Gesellschaftskritik Alles, was der #fail ist

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Wir müssen gestehen: In den Geheimratsecken unseres Herzens gibt es auch einen Platz für die unschuldig Schuldigen und für die alltäglichen Missgeschicke. Wir wissen nämlich sehr gut, dass die Welt sich nicht immer anfühlt wie ein Pfingstsonntag auf dem Lande, dass sie uns triezt, wo sie nur kann, und das hat bisweilen mit der Technik zu tun, kurzum: mit dem Fortschritt, der manchmal wirklich zum Davonlaufen ist. So meldete jüngst die Bild-Zeitung eine neue Horrornachricht aus dem Grenzbereich zwischen Mensch und Digitalem: "Twitter-Unfall bei Marco Schreyl". Ja, auch das noch!

Wir wollen, auch wenn es Sie vielleicht schon unanständig kribbelt, an dieser Stelle nicht auf die Einzelheiten eingehen, die sich offenbar um einen ehemaligen DSDS-Ansager, ein von ihm "favorisiertes" Pornobild und die Erkenntnis drehen, dass manche sogenannte Twitter-User die Welt offenbar für alles halten, was der #fail ist. Viel interessanter erscheint uns Marco Schreyls Erklärung: Er sei "unbewusst auf favorisieren gekommen". Er hat sich sozusagen verklickt.

Nun liegt in diesem banalen Versehen einerseits natürlich die beste Ausrede für Absichten, die zwischen Aktiv und Passiv gefangen sind. Andererseits steckt in diesem Fall die gesamte Dialektik unseres Technologiezeitalters, an der wir so oft schon gelitten haben. Das Auto schenkte uns, trotz nachgerüsteter Navigationsdominas, das Verfahren. Mit Automatikdrehtüren kam das Verklemmen argloser Rentner in Einkaufszentren; und der Erfindung des Telefons folgte sogleich das Verwählen, obwohl das der Legende nach auch schon Liebesgeschichten nachgeholfen habe, in denen die Luft fortan heiß lief wie flüssiges Glas.   

Wir treten also der Menschheit nicht zu nahe, wenn wir hier einmal auf das bisher vernachlässigte Problem des Verklickens hinweisen. Und bereits unsere erste Blitzrecherche lässt uns in hemmungslosen Alarmismus verfallen: "Pflanze weg, wegen Verklicken!", "Verklickt: Urlauber bucht falsche Flüge!", "Student: Verklickt – Doktorarbeit gelöscht!", "Bankkunden: Einmal verklickt, schon abgebucht", "Verklickt: Einser-Abiturientin ohne Studienplatz!". Die größte Fehlerquelle, ach, das ist der Mensch inzwischen selbst.  

Es dürfte, so besehen, nicht mehr lange dauern, bis uns die ersten Schreckensmeldungen aus weiteren Gesellschaftssegmenten erreichen, vielleicht aus Elite-Partnerbörsen. Elendsreportagen über Jungposaunisten und Jungchirurginnen mit Elendstiteln wie "Verklickt, verlobt, verheiratet", samt Kamerateam und ahnungsvoll rauschendem Oleanderbusch vorm Haus. Wir werden ab sofort auf alles vorbereitet sein. Nicht zuletzt dank Marco Schreyl, einem ganz normalen Fernsehmoderator aus Erfurt, wo man sich zum einen übrigens "Puffbohne" nennt, woher zum anderen auch der große Reinhard Lettau kommt. Der bemerkte seinerzeit weise wie fatalistisch: "Das ist also das Einzige, was bei allen unseren Überlegungen herauskommt: Daß wir irgendwann irgendwohin klicken." Ach, "klicken" hat er gar nicht gesagt? Huch, da haben wir uns wohl vertippt.

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Fehlklicks sind die Puffbohnen unserer schnellfingrigen Tastaturgesellschaft, genau. Puffbohnen?! Gebürtige Erfurter (ebendiese wortwörtlichen "buffbouhnen") erklären das ökotrophologisch mit ihrer Vorliebe für die "aufgepuffte", also "Große Bohne". Das Bild paßt ja nun gar nicht - und ist botanisch wie auch etymologisch "vertippt". Die Ackerbohne heißt nämlich auch Saubohne, Schweinsbohne, Pferdebohne, Rinderbohne, Viehbohne - und war (und ist) sehr gut als Viehfutter zu verwenden. Womit klar sein sollte, daß der Ausdruck von faba bovis, Bohne für das Rind, sich herleitet - und nix mit menschlichem Schweinkram oder gar Flatulenzen zu tun hat (obwohl - kleines Böhnchen, kleines Tönchen, großes Böhnchen ...). Jaja, Fehlklicks als Nebengeräusche - das schreit doch nach: Musik, Musik!

Middle of the Load

Where's your finger gone, little nasty one?
What has your stinger done, nearby the way?
Where's you swinger gone, little beastly one?
What have mud-slinger done, far, far away?

Last night, I failed my twitter bring up a pong.
Oooh-ee, chirpy cheeky cheat tweet.
Woke up this morning, my world is going wrong.
Oooh-ee, chirpy cheeky sweet tweet,
Dirty chirpy cheat tweet chirp.

(vielfach zu wiederholen - Repeat-Taste drücken,
--> Netzwurm)