Gesellschaftskritik Mach bloß keinen Scheiß!

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Al Pacino © Eamonn M. McCormack / Getty Images

Rose Byrne und Bobby Cannavale haben ein Kind bekommen und wer bislang nicht wusste, dass sie in Hollywood ziemlich viel zählen, der weiß es  jetzt, da zur Geburt des Jungen kein geringerer als Al Pacino gratulierte. Der Vater gab deshalb auch umgehend die Details der Gratulation bekannt: Al Pacino habe als "einer der Ersten" gratuliert und das Geschenk mit den Worten überreicht: "für euren Jungen". Der Vater imitierte die Stimme, mit der Al Pacino diesen Satz gesagt hat und teilte mit, wie er das  Geschenk fand: "süß". Der Vater ließ die Öffentlichkeit weiterhin wissen, welches Geschenk zu Ehren des Sohnes überbracht wurde: eine Torte aus Windeln.

In Deutschland ist die Windeltorte noch nicht so bekannt wie in Amerika, deshalb zu Erklärung: Es handelt sich dabei um einzeln zusammengerollte Einwegwindeln, die mit bunten Bändern (gerne in rosa oder blau), so zusammengehalten werden, sodass sie wie die Etagen einer dreistöckigen Torte aussehen. Es gibt auch Variationen wie Windelautos und Windelschmetterlinge, aber die Torte ist der Klassiker.

Hätte eine der Haushaltshilfen des Paares eine ganze Woche lang nach Feierabend ein Spitzenkissen für die Wiege des Jungen gehäkelt und hätte sie dieses Kissen sogar noch wenige Minuten vor Al Pacino überreicht, ihr Geschenk hätte vermutlich nicht die gleiche öffentliche Würdigung gefunden. Der Wert eines Geschenkes, das ist in Hollywood so ähnlich wie auf dem Kunstmarkt, bemisst sich an der sozialen Stellung des Urhebers. Geschenke von unten nimmt man so mit, man braucht sie auf, verschenkt sie weiter oder wirft sie weg. Geschenke von oben hingegen werden ausgestellt wie Reliquien, sind sie doch der  Beweis für die eigene Bedeutung. Das heißt für die Windeln von Al Pacino: Sie dürfen womöglich nie verschissen werden vom Nachwuchs, vermutlich wird zumindest eine der Tortenwindeln viele Jahre und Umzüge lang im Familienhaushalt verweilen als die berühmte "Pacino-Windel".

Man kann, wenn man gewillt ist und sich im postnatalen Glücksrausch befindet, ein solches Geschenk tatsächlich "süß" finden. Hätte die Haushaltshilfe eine mit blauen Bändern verzierte Windeltorte überreicht, die Eltern hätten wahrscheinlich ein bisschen gelästert über die Einfalls- und Geschmacklosigkeit der Angestellten. So grenzenlos ungerecht geht es zu, wenn in Hollywood Kinder zur Welt kommen: Je mehr tolle Filme man in seinem Leben gemacht hat, umso größeren Mist darf man verschenken.

5 Kommentare

Interessanterweise gilt für Artikelchen genau das gleiche wie für Geschenke: der Gedanke das Geschenke nach Ihrer Herkunft beurteilt werden, ist für sich genommen eine Binse wie sie banaler nicht sein könnte und nicht weiter erwähnenswert. Verpackt mit der Aufschrift "Al Pacino" hingegen darf man ihn sogar in einem renommierten Magazin veröffentlichen.

Könnt ihr bitte, bitte solchen Boulevardkram zukünftig unter, mhm, sagen wir "Boulevardkram" veröffentlichen? Aber nicht unter "Gesellschaftskritik"?

Die Presse jubelt so manchen Mist hoch, da wird einem echt schwindelig! Nur wegen ZON u.a. wissen wir von so einem überflüssigem Kram doch erst überhaupt.
Ich liebe Al Pacino als Schauspieler und das schon ewig, habe die Überschrift gelesen: Al Pacino 'Mach bloß keinen Scheiß', da dachte ich an einen Artikel über den Schauspieler und habe den Artikel geklickt. Bin also auf den Clickbait Trick herein gefallen, und habe von der Überschrift auf den Artikel geschlossen (die Zeiten sind seit online-Publikationen pasé).
Sehr schwach Herr Scholz, unnötige Zeitverschwendung, für Sie und mich.

[...] Al Pacino hat etwas verschenkt, was viele junge Eltern zur Geburt ihres Kindes bekommen, und nur, weil es von Al Pacino ist und die Eltern es auch noch wagen, das gut zu finden, ist das Grund genug, es madig zu machen?

Gekürzt. Verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/th

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