Gesellschaftskritik Kuck mal, wer da knipst

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Selfie: Ralf Möller in Cannes @ Ralf Möller/Facebook

Bis vor Kurzem dachten wir, wir würden alle Selfie-Subkategorien kennen: das Duckface-Selfie. Das Liebesglück-Selfie. Das Ich-mit-einem-Promi-Selfie. Das Urlaubs-Selfie. Das Hot-Dog-Selfie. Das Gruppen-Selfie. Wie gesagt: bis vor Kurzem. Bis Ralf Möller kam.

Ralf Möller ist Bodybuilder und Schauspieler. Man kann seine Karriere auf zwei Arten erzählen: Er spielte in Batman & Robin, Gladiator und The Tourist (allerdings nicht gerade Hauptrollen). Oder: Er spielte in Hai-Alarm auf Mallorca und Pudelmützen Rambos und war laut Wikipedia "zu erratender Begriff bei Wer bin ich". Es ergeht ihm wie so vielen Deutschen in Hollywood: eher so mittel. Möller jedenfalls ist ein Selfie-Maniac. Auf seinem Facebook-Profil findet man fast ausschließlich Selfies: Möller vor der Alster, Möller vorm Strand, Möller mit Tochter, Möller im Auto, Möller mit Zigarre, Möller vor Palme, Möller im Fitnessstudio. So weit, so öde. Bis auf dieses eine Foto.

Möller hat es in Cannes aufgenommen, bei der Premiere von Sylvester "Sly" Stallones Film The Expendables 3. Ein Selfie, auf dem man natürlich in erster Linie Möller selbst sieht und im Hintergrund ein paar Männer, die von sich wiederum ein Selfie machen. Möller schrieb dazu: "Ja Leute der Gladiator und die Expendables in Cannes! Kumpel Sly beim Selfie im Background mit Arnold, Dolph, Mel Gibson, Harrison Ford, Jason Statham, Antonio Banderas!"

Man kann auch dieses Foto auf zwei Arten sehen. So wie er es selbst sieht: Ich bin der Gladiator und Stallone, Schwarzenegger, Lundgren, Gibson, Ford, Statham und Banderas sind meine Kumpels. Oder so: Möller ist zwar dabei, aber er spielt keine Hauptrolle. Auch keine Nebenrolle. Er steht noch nicht mal im Drehbuch, obwohl er in die Truppe aus alternden Action-Stars bestens reinpassen würde. Möglicherweise ist die Freundschaft zu den anderen starken Jungs nicht mal so dick wie ihre Oberarme. Möllers Selfie erinnert ein wenig an den Schulhof, wo einen die coolen Jungs nicht mitspielen lassen. Ein so lustig misslungener Versuch, sich wichtig zu machen, dass es fast schon süß ist.

Aber wie sollen wir die neue Subkategorie nur nennen? Selfie-Selfie? Verdrehte-Selbstwahrnehmungs-Selfie? Möchtegern-Selfie? "Denk-doch-lieber-nochmal-kurz-drüber-nach-bevor-du-es-postest"-Selfie?

Das ist uns alles zu gemein. Schließlich hat Möller es mit seinem Bild geschickt vermieden, ein entwürdigendes "Liza-Minellfie" zu machen, also ein Gruppen-Selfie, auf dem man so weit hinten steht, dass einen keiner mehr sieht (wie Liza Minelli auf dem Oscarnacht-Selfie). Sein Bild ist eher ein selbstbewusstes "Ist-mir-doch-schnurz-ob-ihr-mich-nicht-aufs-Bild-lasst-ich-machs-einfach-trotzdem-und-habe-meinen-Spaß"-Selfie. Kurz: ein "Ralfie". Eine sympathische Trotzreaktion. Und wahrscheinlich die einzige Art, als Deutscher in Hollywood glücklich zu werden.

8 Kommentare

Ja, Ralf Möller hatte eine Nebenrolle im Gladiator, aber die war gar nicht so klein und obendrein überaus sympathisch. Ich sehe die Kritik von Anna Kemper als Reflex auf seine selbstverliebten Bemühungen, sein Bild in der Öffentlichkeit nicht verblassen zu lassen. Das kann man kritisch beleuchten, aber die Häme darin ist völlig unangebracht.

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