Gesellschaftskritik Wenn die Software zweimal klingelt

© Fredrik von Erichsen/dpa

Die Deutsche Post testet derzeit in einigen ihrer Filialen eine Gesichtserkennungssoftware, um auf Displays personalisierte Werbung ausspielen zu können. Auf Infotainment-Bildschirmen sollen die Kunden alters- und geschlechtsspezifische Angebote zu sehen bekommen.

Eine nicht repräsentative Umfrage in mehreren Postwarteschlangen hat ergeben, dass die Bedürfnisse der Kundschaft in eine ganz andere Richtung gehen. Wir haben die wichtigsten zehn Softwarewünsche der Postkunden aufgelistet:

1. Geschmackserkennungssoftware: Die ausgewählte Briefmarke passt sich automatisch an den präferierten Geschmack des Zungennutzers an. Zur Auswahl stehen: Pfeffi, Kaffee, Wodka-Mate und Schwarzwälderkirsch.

2. Portosenkungssoftware:
Je länger ein Brief braucht, um anzukommen, desto niedriger wird das Porto. Rückbuchungen auf das Senderkonto werden automatisiert vorgenommen und sind gebührenfrei. Braucht ein Brief länger als zwei Wochen, erhält der Nutzer eine Bonuszahlung von der Deutschen Post.

3. Tonsteuerungssoftware: Rutscht die Tonlage von Schalterfachkräften unter die von der Kundschaft festgelegte Servicegrenze, wird die Stimme automatisch in eine freundliche Tonlage gepitcht. Beim nächsten Update wird die App auch eine Pitchfunktion für Kundenstimmen enthalten.

4. Empfängerverfolgungssoftware: Von nun an verfolgt nicht der Empfänger das Paket, sondern das Paket seinen Empfänger. Bis er es entgegennimmt. Eventuell auch auf Lanzarote.

5. Klingeldetektorsoftware: Das Klingelschild eines jeden Paketempfängers wird automatisch identifiziert und die Klingel betätigt. Mehrfachausführung inklusive.

6. Maßstabssoftware: Jeder Briefkasten wird vor dem Hineinstopfen einer größeren Sendung automatisch vermessen. Passt die Sendung nicht in die vorhandene Öffnung, muss der Zusteller einen Briefkasten in der angemessenen Größe montieren.

7. Gehalterhöhungssoftware: Angestellte der Deutschen Post werden angemessen für ihre Arbeit an Servicecountern, in Lagerhallen und auf Treppenstufen entlohnt. Auch Trinkgeld kann ihnen per App-Laus direkt zugestellt werden.

8. Warteschlangenerkennungssoftware: Warteschlangen in einer Filiale (und auch davor) werden ab 60 Personen automatisch erkannt und geteilt. Im Sonderfall (Weihnachten, Ostern) können sie auch gedrittelt werden.

9. Packstationskartenlesesoftware: Karten an Packstationen werden künftig erkannt.

10. Bushidoerkennungsssoftware: In der Berliner Filiale am Hindenburgdamm wird den Mitarbeitern das Eintreffen des sensiblen Schlagersängers sofort auf ihren Screens angezeigt, sodass Bushido sich nie wieder auf Twitter über die unfassbaren Zustände aufregen muss. Service und Freundlichkeit liegen von nun an im Plusbereich!!!

Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Quelle? oder nur wilde Spekulation?!

Es sollte lieber das Porto erhöht werden, da die Deutsche Post im Vergleich zu den restlichen Europäischen Ländern >50% zu wenig Porto nimmt, obwohl jede Sendung ankommt... <- genauso wenig fundiert...

Sind Sie denn bereit mehr Porto zu zahlen, damit man diesen zusätzlichen Ertrag in die MA investieren kann?

Leider ist das so ein bisschen wie die Spargelstecherei

Ja toller Artikel, Sie haben den Abschnitt der Maßstabssoftware nicht zu Ende gelesen. Dort steht nämlich:"Passt die Sendung nicht in die vorhandene Öffnung, muss der Zusteller einen Briefkasten in der angemessenen Größe montieren" Es ist natürlich nicht der Zusteller der einen angemessenen Briefkasten aufstellen soll sondern der Empfänger. In Frankreich muss man ein bestimmtes Briefkastenmodell kaufen, sonst gibt es gar nichts. Das Schloss an diesem Briefkastenmodell ist so ausgelegt, dass der Zusteller einen Universalschlüssel hat und sämtliche Briefkästen öffnen kann. Deswegen ist es Ihm möglich Päckchen und grössere Sendungen ohne Akrobatik zuzustellen. Ich mutmasse jetzt: Sie haben ein Haus, fahren 2-3 mal im Jahr in Urlaub, kaufen alle 3-4 Jahre ein neues Auto. Aber Geld für einen vernünftigen Briefkasten. Wieso der hängt doch erst seit 30 Jahren der ist noch total in Ordnung.