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"Tatort"-Kritikerspiegel Papa?

Professor Boerne hat Jagdfieber und Kommissar Thiel kämpft mit Komplexen. Doch nicht nur damit. Eine junge Frau behauptet im "Tatort" aus Münster, seine Tochter zu sein.

Im neuen Tatort aus Münster gilt es, allerhand Alltag unter einen Hut mit dem Beruf zu bekommen. Kommissar Boerne (Jan Josef Liefers) hat eine neue Leidenschaft: das Schießen und Jagen. Und auch Kommissar Thiel (Axel Prahl) möchte sich körperlich mehr betätigen, allerdings im Fitnessstudio. Dann kommt leider ein Fall dazwischen, der sehr eng mit Thiels ebenfalls körperlicher Vergangenheit zu tun hat. Seine mutmaßliche Tochter (Janina Fautz) steht nämlich vor seiner Tür und erbittet Einlass. Thiel ist jedoch nicht erste Vaterwahl, es gibt auch noch einen zweiten Kandidaten für die mögliche Vaterrolle. Doch der wird plötzlich ermordet.

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Sicher nicht über die Handlung. Die ist mal wieder plemplem. Keine Ahnung, was die Drehbuchautoren bei der Arbeit konsumiert haben. Dafür sind die Dialoge von einer angenehm angeheiterten Eleganz.

Lars-Christian Daniels: Ein trinkender Investigativjournalist mit zweifelhaften Methoden, ein blauhaariger Teenie-Rebell, der nur geliebt werden will, und ein schwuler Friseur, der Geheimnisse in der Sauna aufschnappt und im Salon direkt wiederausplaudert: Wer entdeckt die meisten Klischees in diesem enttäuschenden Tatort aus Münster?

Matthias Dell: Über die Losung vom Fuchs.

Kirstin Lopau: Darüber, ob man zu den Zeichen des Älterwerdens stehen sollte oder nicht.


2. Was haben Sie aus diesem Tatort gelernt?

Christian Buß: "Mit einem 38er Kaliber kann man einer ausgewachsenen Wildsau den Fangschuss geben." Professor Boerne geht unter die Jäger und erfreut sein Umfeld mit allerhand Waidmannswissen.

Lars-Christian Daniels: Eine ganze Menge über Fuchskot. Ob ich das lernen wollte? Ich wurde nicht gefragt.

Matthias Dell: Die Losung vom Fuchs sieht dem Kot von Felis catus, der gemeinen Hauskatze, sehr ähnlich.

Kirstin Lopau: Wir lernten, wie viele Zwerge man zum Tauschen einer Neonröhre benötigt (keinen), aber auch, dass Thiel "angeblich ein ganz passabler Lover" ist. Professor Boernes "Gefieder wird auch ganz schön schütter" und er hat Ähnlichkeit mit einem Stummelschwanz-Makaken. Außerdem hält das Darknet mit dem Angebot "Call a killer" auch in Münster Einzug. Knickerbocker mit Troddeln am Saum stehen niemandem, nicht mal Boerne. Vor allem aber haben wir gelernt, dass Thiel einen Sohn hat, zu dem er keinen Kontakt mehr hat. Oder wussten wir das schon? 


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Was tut man denn nun gegen Alopezie, vulgo: Haarausfall? Boernes Versuche, dem sich lichtenden Haupthaar entgegenzuwirken, scheitern alle kläglich.

Lars-Christian Daniels: Wer brät die schlechteren Fischstäbchen? Thiel oder die blauhaarige Leila, die sich vorübergehend bei ihm einquartiert?

Matthias Dell: Was wird mit Boernes Schweizer Aktien?

Kirstin Lopau: Wer pflegt denn eigentlich Biggi, solange die Tochter in Münster weilt?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Der Journalist vor dem Rotweinglas, der in der ersten Viertelstunde aus der Handlung gemordet wird, ist nicht sehr überzeugend. Ein beliebiger Quartalssäufer aus einer beliebigen Lokalredaktion hätte es auch getan.

Lars-Christian Daniels: Nichts gegen Jungschauspielerin Janina Fautz, die sich wacker schlägt, aber ihrer aufmüpfigen Leila permanente Selbstgespräche ins Drehbuch zu schreiben, tut der Rolle alles andere als gut. "Show, don't tell" lautet die Maxime des (filmischen) Erzählens, die hier fleißig mit Füßen getreten wird.

Matthias Dell: Die von Boernes neuem Auto – mit einem weniger hässlichen.

Kirstin Lopau: Die überdeutliche Aussprache von Janina Fautz als Leila ging mir auf die Nerven. Karoline Herfurth wäre schön gewesen.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von Boerne, wie er bei seiner Jagdscheinprüfung ironisch-fachmännisch die Schussvorrichtung eines Gewehrs benennt: "Und was Sie hier sehen, ist ein deutscher Stecher."

Lars-Christian Daniels: Von der letzten Szene des Auftragskillers, den irgendwer irgendwo irgendwann im Darknet angeheuert hat. Widmete sich im starken Kieler Tatort: Borowski und das dunkle Netz Mitte März noch ein halbes Dutzend Ermittler spannenden Fragen wie diesen, werden die Hintergründe hier in fünf Sekunden am Telefon abgefrühstückt. Immerhin: Es hätte auch eine WhatsApp-Nachricht sein können. Wie gut, dass Thiel kein Smartphone hat.

Matthias Dell: Dem Beträufeln des Hauptes mit einer noch unerforschten Losung, äh, Lösung

Kirstin Lopau: Vom neuen Boerne-Mobil.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser Tatort?

Christian Buß: 3 Schlafmützen. 😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 6 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴😴

Matthias Dell: 5 Schlafmützen. 😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: Eigentlich 3 Schlafmützen, aber weil Münster diesmal ohne viel Klamauk auskommt und das dem Tatort sehr gut tut, gibt es 2 Schlafmützen. 😴😴

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