Gesellschaftskritik Nachricht von Sean

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Nach anderthalb Jahren Beziehung gehen Charlize Theron und Sean Penn getrennte Wege. Eine offizielle Trennung gab es nicht, stattdessen ist Theron wie ein Geist aus Penns Leben verschwunden. Sie ging nicht mehr ans Telefon, beantwortete keine SMS, reagierte auch sonst nicht auf Kontakt. Man nennt das "Ghosting", in Anlehnung an den Film Ghost – Nachricht von Sam. Ganz treffend ist der Begriff allerdings nicht, ging es doch im Film nicht darum, abzutauchen, sondern als Schattenwesen da zu bleiben. Aber das war dem Trend egal. 


Auf den ersten Blick scheint Ghosting die ideale Lösung für ein furchtbar anstrengendes Problem zu sein. Der moderne Mensch hat es schon schwer genug, hin- und hergerissen zwischen Vollzeitjob und Wochenendeinkauf. Jede Entscheidung strapaziert die Nerven: Aerial Yoga oder Pilates? Biergarten oder Beach Bar? Weißes oder schwarzes T-Shirt? Einmal getroffen, zieht jede Entscheidung Konsequenzen nach sich – die Trennung vom Lebensabschnittsgefährten bildet da keine Ausnahme. Nie war es einfacher als heute, eine Person vollständig aus seinem Leben zu entfernen: Beziehungsstatus bei Facebook ändern, WhatsApp-Verlauf löschen, Tinder-Profil blockieren. Wer es dann immer noch nicht kapiert hat, wird aus dem Adressbuch entfernt.

Nicht, dass es nicht auch alternative Trennungsmodelle gäbe, die bestenfalls mit dem Ernährungskonzept korrespondieren wie etwa bei Gwyneth Paltrow und Chris Martin. Ihre zehnjährige Ehe lösten sie auf denkbar sanfte Art auf: mit Respekt, Verständnis, Wertschätzung und dem Versprechen, Freunde zu bleiben. Grund für dieses "conscious uncoupling" war wohl Paltrows Achtsamkeitsdiktat, und die Hoffnung, wenigstens noch ein paar Karmapunkte zu sammeln. Oder eine gute PR-Beratung. Trennungen sind immer trending.   

Je enger ein Paar verbunden ist, desto komplizierter gestaltet sich auch seine Trennung, ganz gleich ob durch Ghosting oder bewusstes Entkoppeln. Wohnung, Kinder, Haustiere: Wer hat schon Lust, einen gemeinsamen Haushalt aufzulösen? Bevor man über jedes Stück des 24-teiligen Kaffeeservices debattiert, zertrümmert man es doch besser. Im Grunde ist es schwer nachzuvollziehen, warum jemand sich freiwillig das Trennungsszenario entgehen lässt.

Das Beste kommt immer zum Schluss, oder nicht? Frauen, die auf Ohrfeigen verzichten und ihren Aperol Spritz trinken, anstatt ihn dem Gegenüber ins Gesicht zu kippen, ist nicht mehr zu helfen. Und auch nicht Männern, die ihrer jahrelang schwelenden Unzufriedenheit nicht mit einem handgeschriebenen Zettel auf dem Küchentisch – "Bin nicht Zigaretten holen" – ein Ende bereiten. Gibt es etwas Schöneres als zwei Stockwerke tief fliegende Fernseher, Scheiterhaufen aus Liebesbriefen, zwangsentlüftete Fahrradreifen, Voodoopuppen-Zeremonien oder Hassbotschaften auf Windschutzscheiben?      

Trennung heißt Drama, als oscarprämierte Schauspielerin müsste Charlize Theron das eigentlich wissen. Nachricht von Sean: An Geister erinnert man sich nicht.

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