Gesellschaftskritik Prinz Harry, anarchistischer Pixelterrorist

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Eine Photobomb nennt man den Vorgang, wenn Unbekannte sich auf Bilder drängeln, auf denen sie gar nichts zu suchen haben. Da küsst sich vielleicht ein Pärchen innig – und im Hintergrund sprengt jemand die Szene, indem er eine fürchterliche Grimasse schneidet. Der Photobomber ist dabei ein anarchistischer Pixelterrorist, denn er scheut sich nicht einem wildfremden Menschen, die Aufnahme zu versauen. Dabei ist es wichtig, dass der Photobomber in etwa so hübsch ist wie das Phantom der Oper. Er muss das Bild schließlich zerstören.

Mittlerweile ist zur Photobomb allerdings die Celebritybomb gekommen.

Man möchte eigentlich nur ein schönes Bild von sich selbst machen – und schon läuft ein Prominenter herbei, der im Hintergrund wild winkt und versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So erging es dem neuseeländischen Sportfunktionär Tresor Spoiler, der Zuschauer bei den Commonwealth Games in Glasgow war. Er wollte ein Selfie von sich und seinen Kollegen machen, da sprang plötzlich Prinz Harry im Hintergrund hoch, riss den Mund auf und streckte beide Daumen in die Höhe. 

Es ist leicht zu rekonstruieren, wie es zu diesem Bild kam: Prinz Harry war nämlich nicht allein in Glasgow, sondern zusammen mit seinem Bruder William und seiner Schwägerin Kate. Wo Kate mit Prinz George auftaucht, zieht sie die Fotoblitze auf sich. Sie muss dafür nur lächeln und huldvoll winken. Harry muss sich in solchen Momenten schrecklich unberühmt vorkommen. Aus dem plötzlich aufkommenden Gefühl des Übersehenwerdens heraus, stürzte er sich also in die nächste Kameralinse, die sich ihm bot. Aus Selbstvergewisserung, um das bedrohliche Gefühl zu überwinden, dass man nicht existiert, wenn man gerade nicht fotografiert wird. 

In der Psychologie ordnet man dieses Handlungsmuster dem "Unprominenz-Frustrations-Syndrom" zu. Es ist leider noch unerforscht – wegen der fehlenden Datenbasis. Es wird deshalb allgemein dazu aufgerufen, die privaten Selfies der vergangenen Monate noch einmal durchzugehen. Falls im Hintergrund Lothar Matthäus, Katie Price, Boris Becker, Jenny Elvers oder David Hasselhoff winken oder beide Daumen hochstrecken: Bitte nicht löschen, sondern dem Psychologenverband Ihres Vertrauens zuschicken.

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