Teletubbies Ah-ooh!

© ZDF/Teletubbies/2015 DHX Worldwide

Nach einer 14-jährigen Sendepause sind die Teletubbies nun zurück im deutschen Fernsehen. Und sie haben Nachwuchs bekommen, vier süße Tiddlytubbies, die nun durch den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal trollen. Wir haben die Elterngeneration Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po nach ihrem ersten großen Auftritt zum Exklusivinterview getroffen.

ZEITmagazin ONLINE: Darf man gratulieren? Was für ein sensationelles Comeback! Sie waren mehr als ein Jahrzehnt von der Bildfläche verschwunden. Warum kommen Sie gerade jetzt zurück?

Tinky-Winky, Dipsy, Laa-Laa, Po (im Chor): "Nomal! Nomal!"

ZEITmagazin ONLINE: Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. Manche Medienforscher lasten es Ihnen an, dass die Generation Z keinerlei Medienkompetenz entwickelt hat und einen YouTuber mit dem Anchorman der Tagesschau verwechselt. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Laa-Laa: La-la-la.

ZEITmagazin ONLINE: Vor Ihrem großen Durchbruch im Fernsehen haben Sie wegen Ihres Talents zur sprachlichen Prägnanz an einem Projekt mitgearbeitet, das später unter dem Namen Twitter zu einem sehr erfolgreichen sozialen Medium wurde. Wie schätzen Sie heute etwa die mediale Schlagkraft eines Trump-Tweets ein?

Po: (gibt ein undefinierbares Geräusch von sich)

ZEITmagazin ONLINE: Und wie verifizieren Sie im Zeitalter von Fake-News Inhalte, die Sie nun Ihrem jungen und noch formbaren Publikum präsentieren?

Tinky-Winky: Ah-ooh!

ZEITmagazin ONLINE: Nun haben Sie selbst Nachwuchs bekommen, Daa-Daa, Umpie-Pumpie, Ba und Ping. Ist es nicht eine ungeheure Belastung für Sie als polygame Patchworkfamilie, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie medial derart harmonisch zu inszenieren, dass rechtspopulistische Parteien wie die AfD nicht auf Sie aufmerksam werden?

Tinky-Winky: Ei, ei, ei.

ZEITmagazin ONLINE: Sie ernähren sich hauptberuflich von Pudding, wie wollen Sie das laktoseintolerante Publikum erreichen oder auch Kinder aus veganen Haushalten?

Dipsy: Ooopsi.

ZEITmagazin ONLINE: Welche Sendungen dürfen Ihre Kinder schauen? Nur öffentlich-rechtliche oder streamen Sie vielleicht auch mal heimlich nach Sendeschluss Netflix für Kids? Geht auch unter drei.

Tinky-Winky: Gni, Gni.

ZEITmagazin ONLINE: Sie sagen, die Fernseher in Ihrem Bauch seien nun auch DVB-T2-HD-fähig. Wofür brauchen Sie dann noch Ihre Antennen? Auf politisch inkorrekten Blogs wird gemutmaßt, Sie unterstützten die staatliche Überwachung der Geheimdienste und seien sogar fähig, die Eins-zu-eins-Verschlüsselung von WhatsApp zu hacken!

Laa-Laa: Beep, beep. Beep.

ZEITmagazin ONLINE: Ach, Sie haben nur Kontakt mit David Bowie? Na dann: Herzliche Grüße! Gestatten Sie eine ganz andere Frage: In Ihrem Job braucht man eine Menge Kreativität, nehmen Sie ab und an eigentlich Drogen?

Dipsy: Ui, ui.

ZEITmagazin ONLINE: Nichts außer MDMA? Wenn das die Besucher des Berliner Berghains hören, wird demnächst dort ihr Pudding sojagecraftet, in die Mate gemischt und am Eingang zum Dark Room ausgeteilt. Waren Sie als Vorreiter des Gender-Mainstreaming und prominente queere Ikonen denn schon einmal dort?

Po: Jei, jei. Oh. La. La.

ZEITmagazin ONLINE: Mit ihren bunten Farben, unterschiedlichen Antennen und Croissantsilhouetten gelten Sie als Role Models für eine sehr moderne Form der gesellschaftlichen Diversität. Wenn Sie nun auf Ihrem Smartphone die Palette der Emojis betrachten, die alle Kulturen, Religionen und Ethnien umfassen, finden Sie sich da nicht ein wenig rückständig?

Tinky-Winky: Ne, ne, ne, ne, ne.

ZEITmagazin ONLINE: Man sieht es Ihnen nicht an, aber Sie stammen ursprünglich aus Großbritannien, das nun aus der EU austreten will. Sie aber sind auf vielen Bildschirmen zu Hause. Werden Sie nun in europäischen Landesfernsehanstalten Asyl beantragen?

Dipsy: Mimimi.

ZEITmagazin ONLINE: Eine letzte Frage sei noch gestattet: Wie geht es Ihnen denn nun nach Ihrem ersten Auftritt?

Tinky-Winky: Ach wissen Sie, auch wir sind, wie es Sartre bereits formulierte, dazu verurteilt, frei zu sein. Unsere Existenz ging der Essenz voraus, bevor wir zu Wesen wurden, die nun die Wirklichkeit definieren. Wir leben eben gerade nicht als isolierte Individuen in einem anaeroben Raum, sondern werden immer von der Gesellschaft durchdrungen, in der wir leben und die wir selbst auch mitgestalten. Jeder, der das Privileg hat, frei zu sein, sollte alles hinnehmen, was ihm widerfährt. Freiheit bedeutet für uns, nicht alles tun zu können, was wir wollen, sondern alles tun zu wollen, was wir müssen. Das war bei Kierkegaard natürlich noch viel stärker an den Glauben gebunden, aber …

ZEITmagazin ONLINE: … vielen Dank für das Interview!

Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

"Jeder, der das Privileg hat, frei zu sein, sollte alles hinnehmen, was ihm widerfährt. Freiheit bedeutet für uns, nicht alles tun zu können, was wir wollen, sondern alles tun zu wollen, was wir müssen."

Die armen Dingelchen, würde ich sagen - aber halt: Am Monatsende ist die Miete fällig, und Nahrung, Kleidung und Verkehr kosten ja auch Geld, und das muss ja irgendwo herkommen: Was also unterscheidet das Leben der Teletubbies von dem der Normalbürger?

Dürfen die Teletubbies wenigstens auch mal "einen drauf" machen? Waren die die ganze Zeit arbeitslos oder etwa in der Südsee? Und wie stellen die sich ihr Alter vor? Noch freier oder eher "frei gesetzt"?

Da sind noch einige Fragen offen!