Gesellschaftskritik Pharrell, der Pheminist

© Andreas Rentz/Getty Images

Pharrell Williams hat es wieder getan. Nein, nicht schon wieder einen Superhit gelandet, der weltweit von allen gesungen und betanzt wird. Nein, er hat sich  – wie schon so oft – für die Rechte der Frauen stark gemacht. Feminismus ist, man kann es nicht anders sagen, eins von Williams Herzensthemen. Diese Woche hat er sich im Focus dazu geäußert. Dort sagt er unter anderem: "Feminismus ist schon jetzt richtig cool."

Nun wird Williams ja häufig vorgeworfen, seine Songs und Videos seien frauenverachtend und sexistisch. Ein Widerspruch, den die Gesellschaftskritik so nicht stehenlassen will. Deshalb haben wir Williams feministische Theorie anhand einiger Interviews, die er gegeben hat und einiger seiner Songtexte und Videos mal auf Herz und Nieren und Glaubwürdigkeit geprüft.

  •  "Ich unterstütze Feministinnen, denn es gibt Ungleichheiten, auf die hingewiesen werden muss." – Williams selbst weist schon seit Jahren in Videos wie Blurred Lines darauf hin, dass Frauen Brüste haben, Männer aber nicht. Mutig!
  • "Frauen waren meine Musen", sagt er über sein aktuelles Album. "Sie denken vielleicht, ich mache einfach so die Musik, die mir in den Sinn kommt. Aber wissen Sie, was ich mache? Ich verstecke Hinweise in den Songs, die offenbaren, dass dieses Album auch von ihnen inspiriert wurde." – Wir untersuchen einige seiner Texte: "Tonight I think I wanna be dirty, girl / Do you wanna get dirty, girl? Come on / Light that ass on fire / Do you wanna get dirty, girl? Let's go", "Make that pussy just gush", "Let me serve you, serve you/ Hot sex and gold, shiny things". Alles eindeutig von Frauen inspiriert. Respekt!
  • Williams fordert dazu auf, Frauen nicht zu bevormunden: "Wir sind zu sehr damit beschäftigt, Frauen zu sagen, was sie mit ihrem Körper tun oder lassen sollen." Die Textzeile "I know you want it" aus dem Song Blurred Lines ignoriere entgegen anderslautender Vermutungen keineswegs den Willen der Frau, sondern sei das legitime Aussprechen einer "korrekten Vermutung" – ähnlich einem Autoverkäufer, der einem Kunden angesichts eines schönen Wagens sage: "Ich weiß, du willst ihn." Einleuchtend!
  • Auf den ersten Blick klingt es enttäuschend, wenn Williams sagt, er glaube, es sei für ihn trotz all seines Engagements "unmöglich" sich als Feminist zu bezeichnen. Doch seine Begründung lässt jeden Widerspruch verstummen: "Ich bin ein Mann!" Überzeugend!

Unser Fazit: Pharrell Williams ist auf der Seite der Frauen. Wenn es um Frauenrechte geht, ist er ganz, ganz nah bei ihnen.    

Kommentare

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Ich habe Pharrell Williams nie als frauenfeindlich wahrgenommen. Er hat immerhin auch "Hollaback Girl" mit Gwen Stefani produziert. Ein Sexist entlarvt sich nicht durch einzelne Satzfetzen, sondern durch seine gesamte Attitüde. Vielen Sexisten ist gar nicht bewusst, dass sie Sexisten sind. Sie "leben" quasi den Sexismus ohne darüber zu reflektieren. Bei Williams ist mir das bisher nicht aufgefallen.
Ich muss zugeben, dass ich kein besonderer HipHop Fan bin und auch nicht jeden englischen Songtext übersetze um das zu überprüfen. Aber sexistisch wird eine Aussage meist erst, wenn sie als diskriminierend gemeint ist. Ein Klischee ist bei dem einen eben einfach ein stereotypes Vorurteil, bei dem nächsten ist es diskriminierend. Die HipHop-Kultur - wie eigentlich die ganze Muskszene- ist voller Klischees und braucht bestimmte Bilder für's Marketing. Tanzende nackte Frauen sind erst einmal nur das. Ein Haus voller nackter Frauen als "Candyshop" darzustellen ist allerdings etwas völlig anderes.

Um es kurz zu fassen: Ich habe mich noch nie durch Williams beleidigt oder degradiert gefühlt. Ich finde ihn sympatisch. Da ich mir einbilde, eine einigermaßen gute Intuition für Diskriminierung zu haben, werte ich das mal als positiv.

Interessanter Artikel! Endlich mal ein Feminismus Artikel der Sexualität nicht missachtet.

Leider scheint bei Feministischen Aussagen oft durch, dass es der Person auch darum geht die Norm von Partnersuche deshalb zu verändern, weil sie dieser Norm nicht entspricht. Dabei geht es oft sehr banal um sexuelle Macht.
Damit möchte ich nicht sagen, dass es nicht nötig wäre für mehr Gleichstellung zu kämpfen. Solche Tendenzen torpedieren allerdings die Legitimation des Feminismus.

Sexismus funktioniert übrigens in beide Richtungen. Schonmal aufgefallen, dass fast alle Männlichen Superstars gut aussehen, in ihren Videos Reichtum, Selbstsicherheit und Dominanz darstellen? Weibliche Sexualität funktioniert anders als Männliche, sie ist oft nicht so sehr auf körperliche Reize reduziert (Pharell z.B. ist eher klein und schmächtig), aber die "Netten" enden trotzdem meist als guter Freund.

Natürlich gibt es immer auch Leute, die anders ticken. Wenn man sinnvolle Aussagen treffen möchte muss man allerdings mit Idealtypen arbeiten.