Gesellschaftskritik Wo die Liebe hinhält

Von
Der Pole Karol Wojtyla, Erzbischof von Krakau, wurde am 16. Oktober 1978 als erster Nichtitaliener seit 1522 zum Papst gewählt. © dpa

Papst Johannes Paul II. hatte angeblich eine langjährige Beziehung zu einer Frau. Das hat die BBC in einer Dokumentation enthüllt. Die Dame soll sogar verheiratet und Mutter gewesen sein. Schon als er noch Kardinal war, soll das Verhältnis bestanden haben. Man war auch gemeinsam in Urlauben. Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass der Kirchenvater dabei das Zölibat gebrochen hat.

Die Bild-Zeitung zeigt ein Foto von Johannes und seiner Bekannten und feixt: "Hier zeltet der Papst mit seiner guten Freundin." Ja, warum nicht? Man kann als Papst wahrscheinlich nicht viel richtig, aber viel falsch machen. Wenn man das Zölibat ablegt, wird das als menschenfeindlich abgelehnt. Wenn man das Zölibat bricht, wird dies wiederum als Problem angesehen. Wenn man eine Beziehung zu einer Frau unterhält und nicht das Zölibat bricht, macht die BBC eine Reportage darüber. Wäre Papst Johannes Paul II. mit einem jungen Mann zelten gegangen, wäre das Echo wohl auch nicht leiser ausgefallen.

Dabei hat Johannes Paul II. doch nicht weniger gezeigt, als dass die platonische Freundschaft wirklich funktionieren kann. Man kann gemeinsam in den Skiurlaub fahren und es passiert – nichts. Man kann mit einer Frau eine Nacht im Zelt verbringen und nur gute Gespräche führen. Was ist daran unglaubwürdig? Es fiele einem als Frau ja so einiges ein, das man mit einem Oberhaupt der katholischen Kirche besprechen könnte. Die meisten Frauen können bestimmt lange neben einem Papst liegen, ohne das Bedürfnis zu haben, ihn anzufassen. Und Johannes? Konnte der künftige Papst neben einer jüngeren Frau liegen, ohne an Unzucht zu denken? Man mag behaupten, dafür müsse man ein Heiliger sein. Nun ja: Er ist ein Heiliger. Grundsätzlich ist es wohl zu befürworten, dass Päpste regelmäßig Kontakt zum anderen Geschlecht haben.

Alles andere ist offenbar nicht gesund. Zum Beispiel hat der amtierende Papst Franziskus laut einer italienischen Zeitung kürzlich behauptet, mit Angela Merkel telefoniert zu haben. Man habe sich über die Fruchtbarkeit Europas unterhalten. Die Kanzlerin hingegen ließ verlautbaren, sie könne sich an ein solches Gespräch nicht erinnern. Man kann nur hoffen, dass die Regierungschefin bei all den Flüchtlingskrisen, die es zu bewältigen gibt, vergesslich geworden ist. Sonst würde es bedeuten, dass der arme Pontifex unter der zwanghaften Wunschvorstellung leidet, eine Frau würde bei ihm anrufen und mit ihm reden. In diesem Fall sollte der Papst den heiligen Johannes um Hilfe anrufen – der weiß bestimmt Rat.

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

> Von dieser Freundschaft kann auch
> Papst Franziskus lernen, wenn er
> wieder Merkel anruft.

Was soll das? Merkel ist so gottverlassen, eine Geisterfahrerin in der EU und in der Welt, sie instrumentalisiert die Integration der Flüchtlinge allenfalls zur Simulation von »Nächstenliebe«. Da fehlt jede Grundlage für eine freundschaftliche Beziehung. Der Autor übt sich in Wunschdenken.

Anmerkung: Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/og

Arte fühlte sich angesichts der Sensationsmeldung - Briefwechsel über Jahrzehnte, gemeinsame Wanderungen, keusche Seelenverwandtschaft und/ oder doch brünstige Versuchung - sogar bemüßigt, das Programm zu ändern.
So entfiel die Doku über das Attentat auf dem Petersplatz, statt dessen wurde die dünne BBC Brühe serviert; diese Geschichte gibt halt nichts her, es sei denn, man wollte wieder über Sinn und Unsinn des Zölibats reden.
Gesichert ist nur: Die 'Dame', wie sie im Artikel etwas süffisant genannt wird, war tatsächlich lebenslang verheiratet, drei Kinder aus dieser Ehe mit einem Washingtoner Spitzenbeamten gibt es ausserdem.
Einen Namen hatte sie auch vorzuweisen und einen Beruf: Anna Teresa Tymieniecka, Professorin der Philosophie; verstorben 2014.