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Generation Y Hoffnungslose Optimisten

Die Generation Y erobert 2015 die Arbeitswelt. Sie gelten als Taktiker, Traumtänzer, Angsthasen, Abenteurer. Dabei sind sie Getriebene – vom Glauben an das eigene Glück. Von

Erinnert sich noch jemand an Echt? Diese Band aus Flensburg, die kurz vor der Jahrhundertwende lebensabschnittsprägende Parolen in die Köpfe pubertierender Jungen und Mädchen hämmerte? "Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind", sangen damals all jene mit, die heute um die dreißig sind. "Meine Zeit wird kommen im Jahr Zweitausendzehn", sang Frontmann Kim Frank vor 15 Jahren und meinte damit uns alle.

Wir, die Echt-Fans von damals sind heute Ende zwanzig oder Anfang dreißig – vor der Wende geboren, mit der digitalen Revolution groß und nach dem 11. September 2001 erwachsen geworden. Die Kernbelegschaft der Generation Y. Das Y wurde uns als Nachfolger der Generation X aufgestempelt, die englische Aussprache why passt zu unserer vermeintlichen Angewohnheit, alles und jeden zu hinterfragen. Je nachdem, mit wem man spricht, sind wir fleißig oder träge, unpolitisch oder strukturkonservativ. Sind wir Selbstoptimierer, Egotaktiker, Traumtänzer oder Weicheier.

Wir beschäftigen die Meinungsforschungsinstitute, Titelseiten und Talkshows. Das Sprechen über die Generation Y geht dann meistens so: Schublade auf. Facebook, Castingshows, Quarter-Life-Crisis, Hipsterbrille, Ego-Shooter, Twerking und Latte Macchiato rein. Früher war alles besser. Läuft bei dir. Schublade zu. Das ist ebenso schmeichelhaft wie unsinnig.

Dass alles in einen Topf geworfen wird – unterschiedliche Milieus und Lebenskonzepte, Stadt- und Landbewohner, Männer und Frauen – das haben Generationendebatten so an sich. Doch trotz unserer Unterschiedlichkeit ist man sich bei der Generation Y in einigen Punkten recht einig: Wir sind besser ausgebildet als jede Generation vor uns, ziehen aber dennoch die Südostasienreise der unbefristeten Festanstellung vor. Kinder wollen wir nur kriegen, wenn die Umstände stimmen. Die Umstände stimmen, wenn überhaupt, erst in zehn Jahren. Wir sind gut vernetzt, weil wir virtuos ein halbes Dutzend Social-Media-Kanäle bespielen. Vor allem aber sind wir verdammt wenige, denn in den Achtzigern sind gerade mal 14 Prozent der deutschen Bevölkerung geboren, gegenüber 18 Prozent in den Sechzigern. Weil wir so wenige sind, so die Prophezeiung, werden wir uns in Zukunft aus den leeren Chefsesseln der Babyboomer den bequemsten aussuchen können. Nach diesen Prognosen müsste es uns unglaublich gut gehen. Tut es aber nicht.

Schuld daran sind unter anderem diejenigen, die immer unser Bestes wollen: unsere Eltern. Ihr seid so viele, dass keine unserer Rebellionen je mehr als eine Minderheitenbewegung sein kann. Ihr habt uns auf eine watteweiche Welt vorbereitet, die es so leider nicht mehr gibt. Ihr habt uns mit Liebe überschüttet: "Du bist was ganz Besonderes", "Dir stehen alle Türen offen", das waren die Mantren unserer Kindheit. Als Achtjähriger fragte ich meinen Vater nach möglichen Traumberufen. "Du kannst alles werden, was du willst", antwortete er. Das gefiel mir. Bundeskanzler, Auslandskorrespondent, Künstler, Seeräuber – jede Woche eine neue Idee. Ich träumte von einer weißen Villa in Spanien, einer Weltreise oder einer Straße, die nach mir benannt wird.

Wir glauben immer noch daran, dass sich alles ändern wird, wenn wir groß sind

Heute träumen wir davon, nach dem Praktikum übernommen zu werden. Endlich eine eigene Wohnung statt eines WG-Zimmers mieten zu können. Eine Freundin erzählte mir kürzlich, dass sie sich wünscht, in einer Bar mal eine richtige Geburtstagsparty auszurichten. Nicht eine, zu der jeder sein Bier selbst mitbringen muss. Wann haben wir angefangen, so klein zu träumen?

Vielleicht war es im Jahr 2000, als die erste PISA-Studie veröffentlicht wurde und sich das ganze Land aufregte, wie unerhört dumm der Nachwuchs ist. Vielleicht in dem darauffolgenden Jahrzehnt, in dem mit uns die Bologna-Reform an den deutschen Hochschulen ankam, mit Anwesenheitspflichten, Regelstudienzeiten, Studienverlaufsplänen und Leistungspunkten. Vielleicht war es auch die Einführung von Hartz IV im Jahr 2005, als wir das Erreichen von Träumen gegen das Vermeiden von Alpträumen eintauschten. Hauptsache nicht hartzen wäre doch ein super Echt-Song, wenn es die Band noch gäbe. "Hauptsache ein Dach über’m Kopf", "Hauptsache ich kann überleben" – diese Hauptsache-Mentalität findet man bei denen, die den Krieg überlebt haben. Und bei uns.

In meinem Umfeld gibt es fast nur "kantige" Lebensläufe, die angeblich so begehrt sind bei Arbeitgebern. Mit einer Kommilitonin, die ihr Studium mit Eins abgeschlossen hat, habe ich kürzlich darauf angestoßen, dass sie eine Zusage für ihr drittes Praktikum bekommen hat. Sie verdient 300 Euro im Monat. Auf die Zukunft! Ein gleichaltriger Freund hat nach seiner Ausbildung zum Hotelfachmann die strenge Hotelhierarchie entmutigt, in der die Jungen unten klotzen, während die Alten oben kleckern. Er kellnert nun ganz ohne Ellenbogenmentalität in einem Café. Eine Bekannte aus Berlin wurde nach ihrem Praktikum in der Agentur übernommen und hangelt sich nun von Zweimonatsvertrag zu Zweimonatsvertrag. Abgesehen von Lehrern, Ärzten oder Ingenieuren, ist man mit einem geradlinigen Lebenslauf in unserer Generation eher die Ausnahme als die Regel. Und das Traurigste an diesen Geschichten ist: Wir sind nicht unglücklich mit unserer Situation. Insgeheim glauben wir nämlich immer noch fest daran, dass sich alles ändern wird, wenn wir groß sind. Und dieser Glaube treibt uns an.

Alles ist möglich, aber wir müssen trotzdem zurückstecken

Unsere Eltern hatten mit Umdiedreißig bereits ein Haus gebaut und Kinder in die Welt gesetzt. Wir wohnen in WGs oder immer noch zu Hause. Die Älteren beobachten deshalb mit Ratlosigkeit und etwas Spott, wie wir uns zwischen Praktika und Aushilfsjobs hin- und herhangeln: "Ihr habt die große Auswahl, ihr müsst bloß zugreifen!", heißt es da. Häufig nicht ohne vorwurfsvoll hinterher zu schieben: "In eurem Alter wären wir glücklich gewesen über solche Möglichkeiten." Doch statt uns zu freuen, gucken wir neidisch auf die selbstbewusste Generation vor uns, auf der nicht mehr die Last liegt, eine neue Welt zu bauen und auf die effiziente Generation nach uns, die bereits erfolgreich zu bauen begonnen hat.

Langsam begreifen wir, dass, wenn jeder von uns was ganz Besonderes ist, wir alle doch nur Durchschnitt sind. Auf unseren unzähligen Social-Media-Kanälen bekommen wir den Eindruck, dass mindestens hundert der vierhundert Freunde sogar noch besonderer sind, als wir selbst. Gegen unterirdische Praktikantengehälter rebellieren wir nicht, weil wir das Gefühl haben, dass um die Ecke schon etwas Besseres wartet. Ein Haus bauen wir nicht, weil wir dann die Idee vom Loft begraben müssten. Wir sind Krisen gewohnt: Irak-Krise, Bankenkrise, Eurokrise, Atom-Krise, Klimakrise, Flüchtlingskrise, seit unserer Jugend wimmelt es von Krisen. Wir sind mit der paradoxen Gewissheit aufgewachsen, dass alles möglich ist und wir trotzdem zurückstecken müssen, damit die Zukunft besser wird.

Ich wünsche mir für meine Generation, dass sie die Angst, die um sie herum geschürt wird, in gesunden Pragmatismus umwandelt, ganz nach der Devise: "Jetzt ist's auch schon egal, ich trau mich mal, ganz groß zu träumen." Der Topf voll Gold, den unsere Eltern uns versprochen haben, mag Einbildung sein. Dann macht eben den Regenbogen bunter!

Ihr Umdiedreißigjährigen seid keine Revoluzzer wie die 68er, dafür könnt ihr anpacken. Ihr habt nichts zu verprassen, wie die Generation Golf, aber ihr verwaltet gut. Ihr interessiert euch für euer eigenes Glück, und das ist gut so, denn ihr kümmert euch auch um das Glück anderer wie keine Generation vor euch. Ihr seid keine Selbstvermarkter, wie die Generation Z, stattdessen fragt ihr die großen Fragen. Die schlechte Nachricht ist: Unsere Zeit kam nicht im Jahr Zweitausendzehn, wie Echt damals gesungen haben. Die gute Nachricht: Zweitausendfünfzehn können wir es schaffen!

43 Kommentare

Lieber Herr Ide,

Lieber Herr Ide,

vielen Dank für diesen großartigen Artikel! Ich gehöre selbst zur besagten Generation und kenne die beschriebenen Phänomene und Situationen nur allzu gut. Es ist schwierig, Artikel zu diesem Thema zu schreiben, ohne ins Klischeehafte abzudriften. Ich finde, dass es Ihnen gelungen ist, Klischees anzureißen und kritische Fragen aufzugreifen. Was ich heutzutage besonders bedauerlich finde, ist, dass es für hochqualifizierte Berufsanfänger in einigen Branchen immer schwieriger wird, direkt auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Nach dem Motto: Du musst dich erst versklaven und dann darfst du ausgebeutet werden. Die jahrelange Ausbildung wird oft nicht so honoriert, wie ich mir das wünschen würde. Aber das ist nur eine von vielen Beobachtungen. Was ich an einigen Menschen in meinem Alter besonders schätze, ist der Wille zur Abkehr von der Leistungsdiktatur. Die Menschen in unserem Alter scheinen sich zunehmend für Modelle zu interessieren, die das Glück des Menschen in den Vordergrund rücken und für eine ausgeglichenere Lebensweise stehen. Das könnte ein Trend sein. Ich hoffe, dass er anhält. Ihnen alles Gute auf Ihrem Lebensweg!

Herzliche Grüße,

Fatima Abbas

Wie seit 6000 Jahren gibt es keine allgemeingültigen Aussagen über eine Generation XYZ. Menschen sind Individuen und in jeder Generation gibt es höchstens 1% Gewinner. Nur um es klar zu stellen ich rede dabei nicht von Geld oder gar Konsum. Geld, egal in welcher Menge auch immer macht keine Gewinner. Verlierern steht Geld oft sogar im Weg (das goldene Kalb ist halt trotzdem nur ein Kalb) aber auch das ist keine allgemeingültige Regel - den die gibt es nunmal nicht, wenn man es mit Menschen zu tun hat.

Der Artikel hat mir die Sichtweise eurer Generation mal wieder etwas näher gebracht. Was mir dann aufgefallen ist, du sprichst nicht über die "Generation Praktikum", nicht über die Generation Y. Und darin liegt wohl auch ein Teil der Probleme die du beschreibst.

Die zwei wären identisch, wenn ihr alle studiert hättet. Nur dem ist nicht so und vielleicht ist dir das nicht klar. 'Schuld' ist trotzdem keiner, dass in eurem Alter so viele studiert haben, auch nicht eure Eltern. Und auch nicht deren Eltern usw. Es jetzt eben so, wie es jetzt ist, für euch. Blöde Ratschläge helfen da auch nicht weiter. Und väterlich anbiederndes, "gut gemeintes" "Das wird schon" von "denen, die es ja auch geschafft haben", schon gar nicht. Fast schon zwingend, alles in Anführungszeichen zu setzen.

Studieren ist oder war ne gute Sache. Ich habe eine Theorie, warum das für euch allerdings ungünstig war: Wir Baby-Boomer verstopfen jetzt die guten, sicheren Posten. Nicht das wir schlecht sind. Vielleicht schon etwas langsamer und nicht mehr so engagiert im Beruf, dafür mit Erfahrung. Die Menge von uns macht es aus.

Der Pillen-Knick, nicht der Baby-Boom ist schuld! Hätte ich 6 Kinder wie meine Eltern, und meine Tochter auch so viele, wäre alles schön, abgesehen von der Überbevölkerung, die zur Katastrophe werden wird. And. Keine Ellenbogen von Rentner zu Baby-Boomern, und von uns zu euch jungen Erwachsenen.

So what? Pech gehabt? Umorientieren? Umschulen? Wenn man intelligent und an allem interessiert ist fühlt sich eine Lehre sicher falsch an. Kann man dann als "Prolet" noch interessante Menschen (UNI!) kennenlernen? Habe in einer Studie gelesen (Vodafone Stiftung), dass kaum noch wer in die IT will. Bin da drin, super Gehalt, mein Traumjob. Es ist nur wirklich so: viele Nerds, bin auch einer.

Und, hey, ich hab mich jetzt voll in den Text reingehängt, Antwort erwünscht! Oder ist das für die schreibende Zunft immer noch out? ;-)

Meine Wahrnehmung ist eine andere. Natürlich gibt es die, die so oder ähnlich leben wie beschrieben, aber die gab es zu meiner Zeit auch und auch ich habe klein gedacht, als ich so alt war. Was denken sich Autoren solcher Artikel eigentlich - das wir alles frei Haus bekommen haben? Das wir keine Ängste hatten? Ich kann mich erinnern, dass ich regelmäßig bei Sirenen gedacht habe, jetzt fliegen die Atomraketen. Ich war zur Wende 25. Glaubt ihr, das war lustig und ich konnte meine Geburtstage in einer Bar feiern?
Mann, ist das nervig. Macht, was jede Generation zu jeder Zeit getan hat: klar kommen und leben. So wie wir damals, so, wie es eben geht und bitte hört auf, die Generationen zu bezeichnen. Das Alphabet ist endlich.

Ich bin wohl auch Generation Y, habe studiert um wohl doch hauptberuflicher Tellerwäscher, Fahrradmechaniker oder Supermarktangestellter zu werden. Ich habe tatsächlich die Wahl alles zu werden was ich will. Meine Generation hat wohl wie jede andere Generation begriffen, seine Truempfe auszuspielen, die sie hat. Aber seien wir mal ehrlich, wir können für unsere Situation im Endeffekt nur alles richtig machen. Schließlich können wir auch das deshalb tun, weil wir endlich am Drücker sind und Generationen vor uns den Weg bereitet haben. Fazit: Ich finde meine Generation absolut geil. :-)

@Klesk222: Nanana. Wie wäre

@Klesk222: Nanana. Wie wäre es mit kurz darüber nachdenken vor dem absenden? Vor 1900 gab es im Endeffekt für Kinder 'niedere' Stände keine Möglichkeit zu werden, was man wollte. Kein Studium, keine freie Berufswahl, kein Geld, was man in Kinder investieren konnte. 5 - 10 Kinder satt zu bekommen war eher die Ausnahme. Die idyllische Welt, "als die Welt noch in Ordnung war", "die gute alte Zeit" gab es nicht.

Die Probleme der jungen Erwachsenen unter 30 kann ich trotzdem gut nachvollziehen.

Ich habe nachgedacht, aber sie haben vielleicht nicht genug nachgedacht. Auch vor 1900 galt genauso wie heute: Man kann alles werden was man will, zumindest im Prinzip. Wenn sie selbst König werden wollen, müssen sie nur den alten beseitigen. Gewiss die Chance ist gering, nur die Chance auf Aufstieg bzw. ein auskömmliches Leben waren ja auch schon mal besser als heute. Sie können im Prinzip immer noch werden was sie wollen wie eh und je, nur das die Chancen vor einem viertel Jahrhundert eben viel besser waren als jetzt.

"Eine Bekannte aus Berlin

"Eine Bekannte aus Berlin wurde nach ihrem Praktikum in der Agentur übernommen und hangelt sich nun von Zweimonatsvertrag zu Zweimonatsvertrag. "

Vielleicht liegt darin ja das Problem: Alle wollen nur noch in irgendwelchen hippen "Agenturen" irgend einen Kreativkackerjob haben. Und der Handwerker nebenan weiß nicht mehr wie er sich vor Aufträgen retten und woher das Personal nehmen soll.

"Wir sind Krisen gewohnt: Irak-Krise, Bankenkrise, Eurokrise..."

Nein. Ihr kennt Krisen nur vom hören sagen. Ihr kennt Hunger nur vom hören sagen. Ihr hattet noch nie welchen. Weder körperlich, noch geistig. Der Tisch war immer schon gedeckt. Vielleicht kommt daher ja die melancholische Weinerlichkeit, die man aus solcherlei Traktaten immer wieder heraus liest.

Ist ja auch schlimm, dass man für seinen Platz in der Gesellschaft kämpfen muss, genau so wie all die Generationen davor. Sorry dafür. Jetzt trinkt erst mal 'ne Bionade zusammen und dann sieht die Welt schon wieder besser aus ...

Ich bin dankbar für Ihren Kommentar. Als "Mitglied" der Generation Y wollte ich quasi genau das gleiche schreiben. Ich denke keine Generation vor uns konnte sich so enorm herausnehmen, sich mich sich selbst zu beschäftigen. Wir haben viel zu viel zeit uns über uns selbst Gedanken zu machen, und genau deshalb sind wir auch so weinerlich.

Ein guter Freund von mir beschwert sich beispielsweise darüber, dass er keinen Praktikumsplatz bekommt (BWL). ALlerdings hat er es auch noch nicht bei einem Unternehmen außerhalb der DAX30 beworben, und das mit einem mittelmäßigen Abschluss (Bachelor).

Allerdings muss man auch beachten, dass dieses Verhalten oft von unserer Generation verlangt wird. Ein Kommilitone von mir hat vor 2 Jahren quasi auf Halbzeit des Bachelors sein Informatikstudium abgebrochen. Mit einem bis dahin guten 1er Schnitt und Regelstudienzeit. Er hatte einfach keine Lust mehr. Das Studium und die ganze IT Szene hat ihm irgendwie nichts mehr gegeben. Jetzt ist er am Ende seiner Schreiner Lehre und will auch unbedingt weiterarbeiten. Gerade aus unserer Generation kamen dort hauptsächlich Zusprüche und Respektsbekundungen, während ältere oft vollkommen unverständlich reagierten. Wie kann jemand bloß ein Ingenieursgehalt aufgeben, nur weil er etwas machen möchte, was er gerne macht.

Manch Handwerker lebt nicht weniger prekär wie ein Dauerpraktikant. Wann gab es zuletzt einen wirtschaftlichen Aufschwung der bei der breiten Masse auch angekommen ist? Das ist schon mehr als nur ein Jahrzehnt her. Wenn es in Deutschland keinen Hunger gibt, wieso gibt es dann Tafeln? Die sind dann wohl nur Zeichen unseres Wohlstandes? Sie klingen auch nicht so als ob Sie andere darüber belehren könnten was Hunger ist.

Sich über die "melancholische Weinerlichkeit" anderer aufregen aber dann doch ein nicht weniger weinerliches Lamento darüber verfassen.

Wenn man jung ist glaubt man, alles oder fast alles sei möglich - und das ist auch gut so. Man sollte den jungen Menschen den Optimismus nicht vermiesen.
Tatsache ist aber auch, dass sie eine andere Lebensform als ihre Eltern finden müssen, denn die Konkurrenz nimmt überall zu, im Studium, im Beruf.....jene, die nach Selbstverwirklichung streben. Die Zahl der Studierenden ist seit Jahrzehnten geradezu explodiert - und jeder möchte seinen Platz an der Sonne. Da muss man sich schon realistisch auf seine eigenen Stärken und wirklichen Ziele besinnen, nicht der Herde folgen; wer das kann hat eine Art Jackpot gewonnen. Good luck!

Ich bin so einer!

Gewartet. Gezögert. Gewagt. Verloren. Enttäuscht. Schritt nach vorn. Schmerzen. Frust. Rückzug. Nach vorne. Gewonnen. Irgendwie.

Studium, bestanden. Oder eher überstanden? Trotzdem Trauer. Zerstörung. Hoffnung. Müder Geist. Müde Knochen. Vergangenheitsbewältigung. In Raten. Schwermut. Glück, ein Tropf in der Wüste. Geträumt. Lange Geträumt. Die Quittung, Unzufriedenheit.

Anfang dreißig. Das Ziel. Ist da. Hinten. Oder ist es der Weg? Babyschritte sind zu langsam. Sprünge sind zu mühsam. Träume sind Schäume. Wenn man sie nur denkt. Vollzeitpessimist. Teilzeitrealist. Optimismus ist der Lichtstrahl durchs Schlüsselloch. Realismus umgibt mich. Pessimismus durchströmt mich.

Glücklich sind nur die Glücksbärchis. Oder Darkwing Duck nach Feierabend, wenn Kiki ruhig schläft. Und der Kevin nicht mehr allein zu Haus ist. Oder Guile sich die blonden Haare kämmt, während Blanka sich windet. Wenn man die selbstgesetzte Hürde schafft, ist man glücklich. Bis zur nächsten Unüberwindbaren. Glück ist wohl das Hinnehmen des Jetzt. Mit Überzeugung. Wollte uns das Echt, Blümchen & Co. beibringen? "Alles wird sich ändern". Das hatte es. Die Frage ist: ändert "alles" mich oder ich "alles"? Was macht wohl happier? (rhetorische Frage)

via ZEIT ONLINE plus App

Die sogenannte "Generation Y"

Die sogenannte "Generation Y" sind weder Taktiker noch Traumtänzer noch Angsthasen oder Abenteurer (Schon mal aufgefallen, dass man mit diesen Begriffen weite Teile der Menschheit umfassen kann?). Viel mehr handelt es sich bei dieser "Generation" um ein Phantom, ein Konstrukt, eine Einkommensquelle.

Guter Artikel Alter! ;) Auch wenn ich glaube das unsere träumerei nicht nur daher kommt, dass man uns eingeredet hat das wir alles erreichen können, sondern auch weil viele unserer Generation an unseren Eltern genau beobachtet haben was eine Tretmühle ist. Ich kann für mich sagen, dass es oft eher nach Überleben als Leben aussah.. und reines Überleben wirkte auf mich langfristig nicht erstrebenswert. Naja heute hat die Realität die Träume etwas weichgekocht. Und die Schuld im allgemeinen Effiziensstreben zu geben wirkt nicht richtig wo ich selbst ein Effizienzfan bin. Die "Entscheidungsträger" sollten mal anfangen über Qualität nachzudenken.. das beisst sich nämlich gerne mit deren Effizienzverständnis.

""Hauptsache ein Dach über’m

""Hauptsache ein Dach über’m Kopf", "Hauptsache ich kann überleben" – diese Hauptsache-Mentalität findet man bei denen, die den Krieg überlebt haben. Und bei uns. "
Und in vielen anderen Generationen. Die Antwort ist meiner Erfahrung nach nicht: Alles pragmatisch sehen und "groß träumen". Macht wird mit Widerstand bekämpft - und dazu muss man sich zusammentun, auch wenn "ihr" (egal welcher Generation) es hasst.
Wer an den Fleischtöpfen sitzt und mehr daraus haben kann, gibt davon nicht freiwillig ab - zumal nicht, wenn die Alternative ist, draußen zu bleiben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten und im Grunde hofft Ihr gegen jede Statistik auf die erste: Selbst an die Fleischtöpfe zu kommen und es dann ja auch sowas von verdient haben. Die zweite ist: Mit anderen für eine bessere Verteilung kämpfen, Druck machen, analysieren, sie nicht damit wegkommen lassen - Masse bilden. So einfach - so schwer, wenn man so aufgewachsen ist, dass man nur an sich und in sich und für sich selbst denkt (Generationenübergreifend)

Und wenn man ein gefragter Hochqualifizierter si - hat man dann keinen Stress?

Das ist ja das Spannende: egal wie - alle sind gestresst, auf die eine, oder auf die andere Art.

ps. Praktikas machen heute überwiegend Journalisten/Linguisten/Wirtschaftspedagogen und -psychologen/Sozialwissenschaftler/...
Im MINT-Bereich steigt man mit der Diplomarbeit oder Dr. -Titel gleich ein.

"'Du kannst alles werden, was

"'Du kannst alles werden, was du willst'"
Und dann fällt einem nichts besseres ein als "Bundeskanzler, Auslandskorrespondent, Künstler, Seeräuber"?
Also: Helmut Kohl, Peter Scholl-Latour, Michael Jackson oder ein somalischer Habenichts auf dem Schlauchboot?
Und dann die Elterngeneration fürs Scheitern der Träume verantwortlich machen? Statt einer Spur von Dankbarkeit, dass die Albträume nicht wahr wurden?

Ich hoffe doch, nach Generation "Z", wenn die Buchstaben zur Kategorisierung am Ende ihres Alphabets angekommen sind, machen wir mit Generation "A" weiter. Alles auf Anfang; ein neues Spiel, ein neues Glück.
Oder, wie schon Galileo bemerkte: Und sie dreht sich doch. Nur nicht um uns. Aber das hatte er auch schon festgestellt.

Die Generation Y ist vor allem eine PR Idee und nichts was wirklich existiert. Die Generation Y stellt die großen Fragen? Die 68er damals wohl anscheinend nicht? Wir interessieren uns für unser eigenes Glück? Ja wer denn nicht, ansonsten sorgt ja auch keiner dafür.

So viele Plattitüden und Allgemeinplätze. Ich fühle mich fast wie beim Handlesen.

Kinder haben.

Kinder haben.
nichts ist leichter zu bekommen und schwerer zu vermeiden.
Wenn es stimmte, dass die Weltbevölkerung reduziert werden solle, haben wir ein gutes Blatt.
Was verkauft wird und geschützt, gesucht und gefunden bevor man sucht. Zweck der Übung?
Ich habe zwei Kinder, ich könnte Lieder davon singen. Wie kann man wirklich Kinder in die Schule schicken, ohne mitzuwirken, dabei zu sein und zu bleiben?
Es gibt da diesen Spruch von XXX, Name vergessen, der gesagt hat, gebe mir eine Generation und ich bestimme die Welt. Sie sind unter uns, sie heißen Google, Microsoft und Facebook und und und. Während wir uns selbst gefunden haben, haben sie uns eine Generation abgenommen und umgepolt. Die Bekannten meines 18Jährigen fallen vom Tisch wie besoffene Fliegen. Alles was sie bewegt ist, wie sie welche Drogen wann kriegen können in einem Land, wo sie die Elite sind, wo die Todesstrafe steht auf Drogenhandel. Sie reden von ihrer Zukunft wie von einer APP die sie sich holen, sie haben Sex, kurz nach der ersten Menstruation. Inhalte, Gehalt, Wissen, Weisheit alles den Bach runter und ich könnte endlos weiterberichten.....
Wer zieht die Bremse?

Exzellent geschriebener Artikel!
Zerrissenheit scheint eine Norm geworden zu sein.
Alle Gewissheiten, Wohlstand und Zukunftsperspektiven aus den als gut empfundenen 70er / 80er Jahren heraus, die unsere Generation der 68er unserem Nachwuchs wohl vermittelte, sind, wie es scheint, nicht nur ins Wanken geraten, sondern erweisen sich als auf Sand gebaut. Eine bittere Erkenntnis.
Mögen die Schwierigkeiten dieser "Welt die vielleicht an ihrer Zerrissenheit untergeht" (Erich Fried), die junge Generation - und nicht nur sie - zu einer Änderung der Blickrichtung herausfordern.
Deutet man die Zeichen der Zeit richtig, kündigt sich ein Paradigmenwechsel mit der Prämisse an, dass alles Bewusstsein, eine Bewusstseinsstruktur, ist. Dass Materie und ihre beeindruckenden, faszinierenden, beängstigenden Erscheinungsformen nicht das sind, was sie zu sein scheinen, ist hinlänglich bekannt. Mir gefällt was Einstein in diesem Zusammenhang meinte, nämlich, dass wir alle nach "einer geheimnisvollen Melodie, die ein unsichtbarer Spieler in den Fernen des Weltalls anstimmt" tanzen. Aber damit meinte er sicherlich keinen eng gefassten, regressiven Gottesbegriff - eher GEIST per se, "Gottes Geist in uns" (Römer 8).

Der Autor beklagt sich, dass alles in einen Topf geworfen wird, macht aber selbst genau dasselbe, indem er für eine ganze Generation sprechen will.

Das, was er beschreibt, mag eine bestimmte Gruppe von Um-die-Dreissigjährigen in Großstädten charakterisieren. Typisch dafür ist wohl auch der larmoyante Ton, mit dem die Eltern für die Misere verantwortlich gemacht werden: Sie haben die Kinder mit Liebe überschüttet und auf eine watteweiche Welt vorbereitet, in der man angeblich alles werden kann.

Zu erkennen, dass die Welt anders ist, hat mit Erwachsenwerden zu tun. Das muss man irgendwann auch ohne Mami und Papi hin kriegen.

Es gibt Dreissigjährige, die angekommen sind, gute Jobs und Familie haben. Die haben es längst geschafft.

Es ist also alle beim Alten: Praktikanten bekommen für ihre Arbeit nicht 1000 Euro, sondern 300. Nur Ingenieure und Ärzte haben einen erträglichen Lebenslauf. Aber im Gegensatz zu früheren Generationen haben jetzt Lehrer wieder eine Chance, wegen dem Generationenwechsel. Das ist erfreulich. Wahrscheinlich sollen die bisher geforderten Lateinkenntnisse zurückgeschraubt werden im Sprachenlehrerstudiengang: man braucht jetzt plötzlich wieder Lehrer. Was ist mit den Juristen, fallen sie aus den geraden Lebensläufen heraus? Und warum sagen nicht Eltern, Lehrer und Arbeitsamtberater nicht einfach zu den kommenden xzy Generationen:
studiere Ingenieur, Arzt oder Lehrer, damit die Menschen nicht mehr so an krummen Lebensläufen zu leiden haben????

Generation x,y,z. Langsam verliert man den Überblick. Ich sage nicht welcher Generation ich angehöre, aber das hier beschriebe passt auf meine Generation genauso wie auf alle anderen und auch wieder nicht. Mein Rat an alle Generationen der Welt: Vergesst derartige Phrasen und Klischees, die niemanden weiterbringen und nichts erhellen.

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