© Bayerischer Rundfunk/Hendrik Heiden

"Polizeiruf 110" Alle gegen Meuffels

Kommissar von Meuffels wird von einem alten Fall heimgesucht und nimmt gegen den Willen seiner Vorgesetzten die Ermittlungen auf. Unsere Kritiker sind zwiegespalten.

Lange war Julia Wendt (Judith Engel) in psychiatrischer Behandlung, weil sie unter Verdacht stand, ihren Ehemann umgebracht zu haben. Nach ihrer Entlassung wird ein Wiederaufnahmeverfahren angestrebt. Kommissar von Meuffels (Matthias Brandt) sagte damals gegen die Frau aus. Nun sucht sie seine Nähe, weil sie sich verfolgt fühlt. Der Kommissar versucht, sie zu beruhigen und glaubt, die Frau leide an Verfolgungswahn. Doch als sie unter mysteriösen Umständen stirbt, ändert er seine Meinung.

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Hat sich Matthias Brandt das kleine Bäuchlein extra für die Rolle angefuttert oder hat er das schon Vorhandene perfekt in die Rolle integriert? Bei einer Verfolgungsjagd, wo die Regie seinen Kommissar von Meuffels wirklich sehr schlecht aussehen lässt, kommt dem Riemen eine große Bedeutung zu.

Lars-Christian Daniels: Wahrscheinlich immer noch über den fantastischen Tatort aus Wiesbaden von letzter Woche. Der hallt nämlich deutlich länger nach als dieser eher durchschnittliche Polizeiruf aus München. Korruption, Überwachung, Steuersünder-CDs – alles schon gesehen.

Matthias Dell: Über den etwas unbefriedigenden Schluss.

Anne Fromm: "Da haben wir den Beweis: Die da oben machen eben doch, was sie wollen". Donald Trump gefällt das.

Kirstin Lopau: Ist das jetzt wirklich das Ende oder gibt es da noch eine Fortsetzung? Das kann doch nicht das Ende sein!


2. Was haben Sie aus diesem Polizeiruf gelernt?

Christian Buß: Ganz Bayern ist ein verdammter Korruptionssumpf. Achso. Wussten wir ja schon. Doch nichts gelernt.

Lars-Christian Daniels: Er ist wieder da! Oliver Masucci kann nicht nur Adolf Hitler spielen, sondern macht auch als Vorzeige-Arschloch vom LKA eine hervorragende Figur. Die Stammzuschauer haben ihn natürlich schon vor ein paar Wochen in Rockerkluft im Tatort aus Dortmund entdeckt.

Matthias Dell: Wie schön dieses herrliche München ist: Pharao-Haus, Olympiapark und -stadion.

Anne Fromm: Man traut es ihm nicht zu, aber auch Kommissar von Meuffels kann böse.

Kirstin Lopau: Von Meuffels sind Pornos bei einer Observation nicht peinlich.


3. Welche Frage bleibt offen?

Unsere Kritiker

Christian Buß ist Kulturredakteur bei Spiegel Online und schreibt dort regelmäßig über den Tatort.

Lars-Christian Daniels bespricht für sein Blog Wie war der Tatort? und das Onlinemagazin Filmstarts den Tatort und weitere TV- und Kinofilme.

Matthias Dell ist Tatort-Kritiker bei ZEIT ONLINE und teilt das Arbeitsethos von Gunter Gabriel: "Derjenige, der dem Schweiß den Rücken runterläuft“.

Anne Fromm ist Medienredakteurin der taz. Das Erste, was sie als Kind über den Tatort gelernt hat, war: Sonntags zwischen 20.15 Uhr und 21.45 Uhr niemals Oma anrufen.

Kirstin Lopau ist ZEITmagazin-Leserin und eine der meinungsstarken Kommentatoren bei unseren sonntäglichen Tatort-Diskussionen bei Facebook.

Christian Buß: Was sagt eigentlich Uli Hoeneß zu diesem Amigo-Polizeiruf?

Lars-Christian Daniels: Gegenfrage: Welche Frage bleibt NICHT offen?

Matthias Dell: Warum rippt Meuffels die CD mit den brisanten Daten nicht, bevor er sie weiterreicht? Anfängerfehler.

Anne Fromm: Wo war Barbara Auer alias von Meuffels Lieblingskollegin aka G'spusi Constanze Herrmann? Warum hat von Meuffels keine Kopie von der CD gemacht? Und muss er nach diesem Ende nicht eigentlich kündigen?

Kirstin Lopau: Wann gibt es die Fortsetzung dieser Folge? Hat von Meuffels wirklich keine Kopie der Liste gemacht? Und warum ist er so doof? Wer ist der Mandant, dessen Rechtsanwalt bei von Meuffels anruft, um zu wissen, ob sein einziger Mandant auf der Liste steht?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Der von Oliver Masucci (Er ist wieder da) diabolisch glatt gespielte LKA-Chef ist dann doch etwas zu diabolisch glatt. Da hätten Anzug und Visage gerne etwas zerknitterter sein können. Uwe Preuss macht sich in solchen Rollen eigentlich immer gut.

Lars-Christian Daniels: Da haben wir seit Jahrzehnten endlich mal wieder eine deutsche Spielerin auf Platz 1 der Weltrangliste, aber um den Tennisnachwuchs müssen wir uns offenbar trotzdem große Sorgen machen. Als Hanns von Meuffels in einem Elitetennisclub vorbeischaut und den Court wieder verlassen will, führt auf dem Nebenplatz im Hintergrund gerade eine Dame ihren Aufschlag aus. Der Ball landet vermutlich irgendwo hinterm Vereinsheim. Nächstes Mal bitte direkt Angelique Kerber für einen Cameo-Auftritt verpflichten. Im Tatort klappt das mit den Gaststars doch auch immer ganz gut.

Matthias Dell: Die von LKA-Macker Matthias Dell – mit Elyas M'Barek natürlich.

Anne Fromm: Alle Mitglieder des Tennisclubs. So fies, wie die sind, hätten die auch von Lord Voldemorts Todesstern gespielt werden können.

Kirstin Lopau: Der gelackte Matthias Dell passt irgendwie besser zu Mad Men. Thomas Heinze hätte mir besser in dieser Rolle gefallen.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Ganz München scheint sich gegen von Meuffels verschworen zu haben. Eigentlich müsste uns so ein Paranoia-Thriller ja bis in die Nacht verfolgen – tut er aber nicht. Kein gutes Zeichen für die Wirkmacht dieses Krimis.

Lars-Christian Daniels: Gleich zu Beginn verstirbt die frisch aus der Psychiatrie entlassene Julia Wendt (Judith Engel) in den Armen des Kommissars. Eine Szene, die richtig ins Mark geht, obwohl wir die Dame nur sehr kurz haben kennenlernen dürfen.

Matthias Dell: Von Heinz Rühmann im Andy-Warhol-Siebdruck.

Anne Fromm: Es klingelt, ich mache die Tür auf, davor steht Frau Wendt und ihr läuft – Achtung, Horror – Blut aus dem Auge. Ein bisschen Steven King im Polizeiruf: Wow!

Kirstin Lopau: Davon, wie aus einer Verschwörungstheorie langsam Wirklichkeit wird. Und vom Ende.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser Polizeiruf?

Christian Buß: 5 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 4 Schlafmützen. Eher Spionage- und Überwachungsthriller als Krimi, trotz der altbekannten Versatzstücke aber durchaus unterhaltsam. 😴😴😴😴

Matthias Dell: 5 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴

Anne Fromm: Wer den langatmigen, konfusen Mittelteil übersteht, wird mit einem ganz spannenden Ende belohnt. Dafür gibt’s 3 Schlafmützen. 😴😴😴

Kirstin Lopau: 1 Schlafmütze. Sehr spannend und sehr intensiv gespielt. Einzig Oliver Masucci als Matthias Dell hat mir nicht gefallen. 😴

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Kommissar von Meuffels ist ein extrem sympathischer Polizist, wie eigentlich alle Tatortpolizisten. Die Autoren wollen uns Zuschauern auf diesem Weg sicher beibringen, dass wir der Staatsgewalt trauen und wir sie, weil sie ja auch so effektiv ist, lieben und verehren sollen.
Den Kritikern der Tatort- und Krimireihen, die behaupten, es sei übertrieben, einen so großen Prozentsatz an Sendezeit für seichte Kriminalfilmchen zu verplempern, rufe ich zu: Da die Welt nicht per se gut ist, spiegeln die Krimis auch in dieser große Masse die Realität bestens wider, und ich möchte für meinen Teil - nicht zum ersten Mal - anregen, ein Ermittlertrio einzusetzen, das gerne auch aus ruraler Gegend stammen darf, denn Großstädte wie Gütersloh oder auch Bielefeld bzw. Berlin sind überrepräsentiert.
Den Intendanten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens darf man zu ihrem Mut, den Kriminalfilm so über alle Maße zu fördern, gratulieren. Chapeau!

Ich sehe möglichst alles mit M. Brandt.
Was ich immer wieder gern mit ihm sehe ist der Märchenfilm "Des Kaisers neue Kleider". Genial!
Wäre evtl. auch mal was für die "Zeit": Die Märchenfilme von ARD und ZDF besprechen.
Da tummeln sich mit viel Spaß etliche gute Schauspieler.
Weihnachten kommen 4 neue ins Programm. Ich bin gespannt.
Märchen und Krimis haben viel gemeinsam. :-))