Gesellschaftskritik Die Krux des Glücklichseins

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© Guillaume Horcajuelo / dpa

Robbie Williams hat vor ein paar Tagen ein äußerst gutgelauntes Interview gegeben, in dem er sehr ausführlich darüber sprach, wie glücklich er ist. Seine Frau sei klug und schön und lustig, er wolle immer mit ihr zusammen sein. Er schmuse gern mit seinen Kindern und habe in alldem endlich den Sinn seines Lebens gefunden. Die ganze Sache habe nur einen Haken – vor lauter Glück falle es ihm schwerer, etwas zu finden, über das er singen könne: "Es ist mir aufgefallen, dass die Qualität meiner Texte und meiner Musik gesunken ist, seitdem ich fröhlicher geworden bin."

Robbie Williams war ja nicht immer so glücklich. Er war medikamenten-, drogen- und alkoholabhängig, depressiv und jahrelang Mitglied von Take That. Er rauchte 60 Zigaretten am Tag. Er glaubte an UFOs. Er hatte  Burn-out, war essgestört, prügelte sich öffentlich und scheiterte immer wieder am Entzug. Wenn er "I don't want to die, but I ain't keen on living either" sang, nahm man ihm das durchaus ab. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde er eher auf den totalen Absturz zusteuern als im Familienglück enden.

Jetzt ist er also glücklich und macht schlechte Musik. Daraus kann man zwei Dinge schließen: Erstens, dass es sehr viel mehr glückliche Menschen geben muss, als man gemeinhin so annimmt. Helene Fischer zum Beispiel: ziemlich happy. David Guetta: sicher auch total gut drauf. Bushido: eine Frohnatur. Coldplay: wesentlich besser gelaunt als früher. Und zweitens: Wenn jemand wie Robbie Williams schon selbst merkt, dass seine Musik schlechter wird, könnte er doch einfach damit aufhören und sich und uns das Gedudel ersparen. Aber – und wenn Sie diese Pointe nicht gelungen finden, dann mag es daran liegen, dass draußen die Sonne scheint und uns äußerst gute Laune macht – bei Robbie Williams freuen wir uns seit diesem Interview über jeden, wirklich jeden schlechten neuen Song: Er hat sich das Recht auf schlechte Musik wirklich verdient.

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Keine Panik (!)

Keine Panik (!)
"Es ist mir aufgefallen, dass die Qualität meiner Texte und meiner Musik gesunken ist, seitdem ich fröhlicher geworden bin."

Nur die übliche Ausrede für einen Hänger, würde ich meinen. Wer das Klischee glaubt, daß man unglücklich sein muß, um gute Texte zu schreiben, dem empfehle ich bspw. Texte von gerade unglücklich verliebten zu lesen. Ein Prozent davon mögen ja gute Songtexte oder Weltliteratur werden (eher wohl weniger) aber im allgemeinen stellt das Lesen solcher Ergüße den Leser auf eine harte Charakterprobe (vor allem, wenn er den Autor kennt).
;)
Robbie hat so viel hinter sich, daß es für zwei oder drei Künstlerleben reichen müßte. Wenn er sich daran nicht mehr erinnern kann/möchte, ist das wohl das Problem, bzw mangelnde Erfahrung mit dem glücklich sein.
Keine Panik Robbie...das Sofabäuchlein braucht eben auch eine Weile.
;)

Oh Caption, my Caption! (Pardon - das ist der andere Williams, schon selig).
Oder: "Und das Heupferd trägt ne Tolle" (Robbie Alsmann, lächelnd wie ein solches, vor "Kolumne frei?!" - nee, doch nicht).
Oder: "Always look on the bride site (sic!) ..." (so viel zur vergnüglichen Crux des Ehestandes - aber schon wieder das falsche Idle), also dann nochmals mit Gefühl und aktualisiertem Wellenschlag:

I'm bound by contract on singing -
not sure I understand this role I've been given.
I sit and talk to God, and it just grumbles at my plans.
My heart speaks a language I misunderstand.
I just wanna feel real music, feel the song I live in
'cause I got too many notes running through my brains going to waste.

Bored myself to death that's why I keep on singing,
before I've arrived I can see myself coming.
I just wanna feel real life, feel the world that I live in
'cause I'm at a loss for words running from tongue going to phrase.
And I need to feel real pain and the love so to speak I cannot get enough.
I just wanna feel real songs and the love ever after.
There's a hole in my role you can see it in my eyes,
but only one in baby size.