tatsächlich vorübergehen, ohne einem einen zweiten Blick zu schenken. Weil Menschen, die in Smartphones gucken, leider dämlich aussehen. Immer. Der Modedesigner Wolfgang Joop hat einmal gesagt: "Man kann alles tragen, man braucht nur die richtige Haltung dazu." 

In diesem Sinne ist das Smartphone das Accessoire, das zu jedem Outfit genau die falsche Haltung schafft. Es ist verdammt schwer, mit einem Smartphone in der Hand begehrenswert auszusehen. Wer ein Smartphone in der Hand hält, senkt dabei sein Haupt. Die Schultern hängen,  die smartphonehaltende Hand ist in Bauchnabelhöhe. Wenn man sich das Gerät wegdenkt, bleibt eine Haltung übrig, als würde man seine letzten Groschen zählen. Das ist nicht eben attraktiv für vorbeischreitende Lebensmenschen.

Die Haltung mit gesenktem Kopf kennen wir vom geständigen Sünder. Vom verlassenen Liebhaber. Vom Delinquenten vor der Hinrichtung. Wer mit hängendem Haupt in der Öffentlichkeit steht, kann mit 2800 Facebook-Kontakten chatten und sieht trotzdem aus, als hätte er keinen einzigen Freund. Schlimmer kann man es nur machen, wenn man beim Smartphonebefummeln sitzt. Dann kommt zum gesenkten Blick auch noch ein Rücken, der rund ist wie bei einem Achtzigjährigen. So als würde man auf dem Klo hocken.

Man muss kein Maschinenstürmer sein, um den Eindruck zu haben, dass Menschen beim öffentlichen Medienkonsum früher würdiger aussahen. Der Zeitungsleser war eine Ikone. Menschen mit einem Telefon am Ohr können fantastisch wirken. Aber je schicker die Geräte werden, desto schlechter sehen die Leute aus, die dran hängen. 

Die richtige Haltung

Wir werden künftig noch mehr in Smartphones starren. Also ist es an der Zeit, die richtige Haltung einzunehmen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir zwar unglaublich digital involviert sein können – aber trotzdem nicht aufhören, in der analogen Welt sichtbar zu sein. Das stolze Gerät braucht einen stolzen Nutzer. Deshalb ein erster Vorschlag, wie man ein Handy halten sollte:

1. Rücken gerade halten!
2. Schultern leicht zurücknehmen!
3. Halten Sie die Nase auf Horizonthöhe!
4. Nun heben Sie das Smartphone langsam an, bis es mit der Oberkante auf Höhe der Nasenspitze ist!
5. Den Arm halten sie frei schwebend und winkeln ihn nicht an!

Das Display muss bequem ablesbar sein. Es soll dabei aber nicht die Sicht versperren. Nun kann jeder sehen: Hier ist ein Mensch, der nicht nur vor die eigene Schuhe schaut, sondern das Große, das Ganze im Blick hat. Jemand, der in die Ferne schaut (Horizont), aber auch das Nahe betrachtet (Handy). Der durch digitale Sphären surft, aber doch ganz da ist. 

Der gehobene Arm macht offensichtlich: Hier lässt sich jemand nicht vom Wesentlichen abbringen. Er versinkt nicht in seinem Handy, er hebt es nur kurz in seinen Blick. Dieser Mensch bestimmt über sein Gerät, nicht das Gerät über ihn. Er nimmt nur einen kleinen Informationssnack und steckt es danach wieder weg. Und das macht man dann auch tatsächlich. Denn das Smartphone so zu halten geht ganz schön in die Arme. 

Das wird leider nichts daran ändern, dass der potentielle künftige Lebenspartner meistens nicht vorbeikommt, wenn man sich gerade so schön aufgestellt hat. Wesentlich wahrscheinlicher ist, dass der oder die nächste große Liebe genau in dem Smartphone wartet, das man gerade in der Hand hält. Auf Facebook oder so. Aber dort wird der Partner ja nicht ewig bleiben. Man wird ihn um sich haben, aus Fleisch und Blut. Und ganz oft wird er einen anschauen. Und meistens wird man dabei gerade ins Smartphone gucken.

Kommentare

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Ein netter Artikel und auf gewisse Art und Weise ertappt man sich auch selber dabei. Das Verrückte daran ist nur, wenn ich mit Freunden – nicht per Smartphone – darüber spreche, dann regt sich sogar jeder darüber auf. Wiederum macht es fast jeder. Interessant ist auch, dass es immer wieder einen oder zwei gibt, die dann auf Freunde starren, die in ihren Smartphones hin und her klicken. Aber genau diese Zwei sind dann Minuten später, diejenigen welche, die plötzlich in ihrem Smartphone herumtouchen. Ganz schön verrückt.
Die Haltung dabei hat schon seinen Sinn, denn man genau überlegt, dann sind viele am Smartphone dran, obwohl sie in Gesellschaft sind, wenn sie sich langweilen, alleine fühlen oder unsicher sind. Dies Haltung macht diese Situation nicht nur optisch sichtbar sondern verstärkt sie sogar.
Wenn man sich dann mal den Spaß und den- oder diejenige beim Smartphonen stört, dann erfolgt oft ein freudiges Lachen, denn er oder sie bekommt direkte Aufmerksamkeit. Da kommt nicht selten ein süßes Lächeln bei raus.
Schlussendlich müssen wir aber diese Erfahrung machen, um festzustellen wie dumm die ganze Sache ist und wie viele gute Gelegenheiten Spaß zu haben, wir an uns vorbei ziehen ließen.

Ja, auch schon oft so beobachtet. Drei Einwände.

Eins. "Der Mensch bestimmt über sein Gerät, nicht das Gerät über ihn" gilt nur für den empfohlenen kurzen Blick. Wer selbst etwas schreibt oder länger liest, dessen erhobener Arm reimt sich bald auf "lahm". Ob das Gesicht dann noch elegant aussieht?

Zwei. Sich Zeit nehmen, selbst für das Smartphone. Es dann benutzen, wenn man zwischendurch sitzt.

Drei. Die kommenden Datenbrillen werden uns wieder leichter aufrecht sein und präsent scheinen lassen. Die wirklich Müden und Insichgekehrten fallen dann wieder stärker auf. Ist das gut? Für wen?