Gesellschaftskritik Liebe ohne Grenzen

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Wer sich bislang für sexuell offen hielt, wird sich künftig mit Miley Cyrus messen lassen müssen. Miley Cyrus hat sich in einem Interview mit der Zeitschrift Variety als pansexuell geoutet. Pansexuell bedeutet, dass man sein sexuelles Begehren nicht auf eine bestimmte Gruppe beschränkt, sondern auf alle Arten der Sexualität.

Früher hatte ein Outing stets die Züge eines gesellschaftlichen Ereignisses. Etwa als der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, bekannte: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Damit besagte er nicht nur, dass er selbst sich zu Männern hingezogen fühlte – sondern dass Homosexualität in der Politik als selbstverständlich angesehen werden sollte. Das machte jemanden wie Wowereit zu einem Helden. Damals, 2001.

Gegen Miley Cyrus nimmt sich so ein Outing heute geradezu mickrig aus. Pansexuell: Das darf nicht etwa mit bisexuell verwechselt werden. Wer bisexuell ist, fühlt sich zu zwei Geschlechtergruppen hingezogen. Ein Polysexueller betont, dass er mehrere sexuelle Identitäten hat. Ein pansexueller Mensch aber neigt – jedenfalls theoretisch – zu allen. Zu den Homosexuellen, den Transsexuellen, den Bisexuellen, den Heterosexuellen – es gibt eben nichts, auf das Miley Cyrus nicht stehen könnte.

Als Pansexuelle könnte sie auch objektsexuell sein. Wer sich darüber lustig gemacht hat, dass Miley in ihrem Video zu Wreckingball nackt auf einer Abrissbirne ritt, sollte über seine Häme noch einmal nachdenken. Es könnte sich als Akt sexueller Diskriminierung herausstellen. Was haben wir darüber zu urteilen, was Miley Cyrus möglicherweise für einen massiven Metallkörper empfindet? Eventuell wird sich Mileys Outing sogar noch als zukunftsweisend herausstellen. Wenn sich jetzt noch andere Prominente zur Pansexualität bekennen, könnte es ein Trend, wenn nicht sogar eine Bewegung werden. Und wenn wir alle einmal pansexuell sind, wenn jeder irgendwie auf alles abfährt, wäre das doch eine schöne Sache! Und wir müssten uns nie wieder über sexuelle Identitäten unterhalten.


Kommentare

106 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Ich kann da nur antworten: pansexuell! Sie fühlt sich nicht nur zu Männern und Frauen hingezogen, sie fühlt sich nicht nur zu ein paar mehr Geschlechtern hingezogen, sie fühlt sich tatsächlich zu ALLEN (hunderten) Geschlechtern (die offizielle Liste wird von den Wissenschaftlern bei Facebook geführt), hingezogen. Und das muss man ihr einfach anrechnen.

Vielleicht hat liebt sie ja auch uns.

Aber ich muss jetzt irgendwie an Lady Gaga denken.....