Gesellschaftskritik Very smoothie, Mr. Bond!

© Max Rossi / Reuters

Wir stellen uns das folgendermaßen vor: Monica Bellucci auf der Couch. Nicht etwa bei ihrem Therapeuten, sondern ganz bei sich, vor dem Fernseher. Die Seele baumelt wie das Pendel einer antiken Wanduhr. Dann passiert etwas, über das die Welt seit Tagen spricht, weil die Welt auch mal eine Pause braucht von allzu schlechten Nachrichten: Monica Belluccis Telefon klingelt. Der Regisseur Sam Mendes, verantwortlich für den nächsten James-Bond-Film Spectre, macht Monica Bellucci ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann. "Bitte", sagt er, "sei mein Bondgirl."

Wir wissen, dass Bellucci in diesem Augenblick sofort auf ihr Alter hinweist, nicht ohne Stolz, immerhin 50 Jahre seien zusammengekommen. In Bondgirljahren ist das natürlich Johannes Heesters mal zwei, aber genau darum geht es Sam Mendes. Es sei ein revolutionäres Konzept: "Zum ersten Mal in der Geschichte wird James Bond etwas mit einer reifen Frau haben!" Sean Connery küsste zwar bereits in Goldfinger eine sogenannte reifere Frau, ebenso George Lazenby in Im Geheimdienst Ihrer Majestät, aber wer will bei so einer wichtigen Mission wie der Modernisierung des Mannes kleinlich sein? Und es geht immerhin um Bond, James Bond.

Die Sensibilisierung des männlichsten aller Rolemodels begann bereits in Skyfall, da hockte der Geheimagent zusammengekauert in der Dusche, um aller Welt unter Tränen zu sagen: "Meine Psychotherapie zeigt Wirkung, ich spüre mich endlich wieder." Wie alle Männer muss auch James Bond sich verändern, um den Anforderungen an den modernen Mann gerecht zu werden. Wie das in den künftigen Filmen aussehen wird? 

– In Zukunft gesunde Ernährung. Geschüttelt oder gerührt? Püriert, bitte! Die Zeit der Martinis ist vorbei. Der Agent bestellt an der Bar einen grünen Smoothie.

– James Bond kämpft gegen den Oberschurken Klimawandel: Keine Sportwagen mit hohen CO2 Emissionen mehr. Bond steigt um auf Segway und Fahrrad. Helm und Warnweste nicht vergessen!

– James Bond, bald schon Veganer und Pazifist, verwendet keine Projektile aus Stahl, Blei und Kupfer mehr, sondern lädt das Magazin seiner Handfeuerwaffe fortan mit Gummigeschossen aus rückstandslos abbaubarem Naturkautschuk.

– James Bond kämpft gegen die Verschwendung von Steuergeldern: vielleicht sein wichtigster Kampf. Neues Equipment künftig nur noch mit Crowdfunding! 

– Keine Fehlzeiten oder Krankschreibungen auf Kosten der Kolleg_Innen. Lieber rechtzeitige Burn-out Prophylaxe durch Zumba und Qigong. Und wenn Erholung, dann nicht mehr am fernen Südseestrand, sondern im Gehöft um die Ecke.

– James Bond ohne Affären, das geht nicht. Was aber geht: Nach dem Sex ist vor der lebenslangen Freundschaft. Kräuter-Harmonietee, lange Gespräche, anschließend Zoobesuche mit den Kleinen.

– Nach Feierabend schreibt der Agent einen Beziehungsratgeber über sein Herzensthema: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter dem Arbeitstitel "Ich war dann mal weg: Mein langer Junggesellenabschied zu mir selbst."

– Maßanzüge, rahmengenähte Schuhe, britischer Trenchcoat, alles sowas von Last Season? Warum in den Schrank damit? James Bond nutzt zukünftig Kleidertauschbörsen.

– Neues Bondgirl? Neue Pistole? Neue Sonnenbrille? In Zukunft nicht mit 007! Die alte ist doch noch gut.


Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Das sehe ich genauso. Der Film wird Mist. Ab "der Mann mit dem goldenen Colt" ging es mit 007 bergab. Klar, Bond trinkt noch immer Martinis, fährt Aston Martin, schiesst mit seiner Walther und hält dabei ein auch diesmal hübsches Bondgirl im Arm. Aber an den Witz, die Ironie und die Coolness der frühen Filme kommt man nicht mehr heran. Ich fürchte Blofeld hat sein Ziel erreicht.