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Familienurlaub Wer ist hier der Boss?

Sechs Personen, zehn Gepäckstücke, Pubertät und Hunger. Mit den Ferien beginnt für Eltern das Projektmanagement. Wie soll man sich da noch erholen? Ein Protokoll Von

Die ganze Familie fiebert auf die Ferien hin. Und wenn sie endlich da sind? Geht der Stress erst richtig los. Eine berufstätige Mutter mit vier Kindern und einem Partner berichtet von ihrem Familienurlaub. Wir haben ihre Erzählung protokolliert.

Die Wohnung ist voller Kleiderhaufen. Seit zwei Tagen sortiere ich Textilien in kleine Haufen, schwere Haufen, große Haufen, leichte Haufen. Morgen fahren wir in den Urlaub. Genauer: Unsere Kinder machen Ferien, mein Mann und ich fahren als Projektmanager mit.

Zu unseren Aufgabengebieten gehört es, vor der Reise die Kleiderhaufen sinnvoll auf die zur Verfügung stehenden Koffer und Taschen zu verteilen. Wir fliegen, da gibt es bestimmte Maße und Gewichtsangaben. Die Dinge dürfen deshalb nicht nach Person geordnet in die Gepäckstücke, sondern müssen so aufgeteilt werden, dass die Grammzahl stimmt. Noch zweihundert Gramm frei? Ein T-Shirt geht noch. 

Gemeinsam kommen wir auf zehn Gepäckstücke für zwei Erwachsene, drei Teenager, ein Kind. Das Gute ist: Wir haben Kinder, die sich nicht so anstellen. Sie tragen auch mal die Sachen des anderen. Am Flughafen gilt es dann, mindestens drei Mal Kinder und Gepäckstücke durchzuzählen. Dabei nicht vergessen: Oma. Manchmal nehmen wir meine Mutter mit, auch die muss mitgezählt werden. Zur Sicherheit.

Fähre, Griechenland, 2006 © privat

An Bord von Flugzeugen hilft es in unserem Job, elektronische Geräte oder Bücher mitzuführen. Auch, um den sofort ausbrechenden Streit um Sitzplätze einzudämmen. Denn aus Kindern werden in diesem Moment sofort Börsenbanker, die gnadenlos handeln: "Wenn du jetzt am Fenster sitzt, darf ich dafür ab der Mitte des Fluges und bei der Landung." Sollte jemand auf die Idee kommen, auf einem Fensterplatz einzuschlafen, wird er ebenso gnadenlos geweckt. Alles verschwendete Lebenszeit! Weil wir verhindern möchten, dass die umliegenden Passagiere dies auch denken, lächeln wir freundlicher, als die Stewardessen es je könnten. Als family-CEO wünscht man sich in diesen Momenten zero visibility.

Auf dem Zeltplatz angekommen, klärt sich vieles von selbst. Die Schlafplätze werden wie vorher besprochen aufgeteilt: ein Zelt für die Jungs, eins für die Mädchen, eins für die Eltern. Meine Mutter hat sich selbst eine Sondergenehmigung ausgestellt und darf in der Taverne schlafen. Man muss auch nicht alles mitmachen.

Camping, Griechenland 2014 © pivat

Das Wunderbare an Teenagern ist: Sie schlafen sehr lang. Das ist für alle Beteiligten von Vorteil. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, einen Wecker mitzunehmen. Nicht für die Kinder, ich bin ja nicht verrückt. Sondern für mich selbst. Der frühe Morgen ist die einzige Zeit am Tag, an dem ich als high performer eine Stunde für mich habe. Also stelle ich meinen Wecker auf sieben, um dann ungestört zu lesen. Oder zu schwimmen. Einmal wurde ich dabei von einem älteren, bettflüchtigen Ehepaar beobachtet, das mich beim Aussteigen aus dem Wasser beglückwünschte: "Das haben Sie sich aber wirklich verdient." Ich nickte still und machte mich sofort in Richtung des aufkommenden Brausens auf.

Der Rest des Urlaubstages ist blanke Organisation: Man muss vier Kinder im Auge behalten, Essen beschaffen, aufräumen, Launen aufrecht erhalten oder die High Potentials motivieren, sweet spots aufspüren, Aktivitäten überlegen und durchführen, die dafür notwendige Logistik überprüfen, Hunger und Durst stillen, Antworten auf Fragen haben und am Ende soll man sich auch noch erholen.

Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Um direkt auf den ersten Kommentar Bezug zu nehmen: Kinder sind keine Plage, Leute, die Kinder als Plage bezeichnen sind die wirkliche Plage.
Natürlich sind Kinder anstrengen, auch im Urlaub anstrengend. Aber je relaxter man selber ist, desto schöner wird der Urlaub. Man muss nicht der pausenlose Entertainer sein, das was Kinder interessant finden ist nach meiner Erfahrung noch lange nicht das, was Erwachsenen meinen., Kinder müssten es interessant finden.
Nach jahrelangen Abenteuerreisen in alle Gegenden der Welt schätze ich nunmehr den entspannten Urlaub mit meiner Familie in Nahregionen.

"Kinder sind keine Plage, Leute, die Kinder als Plage bezeichnen sind die wirkliche Plage."
Mitnichten, scheinbar haben Sie selbst noch keine Kinder, keine Jugendlichen erlebt die, dass steht außer Frage, von ihren Eltern zu wirklichen Plagen gemacht wurden.
Für ihre Eltern, die Umwelt ein Art von Plage sind.
Viele Erzieher(innen), Lehrer(innen), Sozialarbeiter(innen) ... können ihnen ein Lied davon singen. Aber so was von eins.

Nichts desto trotz, war mein Kommentar primär eher ironisch gemeint, und unverständlicherweise echauffieren Sie sich derart, dass Sie sich berufen fühlen mit einer Insultierung und einem persönlichen Angriff antworten zu müssen.

Lustiger Bericht der sich mit dem teilweise ( s.u.) deckt was ein Freund mit seinen drei Kindern von seinen Urlauben erzählt. Scheint bei so vielen Kindern echt ein Logistikmanagement-Studium vorrauszusetzen. Was aber wirklich merkwürdig ist: Sowohl seine Kinder als auch auch ich und mein Bruder wollten im Urlaub immer nur die Gegend erkunden und waren quasi den ganzen Tag weg und kamen nur zum Essen zurück. Insofern haben es mein Kumpel bzw. hatten es meine Eltern leichter.