Eurokrise Game of Greece

Der Aufstieg und Fall Griechenlands erzählt viel über Europa, Politik und Macht – wie auch "Game of Thrones". Ein exklusiv illustrierter Episodenguide durch die Krise

Read the English version of this article here

© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Ein halbseidener Handel

Sie sind drin. Im Juni 2000 winken die Staats- und Regierungschefs der EU den Beitritt Griechenlands zum Euro durch. Bundeskanzler Gerhard Schröder gratuliert dem Premier Kostas Simitis – und das Unglück nimmt seinen Lauf. Experten warnen, dass die Bücher des Staates nicht stimmen. Doch niemand hört auf sie.


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Die griechische Leichtigkeit

Das Land feiert ein großes Fest. Denn mit der Einführung des Euros sinken die Zinsen drastisch. Das billige Geld lässt die Wirtschaft florieren. Die Arbeitslosigkeit geht zurück, die Löhne steigen. Im Jahr 2004 richtet das Land die Olympischen Sommerspiele aus. Griechenland gilt als Musterland.


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Die große Offenbarung

Drama in Athen, das Geld wurde verschwendet. Korruption und Misswirtschaft haben das Land im Griff. Im Jahr 2009 muss der neue Regierungschef Giorgos Papandreou gegenüber Brüssel und der Finanzwelt einräumen, dass die Haushaltslücke doppelt so hoch ist wie angegeben.   


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Das Geld anderer Leute

Griechenland hat alles Vertrauen verspielt, der Ruf ist dahin. Die Investoren ziehen ihr Geld ab, es droht ein Staatsbankrott. Aber Europa ist solidarisch. Im Mai 2010 bewilligten die Vertreter der schwarz-gelben Koalition, Volker Kauder, Guido Westerwelle und Wolfgang Schäuble ein Rettungspaket.     


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Das Volk begehrt auf

Ausschreitungen legen das Land lahm. Viele Griechen sind verzweifelt. Sie verlieren ihre Arbeit, Löhne und Renten sinken: Durch das Spar- und Rettungsprogramm leidet die Wirtschaft massiv – das Land braucht im Jahr 2011 noch mehr Geld. Ein zweites Rettungspaket mit neuen Auflagen wird verabschiedet.


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Ein eigennütziges Geschenk

Die Schuldenlast ist viel zu hoch. Griechenland kann sie nicht mehr tragen. Monatelang verhandeln die Griechen mit dem Bankier Josef Ackermann, dem obersten Repräsentanten der Privatgläubiger. Im März 2012 wird dem Land schließlich die Hälfte der Schulden erlassen, in der Hoffnung, dass der Rest bezahlt wird.

 

© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Der Besuch der Kanzlerin

Ist sie die Königin von Europa? Angela Merkel reist im Frühjahr 2014 nach Athen, wo inzwischen Antonis Samaras regiert. Sie will sich ein Bild von der Lage verschaffen: Die Wirtschaft läuft etwas besser, aber die Menschen haben davon nicht viel. Noch immer sind mehr als 25 Prozent arbeitslos – und die Zahl der Enttäuschten nimmt zu.


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Der linke Volksheld

Revolution an der Wahlurne: Im Januar 2015 wird Alexis Tsipras zum Ministerpräsidenten gewählt. Er verspricht, die Sparpolitik zu beenden und das Land zu reformieren. Die Euphorie ist groß, denn erstmals seit vielen Jahren besteht Hoffnung auf einen Neuanfang ohne die alten Eliten, die das Land ruiniert haben.


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Der Kampf mit der Troika

Statt gegen Korruption und Steuerhinterziehung zu kämpfen, werfen sich Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis in eine Schlacht gegen die Geldgeber, um die Schulden loszuwerden. Das misslingt, am Ende sind alle lädiert, und die Krise spitzt sich zu. Ein Grexit steht bevor, die Banken schließen.


© Miriam Migliazzi & Mart Klein

Der europäische Thron

Dramatische Wochen liegen hinter den Europäern. Die griechische Regierung verlässt den Verhandlungstisch mit den Euro-Staaten, dann stimmen die Griechen in einem Referendum gegen ein von ihnen empfundenes Diktat. Sie schmähen Angela Merkel als hartherzige Herrscherin von Europa. Dennoch will Griechenland Mitglied der Währungsunion bleiben. Nach erneuten, nächtelangen Verhandlungen einigt sich die griechische Regierung doch noch mit ihren Geldgebern. Danach beginnen Gespräche über ein weiteres Hilfsprogramm, der Staatsbankrott ist vorerst abgewendet. Was heißt das nun für Europa? Niemand wollte die Verantwortung für alle übernehmen, niemand den Thron besteigen, schon gar nicht die Kanzlerin. Und kein europäischer Politiker findet versöhnende Worte für das, was Europa war, ist und sein wird.   


Illustration: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Text: Mark Schieritz

Redaktion: Silke Janovsky, Götz Hamann

  

37 Kommentare

Und die Geschichte ist noch nicht zu ende, die folgen diese Satire werden die
Europäer ins ein Finanzielle Sumpf hineingezogen dessen Sog schon heute viele befürchten, deshalb trotz pleite wird weiter in das Fass ohne Boden Milliarden gepumpt einen Ausgang gibst nicht mehr ohne sich selbst zu schaden.

Aber die Episodenguide Euro-Krise ist schon gut dargestellt keine Zweifeln.

Ja, ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen, sehr gelungen.

Das satirische Potential kann natürlich nur derjenige begreifen, der die Vorlage kennt.

Hierzu noch zwei Anmerkungen:
a) Natürlich dürfen auch schwierige bzw. traurige Themen humoristisch verarbeitet werden, daraus zieht ja ein Großteil der Satire ihren Reiz. Außerdem kann Humor eine Waffe sein. Man braucht sich nur den rhetorischen Stil und die daraus resultierende Wirkung von Winston Churchill, Barack Obama oder in etwas geringerem Maße auch Gregor Gysi anzuschauen...

b) Andererseits: seit wann MÜSSEN Comics lustig sein?

Ja, sehr schön. Aber es fehlen da noch ein, zwei Akteure dieser unmenschlichen Tragödie. Und das ist einmal die Steuern vermeidende griechische Oberschicht und zum zweiten und ebenso wichtig die unscheinbaren aber gerissenen Berater der mächtigen Landesfürsten. Die Erzählung, das hier eine Nation, die Griechen, die anderen Nationen übers Ohr hauen will, ist unehrlich. In Wahrheit wollen die Reichen eines kleinen Landes die Welt übers Ohr hauen und die Reichen der anderen Länder halten schön den Mund damit man Ihnen selber nicht auf die Schliche kommt bei ihrer tagtäglichen Steuervermeidung. Denn wieso gibt es bis heute, von Seiten Merkel und Hollande, keine bilaterale Abkommen der EU-Staaten mit Griechenland zur Besteuerung des Auslandsvermögen reicher Griechen? Denn wenn dies erledigt ist braucht man dieses ganze inhumane Zuchtprogramm der neoliberalen Einflüsterer in Griechenland nicht mehr durchexerzieren. Aber da Merkel und Schäuble mehr als offensichtlich die geistigen Untertanen der legendär sozialfeindlichen Ökonomen Milton Friedman und Friedrich Hayek sind, wird bei allen sozialen Sicherungssystemen so gnadenlos gekürzt bis es richtig laut quietscht bei den unschuldigen Armen und Notleidenden. Ja, die verehrte Aufklärung, wo ist sie nur geblieben?

Bin schon gespannt auf die nächste Episode. Lustige Bilder von Menschen in griechischen Togas, die vor leeren Bankautomaten stehen, oder spannende, schön bunt illustrierte Kampfscenen in griechischen Straßen, wo reihenweise Häuser und Geschäfte in Rauch aufgehen. Das wär ja so toll. Und dann auch noch auf englisch. Super, dann kann der Rest der Welt unsere lässige Art bewundern mit der wir die Griechenland-Krise in den Medien behandeln.

Nette Idee, Umsetzung verhagelt:

<< Das Geld anderer Leute
Griechenland hat alles Vertrauen verspielt, der Ruf ist dahin. Die Investoren ziehen ihr Geld ab, es droht ein Staatsbankrott. Aber Europa ist solidarisch. >>

Solidarität ist, wenn man selbstlos hilft. Das andere nennt man Geschäft.
Und genau das war es:
Man hat die eigenen Bankenfehlspekulationen verstaatlicht, bevor diese durch einen Kollaps Griechenland in die tiefroten Zahlen gerutscht wären.
Darüber hinaus hat man - als Auflage, dass man GR bei der Inslvenzverschleppung noch ein wenig hilft - Privatisierungen gefordert, an der sich die eigenen Kapitalisten schön bereichern sollten.
Die Herren Ackermann, Schäuble und die zahlreichen Nationalisten und Chauvinisten, die gerade im Aufwind sind, sagen Danke für diese Art der Desinformation.

Yes, but I am referring to this "funny story", that has so little to do with truth, and I am critical too of the most German media account of the Greek crisis. But I wouldn't say that "it is shameful to be a German these days". Ordinary Germans have little to do with that propaganda, but many of them are just the innocent victims of it. Germany by the way are no exception, other European citizens are manipulated by their media and ruling elites as well. The same in my country, Poland.

Was für eine Arroganz! Griechenland hat gelogen und betrogen und der bedauernswerte Rest der Europäischen Union hat davon nichts gewusst und auch keinen Vorteil daraus gezogen??? Wer soll das glauben?

Und was soll dieser Artikel? Soll der Keil noch tiefer getrieben werden, die Ablehnung gegen Griechenland noch geschürt werden? Ich nenne das Bauernfang, Stimmungsmache, das ist doch unwürdig für das angeblich so viel bessere und artigere deutsche Volk.

Adé dem differenzierten Denken!

würden Sie die vorlage kennen, nämlich die fernsehvorlage game of thrones, dann wüssten Sie, dass die hier befreiten sklaven ihre hände zur berührung ihrer retterin ausstrecken. ähnlich wie in der realität leute den papst oder popstars berühren wollen.
aber typisch deutsch in einem comic zur griechenlandkrise unbedingt etwas zufinden was mit der NS-zeit zu tun hat.
und desweiteren sind comic sind nicht zwangsläufig witzig oder weil sie ernste themen bearbeiten oder verfremden geschmackslos. siehe den comic "maus" über den holocaust wo die protagonisten von mäusen und katzen dargestellt werden.

Super unlustig angesichts des Ernstes der Lage. Wem das Ganze entertaining erscheint, empfehle ich, sich besser zu informieren und konstruktive Beiträge zu erarbeiten, statt sein "Game of Thrones"-Fantum in lustigen Comics auszuleben, die deutschgriechische Beziehungen zusätzlich verkomplizieren.
Fangt an, über euren goldenen Käfig hinauszudenken.

Mark Schieritz befasst sich mit der Wahrheit
Game of Greece Text: Mark Schieritz http://www.zeit.de/zeit-m...
ZEIT-Autor Mark Schieritz schreibt im ZEIT-Magazin. Unter anderem:
„Ein halbseidener Handel
Sie sind drin. Im Juni 2000 winken die Staats- und Regierungschefs der EU den Beitritt Griechenlands zum Euro durch. Bundeskanzler Gerhard Schröder gratuliert dem Premier Kostas Simitis – und das Unglück nimmt seinen Lauf. Experten warnen, dass die Bücher des Staates nicht stimmen. Doch niemand hört auf sie.“

So etwas wie eine Vorlage für den Artikel konnte man bereits am 30. Juni 2015 als Leser-Kommentar lesen: Das Ende einer Party (1,2 und3) http://www.zeit.de/wirtsc... In dem Sinne Dank an Mark Schieritz für den Artikel.
Weiterer Leser-Kommentar: Uns Euro (1-6) http://www.zeit.de/wirtsc...

Es geht vor allem um unser aller Frieden in Europa!
Es muss neue Investitionen in Produktionsstätten & Arbeitsplätze in Griechenland geben um die Wirtschaft mit ankurbeln, dann erst kann man entsprechend Steuern & Zahlungen einfordern.
Deutsche Wissenschaftler & Unternehmer haben immer schon eine führende Rolle in der Entwicklung neuer Technologien gespielt.  Habe gehört, die Berliner Neutrino Inc. / der promovierte Mathematiker H.Schubart als Hauptaktionär, planen in Griechenland in 3stelliger Mio./ Finanzen=neue Energien = Frieden in Europa! 
Ein Bürgerkrieg in Europa wäre verheerend und er würde auch vor Deutschland nicht halt machen.  

Geschmacklos !
Das ist KEIN "Game" !
In Griechenland sterben/verrecken JEDEN Tag Menschen ob der Armut, weil sie sich keine Operation und/oder Medikamente leisten können, oder sie begehen aus Verzweiflung Selbstmord, weil sie die Familie nicht mehr ernähren können. Rentner brechen weinend zusammen, auch die Obdachlosenzahl ist explodiert - und noch vieles mehr; täglich Tote, für die auch die Euro-Austeritätspolitik (Schäuble/Merkel) verantwortlich ist.
Da macht man keine Scherze !!!

Erstens hat Griechenland sich selber mit Goldman-Sachs da rein geritten. Ich mag zwar weder Merkel noch Schäuble, die beiden sind jedoch nicht hierfür verantwortlich, sondern die griechische Regierung.
Zweitens, ein bischen Humor kann niemals schaden, die Toten werden dadurch ja nicht toter und die Lebenden sterben bestimmt nicht durch die Bilder.

dann scheint ihr Humor meiner Meinung nach eher schlicht zu sein. ich hab bei "Angela Merkel als Königin von Europa" aufgehört zu lesen, weil ich das Niveau so primitiv fand. Was mich in Deutschland zunehmend anwidert ist genau diese grosskotzige Primitiv-Niveau in der deutschen Gesellschaft allgemein und im deutschen Journalismus speziell. Intellektuell armselig, aber protzen und andere Ländern mit der eigenen neoliberalen priimitiv-Ideologie nach bester Mafia-Tradition massregeln. Aber am deutschen Wesen soll ja mal wieder die Welt genesen. Bis es zum dritten Mal schief geht..

Hab ich behauptet, dass der Humor im Artikel gut ist? Ich habe bloß gesagt, dass es egal ist ob es geschmacklos ist oder nicht bzw. wollte es sagen, wenn ich es zu unverständlich geschrieben haben sollte, tut es mir leid. Deutschland agiert vielleicht etwas zu großkotzig wie Sie es sagen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Griechenland sich das selber zuzuschreiben hat, da fällt mir nur eins ein, deal with it.

1Auf der ganzen Welt leben und sterben Menschen, die unsere Solidarität sehr viel nötiger hätten als "die" Griechen. Das pro-Kopf Vermögen jedes Erwachsenen (!), das offizielle, versteht sich (!) beträgt in GR sage und schreibe 89 477 Euro. Selbstverständlich ist das der Durchschnitt und es gibt viele arme Griechen, denen geholfen werden muss! Dennoch zeigt die Zahl, dass Griechenland selbst eine Umverteilung angehen muss. Das kann nicht von Außen kommen! Zum Vergleich: Litauen hat ein pro-Erwachsener Vermögen von 29626 - die sollen aber zahlen für Gr!. D hat übrigens gut 115 000 Euro pro kopf Vermögen - dies nur zum Vergleich, alle Aldis und Springers schon mit drin!

Die wirklich armen und kranken Griechen sind mit ein, zwei Milliarden einfach zu versorgen, Europa kann helfen und wird das mit Sicherheit auch tun.

Eine Linke, die jetzt das riesige Korruptionsproblem übersieht, in das in Griechenland nahezu alle verwickelt sind, schafft sich demnächst selbst ab! Italien steht mit Platz 69 im Ranking von Transparancy international gleich mit Griechenland - und Senegal. Platz 1 Dänemark - und man kann die Liste durchgehen, es sind die korrupten Staaten, denen das Schuldenproblem über den Kopf wächst.
Und Korruption ist nicht einfach etwas, was "die da oben" betrifft. Warum ist der Sozialismus so dramatisch gescheitert? Warum haben sich alle heldenhaften Völker von Nicaragua bis El Salavador als anfällig erwiesen? Weil die linke Analyse, das Menschenbild nicht stimmt!

An welchem "deutschen Wesen" orientiert sich dann der Fundamentalkritiker? Etwa an jenem von "Freund Holder", der schwärmt und barmt: "Ach! es kann ja nicht einmal ein schöner Traum gedeihen unter dem Fluche, der über uns lastet. Wie ein heulender Nordwind fährt die gegenwart über die Blüten unsers Geistes und versengt sie im Entstehen" (Hölderlin, Hyperion c.6). Mit Verlaub - es ist genau jenes fehlgeleitete Irresein, was andere abschreckt.

Ja, das "Deutsche Wesen" – da hat sich unser Meisterorientalist auch so seine Gedanken gemacht:

Grammatische Deutschheit -

Neulich deutschten auf deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend,
Sich überdeutschend am Deutsch, welcher der deutscheste sei.
Vier deutschnamig benannt: Deutsch, Deutscherig, Deutscherling, Deutschdich:
Selbst so hatten zu deutsch sie sich die Namen gedeutscht.
Jetzt wettdeutschten sie, deutschend in grammatikalischer Deutschheit,
Deutscheren Komparativ, deutschesten Superlativ.
"Ich bin deutscher als deutsch." "Ich deutscherer." "Deutschester bin ich."
"Ich bin der Deutschereste oder der Deutschestere."
Drauf durch Komparativ und Superlativ fortdeutschend,
Deutschten sie auf bis zum - Deutschesteresteresten,
Bis sie vor komparativistisch- und superlativistischer Deutschung
Den Positiv von deutsch hatten vergessen zuletzt."

Friedrich Rückert, 1788-1866

Neuere Kommentare anzeigenNeuere
Ältere Kommentare anzeigenÄltere