Women's March on Washington Warum wir auf die Straße gehen

In Washington protestierten Hunderttausende gegen US-Präsident Trump. Wir haben Frauen gefragt, was sie ängstigt, bewegt und wogegen sie kämpfen – und zeigen 13 Porträts.

Sophie Auster, 29, Sängerin

Aus New York City, New York, kam mit ihrer Mutter, reiste mit dem Zug an, 226 Meilen (ca. 364 Kilometer)

Sophie Auster

"Meine Mutter und ich haben vor einem Monat entschieden, dass wir zum Women's March nach Washington gehen wollen. Wir haben gerade noch eines der letzten Hotelzimmer bekommen und mussten um vier Uhr aufstehen, um den Zug nach D.C. zu erwischen. Wir leben in einem sehr zerrissenen Land, aber bei dem Women's March waren die Menschen verbunden und vereint. Das hat mich beeindruckt. Keiner hat geschubst, keiner hat einen bedrängt, die Leute haben sich an den Händen gehalten, gesungen, gejubelt und einander zugelacht."


Siri Hustvedt, 61, Schriftstellerin

Aus New York City, New York, kam mit ihrer Tochter, reiste mit dem Zug an, 226 Meilen (ca. 364 Kilometer)

Siri Hustvedt

"Der Horror der Trump-Wahl hat Angst in uns geweckt. Was für eine Enttäuschung, dass so viele von uns Amerikanern glaubten, ihn wählen zu müssen. Deswegen sind wir auf den Women's March gekommen. Mit Hunderttausenden, die das gleiche fühlen. Es war wundervoll. Mit 14 war ich auf meiner ersten Demonstration, das war 1969, gegen den Vietnamkrieg. Es war also heute nicht mein erster, aber wohl mit Abstand mein größter Marsch. Es sollen 700.000 Menschen hier gewesen sein*."


Pam Grace Gashanga, 37, selbständig

Aus Washington D.C., kam mit ihrem Sohn mit der U-Bahn, 5 Meilen (ca. 8 Kilometer)

Pam Grace Gashanga

"Ich erfahre jeden Tag Rassismus. So auch mein Sohn. Das Harmloseste ist noch, wenn die Leute mich einfach anstarren, und schauen, wie ich angezogen bin oder wie laut oder leise ich rede. Ich werde solange auf die Straße gehen, bis die Menschen es begreifen: Black Lives Matter. Der Tag, an dem Donald Trump der 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde, war ein eisiger Freitag."


Rahee, 30, Dokumentarfilmerin

Aus Raleigh, North Carolina, reiste mit dem Auto an, 278 Meilen (ca. 447 Kilometer)

Rahee

"Ich bin mit 14 mit meinen Eltern aus Bangladesch in die USA gezogen. Meine Mutter wuchs in einer streng islamischen, patriarchalischen und misogynen Gesellschaft auf. Ihre Ehe mit meinem damals schon viel älteren Vater war arrangiert. Sie war 16 bei ihrer Hochzeit. Mit 21 hatte sie mehrere Kinder. Meine Mutter ist eine passiv veranlagte, weichherzige, selbstlose Person. Sie hatte nie die Möglichkeit, herauszufinden, was sie vom Leben will. Sie musste sich schon als junge Frau stets um andere kümmern: ihren Mann, ihre Kinder, ihre Eltern. Schon als kleines Kind habe ich meine Mutter beobachtet, wie ihr Leben von anderen kontrolliert wurde. Nun haben wir einen Präsidenten, der dieses Frauenbild wieder propagiert. Deswegen bin ich zum Women's March gefahren."


Catherine Lee, 61, Rentnerin

Aus San Francisco, Kalifornien, flog mit ihrer Frau ein, 2.818 Meilen (ca. 4.535 Kilometer)

Catherine Lee

"Ich lebe seit mehr als dreißig Jahren mit meiner Frau zusammen. Bereits in den späten sechziger Jahren bin ich in San Francisco auf die Straße gegangen und habe für Gleichberechtigung, Frieden und Rechte für Homosexuelle demonstriert. Meine Frau und ich haben uns extra eine Demonstrationsausstattung gekauft: Slogan-Sweater, Sticker und Kappen. Was wir auf dem Women's March erleben, wird als die größte friedliche Demonstration in die Geschichte eingehen. Leider fürchte ich, es wird nicht unser letzter Marsch sein."


Mae Hunt, 19, High-School-Schülerin

Aus Alexandria, Virginia, kam mit Lehrerin und Mitschülern, reiste mit der Metro an, 8 Meilen (ca. 13 Kilometer)

Mae Hunt

"Ich will hier Geschichte schreiben. Frauenrechte liegen mir sehr am Herzen. Das ist Teil meiner DNA, das ist Teil meiner Generation. Vor allem bin ich hier, um diesen Idioten in der Trump-Regierung zu sagen: Mein Körper gehört mir, alle Entscheidungen, die ich treffe, sind meine."


Jessica Galvin, 28, Fernsehproduzentin

Aus San Francisco, Kalifornien, flog mit Freunden ein, 2818 Meilen (ca. 4535 Kilometer)

Jessica Galvin

"Ich bin es leid, detailliert und ausschweifend erklären zu müssen, warum soziale, wirtschaftliche und alltägliche Benachteiligungen von Frauen in unserer Welt existieren. Sexismus begegnet mir wöchentlich oder gar täglich, oft verkleidet in scheinbar beiläufigen Kommentaren: Dass ich öfter lächeln soll, wie ich mich passender benehmen könnte oder was ich heute schon wieder tragen würde. Es nervt mich, dass mein Aussehen zu häufig gegen mich gewendet wird. Jetzt haben wir einen Präsidenten, der Frauen mit Nummern benotet. Also müssen Frauen stärker zusammenhalten, einander mehr unterstützen und laut sein. Genau das machen wir auf dem Women's March."

*nach Angaben der Veranstalter des Women's March on Washington

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