Gesellschaftskritik Schmalz auf unserer Haut

© Mike Coppola/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Viele Prominente lassen sich Tattoos stechen und hernach wird gerätselt, was die Kreuze, Drachen und Engel jeweils zu bedeuten haben. Gerade für Menschen, denen es schwerfällt, die richtigen Worte zu finden, ist die Sprache der Haut eine gute Alternative. So jemand ist David Beckham. Er ist ein netter Kerl, der seine Frau Victoria liebt. Das dokumentierte er beispielsweise, indem er ihren Namen in Hindi auf den Unterarm tätowieren ließ. Vermutlich kann er gar kein Hindi. Aber darauf kommt es nicht an, schließlich hat er sich auch "Perfectio in Spiritu" auf den anderen Unterarm tätowieren lassen, obgleich er weder des Lateinischen mächtig ist, noch für "Perfektion im Geiste" steht. Dass er aber seine Frau verehrt, daran kann kein Zweifel bestehen. Schließlich hat er sich sogar ein Bild von ihr auf den Arm tätowieren lassen. Und am Handgelenk trägt er eine Datumsangabe: VIII.V.MMVI – denn am 8. Mai 2006 hatte das Paar sein Ehegelübde erneuert.

Auch seine Ehefrau trägt das Tattoo am Handgelenk. Wenigstens noch ein bisschen. Denn Victorias Tattoos verblassen. Als sie neulich die Gala einer britischen Modemarke besuchte, konnten es alle sehen: Das Hochzeitsdatum an dem einen Handgelenk und die Initialen von David Beckham am anderen Handgelenk sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Am Rücken trug Victoria Beckham sogar mal die Inschrift "Ich gehöre meinem Mann" auf Hebräisch. Mittlerweile sieht es dort aus, als wäre jemand mit dem Tintenkiller darübergegangen. Offenbar lässt sich Frau Beckham also gerade ihre Liebesschwüre an David weglasern. Sie hat damit ein neues Boulevard-Genre erfunden: die Spekulation über die Bedeutung von Bildern, die von der Haut verschwinden. Wir legen dann mal los. Es gibt drei mögliche Erklärungen:

1. Die Ehe ist gescheitert und Victoria hat den am meisten demütigenden Weg gewählt, es ihrem Mann beizubringen: die öffentliche Demontage. Dazu würde passen, dass sie David gleichzeitig in größten Tönen lobt. Der britischen Grazia sagte sie: "Mein Mann inspiriert und geleitet mich – er hat so viele gute Arbeit gemacht, ich sehe zu ihm auf und habe den allergrößten Respekt und bewundere ihn für all das, was er geschafft hat." Solche Worte bekommen für gewöhnlich Firmenchefs in die Pressemitteilung zu ihrer Entlassung geschrieben.

2. Die Ehe ist nicht gescheitert, aber Victoria will für schlechte Zeiten vorsorgen. Falls die beiden sich einmal trennen sollten, will sie nicht gezwungen sein, bis zum Lebensende mit David-Tattoos herumzulaufen. Denn falls sie diese doch einmal entfernen würde, würde man ihr nachsagen, sie wolle nun ihren Ex-Mann aus ihrem Leben tilgen. Was sollten dann Brooklyn, Romeo, Cruz und Harper denken?

3. Die Ehe ist intakt und Frau Beckham läutet lediglich das Ende der Tattoo-Mode ein. Sie erklärt bebilderte und beschriftete Haut als hässlich und möchte dabei Trendsetter sein. In diesem Fall würde sie David bald dazu verdonnern, sich ebenfalls sämtliche Tattoos entfernen zu lassen. Bei seinem fast komplett tätowierten Oberkörper würde diese Behandlung für ihn allerdings so schmerzhaft werden, dass ihm zu wünschen ist, dass lediglich mit der Ehe etwas nicht stimmt.

Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Moin Moin,
trotz allem Hype, ich finde Tättowierungen immer noch als offen gesagt peinlich/unappetitlich. Aber jeder nach seiner Facon...
Erkrankungen die durch das Tattowieren verursacht werden sind m.E. bereits grenzwertig hinsichtlich der Frage ob sie von der Gesellschaft getragen werden müssen.
Eine Beseitigung, wenn die Bilder auch den Trägern anfangen, peinlich zu werden, sollte jeder selber bezahlen müssen.

CU

Kann mich dem Kommentar von Vorticon nur anschließen und zugleich hoffen, es ist Möglichkeit 3, die sich als wahr erweisen wird. Es ist mir immer ein Rätsel geblieben, was diese alberne Kleckserei auf dem Körper soll. Und auch wenn es vielleicht das eine oder andere sympathische Bildchen oder Sprüchlein gibt, sieht das Ganze für mich immer eher aus wie Krampfadern oder Gürtelrosen. Von züngelnden Giftschlangen, die aus grinsenden Totenkopfschädeln gekrochen kommen, Stracheldraht oder gar Arschgeweihen will ich gar nicht erst reden. Es sieht bestenfalls albern, aber meistens einfach nur grausam aus.

Das ist natürlich Geschmackssache und kein Hell's Angel wird es sich von mir ausreden lassen, die Welt mit seinen Körpercomics zu schockieren. Ich bin da wohl auch etwas zu altmodisch erzogen. Meine Oma meinte immer: "Tätowierungen tragen nur Seemänner, Knastbrüder und Prostituierte." Ich will damit nichts gegen diese drei Berufsgruppen sagen, aber zu allen anderen paßt es einfach auch nicht. Wie diese Tattoos in einigen Jahrzehnten aussehen oder wirken will ja sowieso heute niemand wissen.

Hier noch die vierte Variante, Frau Beckham wird älter und die Haut ist nicht mehr so straff und wirft langsam Falten, besonders Frauen die eh schon nichts zum zusetzen haben, haben da einen Vorsprung was ihre etwas weiblicheren Geschlechtsgenossinnen angeht.
Wundere mich sowieso immer warum Frauen ihren Körper so verunstalten, klassische Variante ist das Arschgeweih, denn irgendwann wird die Haut schlaff und auch andere Teile fangen an zu hängen. Oder wie es ein TV Charakter überspitzt fomrulierte, "Now the word hate hangs near her knees."