© Reuters/Seth Wenig

Germans Of New York "Irgendwann knallen die Sicherungen durch"

In unserer Serie "Germans Of New York" befragen wir Deutsche nach ihren Erfahrungen in der Weltmetropole. Wie schlägt sich eine alleinerziehende Mutter durch? Ein Interview von

Humans of New York ist das wohl erfolgreichste Großstadtblog des vergangenen Jahres. Seit 2010 fotografiert Brandon Stanton New Yorker auf der Straße und fragt sie nach ihrem Leben. Die Bilder dieses Projekts füllen nicht nur die sozialen Medien, sondern mittlerweile auch einen Bestseller-Bildband. Eigentlich wollten wir Stanton treffen und ihn bei der Arbeit begleiten. Er ließ ausrichten, er sei derzeit viel zu beschäftigt. Nun, Fremde haben's nicht immer leicht in New York. 

Warum also nicht mal Auswanderer befragen, wie sie dort zurechtkommen? So entstand die Idee zu der Serie Germans of New York. Wie geht es Deutschen in der Metropole? Wie blicken sie zurück auf ihr Herkunftsland? Verstehen sie den American Way of Life? Hat das Leben in New York sie verändert? Mit einem kurzen Fragebogen und einem Foto versuchen wir, ein paar deutsch-amerikanische Träume und Wahrhaftigkeiten aufzuspüren.

© Rabea Weihser für ZEIT ONLINE

Name: Randi Lockemann
Alter: 41
Geburtsort: Stuttgart
Beruf: Geschäftsführerin eines Biergartens
In New York seit: 1999, mit Unterbrechungen
Wohnviertel: Fort Greene, Brooklyn


Die Frage aller Fragen: Brooklyn oder Berlin?
Inzwischen Berlin.

Warum? Ich bin jetzt seit 15 Jahren hier und mir geht ein bisschen die Luft aus. Die Euphorie ist verflogen. Diese Stadt ist einfach sehr anstrengend. Besonders für eine alleinstehende Mutter mit Kind.

Was hat Sie nach New York gezogen? Ich habe Internationale Betriebswirtschaftslehre studiert und damals hier ein Praktikum gemacht. Danach brachte ich in Deutschland schnell das Studium zu Ende, habe aber dann meine Koffer gepackt und bin gegangen.

Was war so reizvoll? Im Nachhinein denke ich, ich wollte einfach aus diesem vorprogrammierten Deutschland raus, wo sich jeder an die Regeln hält. Hier in New York kannst Du vom höchsten Hoch ins tiefste Tief fallen, innerhalb von einer Sekunde. Das fand ich damals spannend.

Haben Sie einen Lieblingsort in New York? Der Strand in Rockaway, da draußen am A-Train.

Ihre Lieblingsamerikanerin? Sophie, meine Tochter.

Sie ist hier geboren? Ja, deswegen bin ich noch hier.

Mit welchen Unwägbarkeiten mussten Sie umgehen lernen? Geld, Visum, das sind die Hauptprobleme. Ich streite um das Sorgerecht und war schon wegen jedem Firlefanz vor Gericht.

Macht New York Sie noch glücklich? Jeden Tag mit Sophie finde ich super. Und man erlebt hier schon phänomenale Sachen. Mein Leben lang fand ich Yannick Noah toll und dann habe ich ihn beim Marathonlaufen kennengelernt. Solche Dinge erlebt man halt in Stuttgart nicht.

Martin Luther oder Martin Luther King? Mit einem halbschwarzen Kind: natürlich Martin Luther King.

Welche Eigenschaft fehlt Ihnen an den Amerikanern? Als Geschäftsfrau sage ich: Common Sense. Den gibt's hier gar nicht. Alltägliche Dinge, die es anderen Leuten einfacher machen. Mitdenken. Jetzt, da Sophie hier in die Schule geht, habe ich wirklich Angst, dass sie genauso wird. Ich, ich, ich – die anderen sind egal. Hier kümmert sich jeder um sich selbst.

Man begegnet aber auch einer gewissen Hilfsbereitschaft. Ja, wenn man jemanden nach dem Weg fragt, begleitet er einen zur Not da hin. Die New Yorker sind schon nett, aber damit hat sich's eigentlich auch. Einmal habe ich in der Subway gemerkt, dass ich ohnmächtig werde. Ich bin dann ausgestiegen und habe mich auf den Bahnsteig gelegt, in meinem Business-Kostüm. Alle Leute haben geguckt, aber niemand hat etwas gemacht.

Was macht Ihnen Angst in New York? Dass die Menschen irgendwann ausrasten, weil alle so unter Strom und unter Druck stehen. Manchmal sitzen in der Bahn so seltsame Typen, da weiß man nie, wann sie durchdrehen, auf welcher Droge sie gerade sind. Ich finde die Leute schon ein bisschen unkalkulierbar. Auf jedem lastet so viel Druck, jeder muss so viel Geld aufbringen für Miete und Essen, und irgendwann knallen die Sicherungen durch.

Verstehen Sie Amerika mittlerweile? Nein. Niemand hält sich an die Regeln. Jeder wurschtelt so vor sich hin, es ist ein Chaos. 

Kommentare

26 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

So, wie die Reihe geführt wird, ist sie für den Leser nutzlos.
Was mir bei den Interview wie bei dem ersten fehlt, ist die Frage, wie der Betreffende ein Visum bekommen hat und was er genau damit darf.
Ich lese ein Interview (oder einen Artikel allgemein), um für mich daraus etwas zu ziehen. Und das sehe ich weder bei Gesang auf der Brücke noch bei Ohmachtsanfällen in der U-Bahn.

So, wie die Reihe geführt wird, ist sie für den Leser nutzlos.
Was mir bei den Interview wie bei dem ersten fehlt, ist die Frage, wie der Betreffende ein Visum bekommen hat und was er genau damit darf.
Ich lese ein Interview (oder einen Artikel allgemein), um für mich daraus etwas zu ziehen. Und das sehe ich weder bei Gesang auf der Brücke noch bei Ohmachtsanfällen in der U-Bahn.

Solche Informationen findet man im Netz, wenn man wirklich gezielt danach sucht. Immerhin handelt es sich dabei um Gesetzesfragen, zu einem gewissen Teil wird es öffentlich sein. Der Zweck dieses Interviews ist über den eigentlichen Fragen genau aufgeführt.

Ich finde die Einblicke in dieses fremde Leben sehr interessant, hätte mir aber zugegeben ein wenig mehr Tiefe, weniger Abarbeiten der Fragen gewünscht.

@ Sushima. Sorry, aber wenn es um das Visum geht, und was damit möglich ist, da hilft jetzt wirklich Google. das hat absolut nichts in einem Interview mit Menschen zu tun, die ihre persönlichen Ängste, Glücksmomente etc. preisgeben. Ich war von dem Interviews sehr angetan, obwohl es so kurz war. Die Antworten haben unheimlich viel wiedergegeben, wie sich Randi dort fühlt, was sie vermisst und was sie mag. Kein langes und leeres Blabla. Danke.