Gesellschaftskritik "Heißt das nicht geliked?"

© Stephen Lovekin / Getty

Ein unbekannter Hacker hat Nacktfotos von Stars wie Jennifer Lawrence, Rihanna oder Hayden Panettiere gestohlen und online gestellt. Weltweit wird nun über Datenschutz debattiert. Auch in einem Wohnzimmer in einer ungenannten deutschen Stadt hat sich eine Gruppe von Frauen getroffen, die aus diesem Datenskandal ihre Konsequenzen ziehen will.


Melanie Müller: "Also Mädels, total superschön, dass ihr da seid. Ihr habt ja sicher in der Bild gelesen, dass ein Hacker Nacktfotos von Jennifer und Rihanna geleakt hat..."
Janina Youssefian: "Heißt das nicht geliked?"
Melanie Müller: "...also da sind jetzt jedenfalls diese Fotos, und die werden superkrass geklickt."
Liliana Matthäus: "Cool."
Gina-Lisa Lohfink: "Ja und? Was haben denn wir damit zu tun?"
Kader Loth: "Die sind doch selbst schuld. Ich weiß echt nicht, warum wir hier sind. Und dafür habe ich das Casting fürs Promi-Dinner abgesagt!"
Melanie Müller: "Denkt doch mal nach! Die Mädels können sich ganz unschuldig geben, schließlich sind die Bilder eigentlich privat. Sie gelten als unschuldige Opfer, jeder will sie interviewen. Und zugleich zeigen die Bilder, wie heiß sie sind. Na? Klingelt's?"
Liliana Matthäus: "Ich schau mal nach."
Melanie Müller: "Nicht an der Tür, Liliana! In deinem Kopf!"

Liliana Mattäus wiegt ihren Kopf hin und her, schaut skeptisch.

Kader Loth: "Du meinst, es wäre cool, wenn uns das gleiche passieren würde?"
Melanie Müller: "Genau! Wir müssen einfach nur Nacktfotos von uns in die Cloud hochladen und abwarten. Supereasy!"
Gina-Lisa Lohfink: "Cloud? Was ist das denn?"
Melanie Müller: "So ein Teil mit Daten drin."
Janina Youssefian: "Heißt das nicht Kalender?"
Melanie Müller: "Nein, kein Kalender! Halt so etwas, wo alles drin ist, was einem wichtig ist! Fotos und so."
Gina-Lisa Lohfink: "Facebook?"
Melanie Müller: "So ähnlich. Also Mädels, Nacktfotos habt ihr ja wohl alle."
Alle: "Also das sind keine Nacktfotos, sondern ästhetische..."
Melanie Müller: "...ja..."
Alle: "...und künstlerische Bilder von einem richtig guten Fotografen..."
Melanie Müller: "...ja..."
Alle: "...die ich mir anschauen kann, wenn ich alt bin, damit ich dann sehe, wie schön ich mal war."
Melanie Müller: "Ist klar, Mädels. Könnt ihr dann alles bei Lanz erzählen. Also jedenfalls ladet ihr die Bilder in die Cloud hoch, am besten in einen Ordner, der 'privat' heißt. Den Rest erledigt dann der Hacker."
Liliana Matthäus: "Ist das dein Agent?"
Melanie Müller: "Nein, natürlich nicht! Der Typ halt, der die Bilder klaut!"
Janina Youssefian: "Der klaut aus der Cloud! Superwitzig irgendwie!"

Einen Monat später. Krisentelefonat.

Melanie Müller: "Mädels, wie sieht es aus?"
Alle: "Also bei mir ist nichts passiert."
Melanie Müller: "Bei mir auch nicht. Ich verstehe das nicht..."

Stille.

Janina Youssefian: (schluchzt) "Meint ihr, also könnte es sein, dass sich einfach niemand für uns..."
Alle: "Auf gar keinen Fall!!!"
Melanie Müller: "Diese Hacker werden einfach immer unverschämter! Die denken, sie haben die Macht! Aber nicht mit uns!"
Gina-Lisa Lohfink: "Was können wir denn jetzt machen?"
Melanie Müller: "Ich habe uns zu einem Informatikkkurs angemeldet. Wir hacken das jetzt selbst!"

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Ha, liebe Frau Anna Caroline Kemper-Schelling, geben Sie es zu - Sie sind wie Ihre literarische Vorfahrin bei der Lektüre lachend vom Stuhl gefallen. Das Frauenbild, jaja, das Frauenbild: Nicht Schillers "Glocke" scheint Ihnen vorgelegen zu haben, sondern deren Verfilmung bei RTL2 "Unter Glocken". In einem Punkte ist Ihnen aber zu widersprechen: GLL ist keineswegs so dusselig, wie Sie von Ihnen dargestellt wird - sie hat mittlere Reife, eines ordentliche Ausbildung und kann nachprüfbar das "Lied von der Glocke" (ca. 448 Verse o.ä.) komplett auswendig, heute noch, angeblich ... Selbiges würde ich bei Ihnen und mir heftig bezweifeln. "Denn drinnen waltet die züchtige Hausfrau" - und würde was mit derzeitigen technischen Mitteln machen?! Eben ...