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"Tatort"-Kritikerspiegel Uffbasse!

Kein Drehbuch, dafür fordern Laiendarsteller und viel Pfälzische Mundart die "Tatort"-Zuschauer heraus. Kommissarin Odenthal muss derweil einen Mord am Theater aufklären.

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Die spielen ja wie Amateure! Ganz genau. Doch müssen die Darsteller diese Unmutsbekundung nicht als Vorwurf nehmen. Denn tatsächlich hat der für seine Improvisationskomödien bekannte Axel Ranisch (Alki, Alki) die Mitglieder eines pfälzischen Laientheaters gebeten, den Mordfall in einem pfälzischen Laientheater nachzustellen. Gewöhnungsbedürftig, nicht ohne Charme.

Lars-Christian Daniels: War das der schlechteste Tatort aller Zeiten? Ich habe nur knapp 600 gesehen, aber dieser zählt definitiv zu den ganz heißen Titelkandidaten.

Matthias Dell: Über Dialekte.

Kirstin Lopau: Endlich war der Tatort aus Ludwigshafen mal anders. Es gab keinen vorgeschriebenen Text, die Schauspieler haben improvisiert. Das tat dem gesamten Ensemble, aber besonders Frau Stern gut. Diese war endlich sympathisch, irgendwie mal sie selbst und nicht aufgesetzt tough wie sonst. Für die Dialekte-im-Tatort-Verfechter wurde hier auch gesorgt.


2. Was haben Sie aus diesem Tatort gelernt?

Christian Buß: Eine Menge pfälzische Flüche. Glücklicherweise müssen die immer wieder übersetzt werden, weil auch Ermittlerin Odenthal nichts mit ihnen anzufangen weiß.

Lars-Christian Daniels: Experimente im Tatort? Immer gern! Aber manchmal geht's eben auch kolossal in die Hose.

Matthias Dell: Schönheit und Tiefe des Dialekts.

Kirstin Lopau: Pfälzer Dialekt hört sich manchmal wie eine Fremdsprache an. Auch an kleinen Volkstheatern scheint es zuzugehen wie an großen Häusern: Jeder hat was mit jedem und alle intrigieren gegen alle. Außerdem: Lena Odenthal sollte öfter Kleider tragen!

3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Was will denn nun Kommissar Kopper seinen Kollegen beim Abendessen mitteilen? Er macht mal wieder eine sehr unglückliche Figur in diesem Krimi, in dem es offensichtlich keine Verwendung und keinen Platz für den fülligen Italo-Cop gibt. Ein langer, schmerzhafter Abschied, der einfach kein Ende nimmt.

Lars-Christian Daniels: Was macht eigentlich Kopper so, während die anderen Impro-Tatort spielen? Diesmal darf der einstige Odenthal-Partner in exakt vier Szenen auftreten und ein großes Geheimnis daraus machen, dass er den anderen etwas mitzuteilen hat. Was es ist? Wen interessiert's? Viel wichtiger ist doch, dass Assistentin Keller in den Flur kotzt und Fallanalytikerin Stern ihre plärrenden Kinder durchs Büro schiebt. Ein Wahnsinn.

Matthias Dell: Was wollte Kopper denn nun so Oberwichtiges mitteilen?

Kirstin Lopau: Wird das Babbeldasch nun geschlossen oder nicht?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Besser besetzen? Die Mitglieder einer Laiendarstellertruppe? Wie herzlos wäre das denn!

Lars-Christian Daniels: Alle Schauspieler. Mit Schauspielern.

Matthias Dell: Die der Bäckerei, und zwar mit einer Traditionsbäckerei – als eigenständige Niederlassung angelieferte Croissants aufbacken, "das geht gar nicht" (Angela Merkel).

Kirstin Lopau: Die immer wieder in Lenas Träumen auftauchende Malou Mott als Sophie Fettèr war mir persönlich zu schrill und laut. Heidi Kabel wäre weniger aufdringlich gewesen.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: "Du konnsch disch ned versteggle!", so das pfälzische Mordopfer, das Kommissarin Odenthal in deren Träumen nachstellt. Ein pfälzisches Horror-Schoggerle sozusagen.

Lars-Christian Daniels: Lena Odenthal darf sich in der letzten Sequenz des Films als böse Königin verkleiden und noch ein bisschen feiern lassen – ein fast groteskes Bild, das sich mir auf Jahre ins Gedächtnis brennen wird.

Matthias Dell: Vom Schaum im Mund der Toten.

Kirstin Lopau: Von Lenas Hängematte auf ihrem Balkon.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser Tatort? 

Christian Buß: 5 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels: Viertausend Schlafmützen. Aber die würden wahrscheinlich den Bildschirm sprengen, daher: 10 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴😴😴😴😴😴

Matthias Dell: 5 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: 4 Schlafmützen. Ein erfrischender, neuer Tatort aus Ludwigshafen mit Tendenzen zum Skurrilen, aber auch Nervigen. Nur Mundart ist auch keine Lösung. Unbedingt so weitermachen! 😴😴😴😴

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