Gesellschaftskritik Es war nur ein Mausrutscher

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Beatrix von Storch ist mausgerutscht. © Axel Schmidt / Reuters

Über Beatrix von Storch wird momentan viel Häme ausgeschüttet. Auf Facebook hatte die stellvertretende Vorsitzende der AfD die Frage, ob man an der Grenze auch auf Frauen und Kinder schießen dürfe, mit "Ja" beantwortet – um später klarzustellen: Sie habe das nicht gewollt und sei lediglich auf der Computermaus abgerutscht. Eine Erklärung, die in den Medien und sozialen Netzwerken verspottet wird. Vollkommen zu Unrecht: Denn im Grunde weist von Storch auf ein Problem hin, das uns alle angeht.

Wer sich auf Twitter umschaut, Facebook-Kommentare liest oder sich durch Diskussionsforen scrollt, kann die Augen nicht länger vor einem Problem verschließen, das in den vergangenen Jahren in Deutschland massiv zugenommen hat und in den Medien totgeschwiegen wird: Immer mehr Deutsche rutschen auf ihrer Computermaus ab.

Es ist nicht so, als hätte es keine Anzeichen für dieses mittlerweile grassierende Phänomen gegeben. Bereits im Sommer 2014 sagte Moderator Marco Schreyl, er habe auf Twitter ein pornographisches Bild melden wollen und es dabei versehentlich favorisiert. Wären bereits damals die handelsüblichen Mäuse aus dem Verkehr gezogen worden, wäre uns vielleicht einiges erspart geblieben. Zum Beispiel Erika Steinbachs pietätloser Tweet zum Tod von Helmut Schmidt, der anders als durch Abrutschen auf der Maus nicht zu erklären ist. Wie überhaupt die allzu glatte Mausoberfläche vieles, was unsere Gesellschaft erschüttert hat, plötzlich in neuem Licht erscheinen lässt: Sind die kopierten Passagen in Guttenbergs Doktorarbeit vielleicht nur hineingerutscht, weil er auf der Maus abrutschte? Hat Uli Hoeneß sein Geld durch einen ungeschickten Klick in die Schweiz befördert? Und Bushidos Texte – wahrscheinlich ein großes Missverständnis, genauso wie alles, was Akif Pirincçi schreibt.

Es sind, und diese Erkenntnis verdanken wir Beatrix von Storch, nicht die Menschen schlecht, sondern die Mäuse. Deshalb dürfen wir nicht mehr jede Maus einfach so importieren, sondern nur noch solche, die eine absolut rutschfeste Oberfläche haben. Wenn wir nicht länger zusehen wollen, wie ein ganzes Land von Mäusen terrorisiert wird, müssen wir endlich handeln. Und uns fragen, ob das Ganze nicht längst sogar ein internationales Problem ist: Hat eigentlich schon mal jemand drüber nachgedacht, ob der wirkliche Grund der Finanzkrise am Ende vielleicht einfach darin liegt, dass die Mausoberflächen der Banker und Broker zu rutschig waren? Und wann wurde eigentlich Donald Trumps Maus zuletzt gewartet?

48 Kommentare

"bedarf ich weiterer Lektüre ... nicht, um ihn (und seine Bewunderer!) einzusortieren. Und zwar ganz weit unten." - Genau das galt es herauszuarbeiten: Ist die Ideologie erst einmal implantiert, muss das eigene Gehirn nur noch in Ausnahmefällen bemüht werden. Danke, dass Sie gleich ein so anschauliches Beispiel geliefert haben!

Für die recht Sphäre ist Aufmerksamkeit alles, was sie braucht. Jene, die außerhalb stehen, begreifen nicht die Qualität des Freund-Feind-Schemas, das man sorgfältig in jenen installiert, die in diese Szene abrutschen. Diejenigen, die sich empören und sich einen Wolf argumentieren, sind in diesem Schema die Bösen; dass die sich aufregen, bedeutet automatisch, das man recht hat. Selbst in absurden Fällen wie diesem. Was ausweglos klingt, ist eigentlich erschreckend simpel aufzulösen, indem man Aufmerksamkeit entzieht, so wunderbar sich die Vertreter dieser Sphäre auch zum Aufregen und Verdammen anbieten. Das Problem ist, dass Medien genau so auf Aufmerksamkeit angewiesen sind; das Ergebnis ist der - pardon my french - circlejerk, dessen Bestandteil dieser Artikel ist, so wunderbar ich ihn finde. Ich könnte allerdings auch gut darauf verzichten; die Strochs und Petrys nicht. Die fangen dann nämlich an, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und das endet nie gut.

Heutzutage ist es neue, bewährte Taktik, etwas zu sagen, wovon man sich später ausdrücklich distanziert. Hauptsache, man hat es gesagt. So hat man einmal mehr einen Keil in die Gesellschaft getrieben...nur selbst ist man sich keiner Schuld bewusst. Man hat es ja nicht so gemeint. Äusserlich und öffentlich zwar nur und sich damit jeglicher Verantwortung verweigernd. Wie lachhaft. Man bedient sich damit einem dreisten Muster, das unglaubwürdiger kaum sein kann. Die beiden Sperrspitzen, Petry und von Storch, sind das Sinnbild einer verwahrlosten Gesellschaft, die schlimmer nicht sein könnte.

Hätte die Autorin von dem, "was Akif Pirincçi schreibt", auch nur die Hälfte verstanden, dann würde sie hier nicht so eine gequirlte XXX SELBST ZENSIERT, ICH MUSS HÖFLICH BLEIBEN XXX von sich gegeben. Vor allem wäre ihr eventuell die gnadenvolle Einsicht zuteil geworden, dass etwas nicht schon per se falsch ist, nur weil es nicht in das fix und fertig vorgedachte, selbsterhaltende Mainstream-Weltbild einer selbstverständlich irrtumsunfähigen Zeit-Autorin passen mag.

Na, dann geben wir doch dem "Internationalen Auschwitz-Komitee" das Wort: Was der kleine Akif losgelassen hat, hielt es für "ein widerliches Signal der Schamlosigkeit". Seien Sie versichert, unsereins hat schon verstanden, was dieser Autor so meint. Und Sie sind hier mit Ihren Äußerungen ad personam wahrhaft eine "zeitlose Größe" in puncto Bemühtes Scheitern von Höflichkeit. Darf ich noch einmal den großen Sprachpolemiker Wolf Schneider zitieren? "Fühlen Sie sich bitte angemessen geohrfeigt".

Ich bin es gewohnt, dass mit Personen einer gewissen ideologischen Couleur grundsätzlich kein sachbezogener Dialog möglich ist, weil bei ihnen schon die erste Replik nach Möglichkeit ein Maximum an persönlicher Verunglimpfung enthält. Schulmäßig eben, genau wie es in einschlägigen Kaderseminaren für Agitation und Propaganda gelehrt wird. Insofern kümmern mich Ihre etwas hölzernen Versuche, auch hier von der Sache abzulenken, nicht mehr als die Frage, ob in Schanghai gerade eine Radkappe geklaut wird. Ungeachtet dessen wünsche ich den letzten legitimen Mitgliedern des von Ihnen genannten Komitees, die jetzt durchweg über 90 sein müssen, möglichst angenehme letzte Lebensjahre – soweit das mit einer derart erschütternden Vergangenheit möglich ist. Dass aber auch nur ein einziges Mitglied dieses Personenkreises Pirincçi tatsächlich gelesen hat, erlaube ich mir im Gegensatz zu Ihnen aus gutem Grund anzuzweifeln. Und ein Anliegen hätte ich noch: Nehmen Sie doch bitte Abstand davon, für Ihre persönlichen Angriffe ausgerechnet Wolf Schneider zu zitieren! Ich hatte vor langer Zeit die Ehre, ihm persönlich zu begegnen, und allen Anlass anzunehmen, dass eine Ikone journalistischer Wahrheitsliebe wie er sich einen perfiden ‚Diskussions’-Stil wie den Ihren unter keinen Umständen zu eigen machen würde.

Ach je, @Zeitlose_Größe, da haben Sie sich aber an "hölzernen Versuchen, die Sie nicht mehr kümmern als eine in Schanghai geklaute Radkappe", heftig abgearbeitet. Irgendwas passt da nicht zusammen.

Zu Pirincçi: Wenn sich jemand so extrem rassistisch auskotzt wie dieser Schreiberling auf der "legendären" PEGIDA-Veranstaltung, bedarf ich weiterer Lektüre seiner gesammelten Werke nicht, um ihn (und seine Bewunderer!) einzusortieren. Und zwar ganz weit unten.

Something that happened (John Steinbeck)
... so wollte der Schriftsteller ein berührendes Werk über migrierende Landarbeiter eigentlich nennen. Aber dann fiel ihm ein Gedicht von Robert Burns in die Hände, das überschrieben ist "To A Mouse" - und alsbald hieß der Roman "Of Mice and Men", die in ihrem Schicksal aneinander gekettet sind. "But Mousie, thou are not thy-lane" (Burns) - Maus, du gehörst nicht dir selbst. Hieraus folgt, daß - wenn schon Mäuse das Land terrorisieren (ganz recht, liebe Autorin) - man hinterfragen sollte, woher dieses Band des reziproken Unheils rührt, zumal bei (das ist doch kein Zufall!) JuristInnen und anderen Text- wie Geld-GauklerInnen. "Mosido", das Mausen, ist ein frankolateinisches Gerichtswort aus der Lex Salica (6.Jh.), das nichts anderes bedeutet als schändlicher schwerer Raub, der an freien Menschen und Leichen begangen wird (freomosido, chreomosido). Wer also maust, vergeht sich in jedem Falle - und kann sich nicht auf technische Unbill herausreden. Das sollte insbesondere eine Insolvenzjuristin wissen, gebürtige Enkelin des letzten Erbgroßherzogs von Oldenburg, dessen Vorfahren jenen (aus finanziellen Gründen unfertigen) illuminierten Oldenburger Sachsenspiegel (1336) in Auftrag gaben. Warum? Die Kenntnisse der jungen Rechtsfinder wiesen doch arge Lücken auf, so daß die Schöffen bei der Auslegung von Recht des öfteren und hinkten und strauchelten. Da beißt keine Maus den Faden ab.

Und solch eine Dame soll ich in einer Wahlveranstaltung, wie der "Elefantenrunde", ertragen? Die Grundlage für eine Diskussion oder auch einen Dialog fehlt doch zur Gänze.
Zu ihrem Artikel:
Es ist ja nicht so, dass nur die Mäuse rebellieren, vielmehr beobachtet man Tastaturen die immer wieder ein Eigenleben entwickeln. Wann beobachtet das BKA die Mäuse und Tastaturen?

Danke für den humorvollen Artikel.
Bin gespannt ,wann es eine Erklärung für die verbalen (M)ausrutscher geben wird. Schließlich sind Menschen wie Fr. v.Storch ja nicht auf den Mund gefallen. Auch wenn sich das oft so anhört und man sich wünscht ,sie würden eine Weile auf selbigem liegen bleiben.Dann wäre es nämlich mal mucksmäuschenstill...

Nein, nein, die feine Dame hat schon geschrieben was ihr wirklich am Herzen liegt - auf alles schießen, was ihr nicht passt.
das sie zurückgerudert ist liegt nur und alleine an der völlig unpassenden und tendenziösen Berichterstattung über ihre völlig gerechtfertigte Meinung in der Lügenpresse... oder wie war das doch noch? So ganz in Wirklichkeit, mit den Mäusen, dem Internet und der Wahrheit?
Diesen Absonderungen der Dame kann man eigentlich nur mit der Klobüste zu Leibe rücken.

p.s.: danke für diesen sehr amüsanten artikel!
und ich dachte schon, viele menschen würden bewusst hetzen! :)
es würde mich sehr interessieren, wieviele besorgte bürger diesen artikel mit stockernster miene teilen mit dem ausruf: "seht ihr! wir sind gar nicht xenophob! meine maus rutscht nur!" ^^ :D

>> Zum Beispiel Erika Steinbachs pietätloser Tweet zum Tod von Helmut Schmidt ... <<

Witzig ist ja, dass Steinbach (zu Recht) dafür kritisiert wurde, dass sie den verstorbenen Helmut Schmidt in sozialen Medien für ihre Zwecke instrumentalisierte. Merkel hat in ihrer Trauerrede das gleiche getan, eigentlich schlimmer: sie hat Regierungshandeln außerhalb der Verfassung mit Schmidts Rettungsmaßnahmen bei der Hamburger Sturmflut relativiert:
"So war es dann auch, nachdem er sich dazu entschlossen hatte – obwohl verfassungsrechtlich nicht dazu befugt –, militärische Hilfe von der Bundeswehr und anderen NATO-Streitkräften anzufordern, um so die zivilen Helfer bei der Bekämpfung der Flut zu unterstützen. Damit gelang es ihm, eine noch schlimmere Katastrophe als ohnehin schon zu verhindern und Menschenleben zu retten. Damit lebte er vor, dass außergewöhnliche Situationen außergewöhnliche Maßnahmen erfordern. Und er lebte vor, was es bedeutet, in einer solchen Situation Verantwortung zu übernehmen."

Dafür gab es aber (zu Unrecht) keinen Aufschrei.

Merke: auch bei offiziellen Reden kann schon mal die Maus ausrutschen. Das ist kein Phänomen der sozialen Medien.

Der Unterschied zwischen Frau Steinbach's tweet und der Aussage von Frau Merkel scheint Ihnen nicht aufgefallen zu sein. Deshalb noch mal zur Verdeutlichung:
Steinbach übernimmt ein Zitat aus der Vergangenheit und setzt es in Bezug zu einer Situation in der Gegenwart, als Stärkung Ihrer aktuellen Position.
Merkel übernimmt KEIN Zitat von Schmidt sondern beschreibt das Handeln von Schmidt und zieht daraus den Schluss mit den aussergewöhnlichen Massnahmen.

Sie missbraucht keine Zitate oder Äusserungen sondern nimmt sein Handeln als Vorbild.

Ja das ist die alte FAX-Krankheit aus der Schweiz die sich jetzt wohl auf die Deutsche Mäuse ausgebreitet hat. Sie NZZ Artikel vom 11.09.2015
Zitat: Mehr als überzeichnet war die Botschaft, mit der die SVP Anfang 1994 ihre grenzwertige Messerstecher-Kampagne weiter anheizte. In einem zweiten Inserat präsentierte die Partei statistische Zahlen zu Delikten gegen Leib und Leben im Kanton Zürich in einer Grafik. Bald wurde ruchbar, dass besagte Grafik falsch umgesetzt worden war.

Diese Fehlleistung brachte das Fass zum Überlaufen. Nachdem Sekretär Hans Fehr entschuldigend eingeräumt hatte, die Grafik sei wohl bedauerlicherweise bei der Übermittlung via Faxgerät verzerrt worden, konterte die Stadtzürcher SP wutschnaubend: «Wir vermuten Absicht, Bedauern reicht da nicht.» Den SVP-Stadtratskandidaten Gody Müller strafte die SP im Wahlkampf konsequent durch Nichtbeachtung, weil er sich nicht von der weitherum angeprangerten Kampagne distanzieren mochte. Bundesrat Otto Stich griff aus Bundesbern in den Stadtzürcher Wahlkampf ein, indem er aus Protest seine Teilnahme an der SVP-Albisgütli-Tagung stornierte.

Himmel, diese Heerscharen von Maus-Gefallenen! Sie können nicht irren, sie wissen die "Ultimative Frage", deren Antwort bekanntlich "42" ist - und die Frage lautet: Wie viel Prozent Wählerstimmen kriegt AfD im März? aAHa, 18 reicht ihnen nicht mehr - und 43,9 im letzten unheilvollen März; na, das wäre leicht übertrieben ...

Immerhin ist die AFD die einzige Alternative, der man tatsächlich eine Änderung der Fehlentwicklungen in der Fluchtkrise zutraut. Dass das Personal dabei nicht optimal ist halte ich für die Lösung des Fluchtproblems für untergeordnet. Hauptsache man geht überhaupt mal konsequent ran. Und: Jedes Wort auf die Goldwaage legen? Es dient im Augenblick nur zur negativen Ausschlachtung der Situation im Interesse der noch etablierten Parteien. Maus hin, Maus her.

Genau. Wieso sollten wir Worte wie "Raum" "Volk" "unser" und "braucht" auf die Goldwaage legen. Oder auch "Arbeit" "Frei" und "macht". Dabei ist es doch viel wichtiger die Inhalte der Aussagen auf die Goldwaage zu legen. Wobei... eine Goldwaage ist meines Erachtens nicht notwendig um einen riesigen Haufen Populistendung zu erkennen. Bei der Menge an Ausscheidungen der AfD braucht es wohl eher eine Bitzer LKW Waage.

Seit Wochen wird nun schon diese Kampagne gegen einen bedrohlichen politischen Gegner geführt. Und daß Medien, die den mainstream stützen, sich daran beteiligen, ist stinknormal. Aber daß der Bürger zusehends das Vertrauen in Medien und differenzierte Berichterstattung verliert, ist schon neu in unserer demokratischen Struktur. Abzuwarten ist, wie sich Medien verhalten, wenn dieser politische Gegner an realen Zahlen und damit an Zuspruch aus der Bevölkerung gemessen werden muß. Und er kann nur daran gemessen werden, dessen bin ich sicher. Entscheidend ist, daß diejenigen, die diese Partei dann gewählt haben, auch entsprechend demokratisch respektiert werden. Das Ende der 2. Märzwoche naht...dann werden Fakten sprechen.

Sie glauben: "Immerhin ist die AFD die einzige Alternative, der man tatsächlich eine Änderung der Fehlentwicklungen ... zutraut."

Hm. Die neuesten Klagepläne der AfD:

"Doch Petry will nicht nur Augsburg verklagen, sondern auch gegen weitere Ungerechtigkeiten vor Gericht ziehen. So plant sie u. a. die Maus zu verklagen, auf der neulich Parteifreundin Beatrix von Storch ausgerutscht ist, als sie bei Facebook gegen Flüchtlinge hetzen wollte: "Diese Terrormaus muß schleunigst aus dem Verkehr gezogen werden." Außerdem werden alle verklagt, die sich weiter über Storchs Aussehen lustig machen, AfD-Opa Alexander Gauland ernstnehmen und Björn Höcke unterstellen, er sei kein Rassist. Doch Petry geht noch weiter: "Sobald ich herausgefunden habe, wie das funktioniert, will ich auch noch das Internet verklagen, weil da jeden Tag Haß und viele Lügen verbreitet werden."

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