Andersrum ist auch nicht besser Zwei Bräute in Not

Mit Ex-Freundinnen ist das bei Lesben so eine Sache, auch wenn sie heiraten. Unsere Kolumnistin war bei einer Homo-Hochzeit mit Kampftänzen und einer intimen Rede. Von
Aus der Serie: Beziehungen

Kutsche, Kirche, Brautstrauß – eine Hochzeit in Weiß ist der Traum aller Frauen. Auf dieser These gründet ein ganzer Wirtschaftszweig, eine Rüschen-und-Tüll-Verschwörung, die auch vor Homosexuellen nicht Halt macht. Vielleicht liegt das an der großen Gleichmacherei und andauernden Beschwichtigungsversuchen der Art "Keine Angst, wir Homos tun euch nichts". Interessanterweise scheint die Übertragung heterosexueller Konstrukte auf Schwule besser zu funktionieren als auf Lesben. Zumindest steht die Verpartnerungsquote bei 60:40 zugunsten der Jungs.

Ich selbst habe nie von einer Kitschhochzeit geträumt. Nicht mal als ich noch dachte, ich wäre hetero. Geheiratet habe ich trotzdem und geschieden wurde ich auch, aber das ist eine andere Geschichte. Eine, die mein Auge für die Unterschiede geschärft hat. 

Denn auch wenn ich ein Paar kenne, das sich mit Doppelschleier im blumengeschmückten Cabrio-Corso durch die Straßen gehupt hat, sehen lesbische Hochzeiten anders aus. Vielleicht, weil sie streng genommen keine sind, sondern sich lediglich verpartnert werden darf. Oder weil das Bundesverfassungsgericht das Ehegattensplitting erst im vergangenen Jahr auch Homosexuellen zubilligte. Wenn also ohnehin nicht wirklich geheiratet werden darf, liegt es nahe, gleich ganz auf heterosexuelle Hochzeitsnormen zu verzichten. Neu, alt, geliehen, blau? Geschenkt. Zumindest theoretisch.

Meine letzte Hochzeit war lesbisch und ich ein Gast. Vorm Standesbeamten standen Christine und Ana – zähneknirschend. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten sie nicht geheiratet, Liebe hin oder her. Aber Ana ist Brasilianerin und die über 10.000 Kilometer zählende Fernbeziehung zehrte an Nerven und Geldbeuteln. Sie knickten ein. Die anschließende Party war bevölkert von Wegbegleiterinnen, Freundinnen aller Geschlechter und von Ex-Freundinnen.

Mit Ex-Geliebten ist das bei Lesben so eine Sache. Gefühlte hundert Prozent des Freundeskreises bestehen aus ihnen. Was komisch klingt, aber ziemlich klug ist: Wem könnte man mehr vertrauen, als einer, die jede Ecke und Kante kennt und die Rundungen auch? Eine Freundin zu verstoßen, nur weil die Beziehungsebene sich verschiebt, wäre unökonomisch und dumm. Lesben bleiben zusammen – auf die eine oder andere Art. Vielleicht liegt die Scheidungs-, nein: "Verpartnerungsaufhebungsrate" bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften deshalb bei lediglich zehn Prozent, während jede zweite Hetero-Ehe geschieden wird.

Auf lesbischen Verpartnerungen gibt es ein unverzichtbares Ritual: Falls keine Herkunftsfamilie zur Stelle ist, legen statt des stolzen Vaters die Ex-Partnerinnen die Geschicke der Braut in die Hand der Neuen. Das war bei Christine und Ana nicht anders. 

Ex eins spickte ihre Hochzeitsrede mit intimen Episoden aus dem Leben der errötenden Braut. Erst als sie dazu überging, Christine Ratschläge zu Anas sexuellen Vorlieben zu geben, bremste sie der warnende Blick ihres Gatten. Ex zwei rettete die Stimmung, indem sie die Bräute kurzerhand zu einem Capoeira-Ritual nötigte. Woraufhin Ex drei sie hinter ihrem Rücken und in Anbetracht der politischen Herkunft des Capoeira als Rassistin und Kulturimperalistin beschuldigte.  

Ana täuschte eine spontane Knieverletzung vor. Tatsächlich war ihr Gesicht schmerzverzerrt, als sie ihre Angetraute und Ex zwei bei deren Kampftanz beobachtete. Auch die Gäste zogen sich einige Schritte zurück, um den wirbelnden Beinen auszuweichen – ein Kunststück, das einer der drei Torten nicht gelang. Sie fiel einem besonders wilden Capoeira-Manöver zum Opfer. Immerhin war es nicht das dreistöckige Kunstwerk mit den beiden Disney-Prinzessinnen darauf, denn das hätte am Ende vielleicht als schlechtes Omen gegolten. 

Dass die Hochzeit überhaupt stattfinden konnte, war nämlich genau dieser Torte zu verdanken. Als Anas Visum sich auf der Behörde verspätete und die Hochzeit wegen einer fehlenden Braut zu platzen drohte, halfen keine handfesten Argumente. Es war ihr, mit brechender Stimme vorgetragener, Satz: "Aber die Torte ist doch schon bestellt!", der das Beamtenherz schließlich erweichte. Bei Hochzeitstorten werden eben alle schwach.

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ein alter Brauch besagt, dass die Braut am Tage der Hochzeit etwas Altes und etwas Neues (symbolisiert den Übergang vom alten ins neue Leben), etwas Geliehense (symbolisiert Glück) und etwas Blaues (symbolisiert Treue) tragen soll. Außerdem darf natürlich der Glückspfenning bzw -cent im Schuh der Braut nicht fehlen.
Grundlage für diesen Brauch ist ein englisches Sprichwort: Something old, something new, somthing borrowed, something blue and lucky six-pense in your shoe.

Etwas Blaues tragen die Bräute als Hoffnungszeichen, dass ganz bald ein kleiner Junge gezeugt und geboren wird. Dieser Brauch hat also mitr Treue nichts zu tun. Meist ist das Strumpfband blau, das der Gatte in aller Öffentlichkeit vom Oberschenkel der Gattin zieht und stolz präsentiert, wozu die Gäste dann johlend applaudieren. Dieser Brauch stellt zusätzlich das Besitzverhältnis klar - der Eingang zur süßen Pforte (Vagina und Gebärmutter) gehören von nun an ihm!