1. FC Köln "Meine Freundin fand das auch sehr witzig"

© Jonas Güttler/dpa
Wenn nur Frauen auf Facebook entscheiden würden, wäre der 1. FC Köln der beliebteste Verein Deutschlands. Was macht der Verein anders als andere? Wir haben nachgefragt. Ein Interview von

Wie sähe Deutschland aus, wenn allein Frauen alles entscheiden würden? Das haben sich ZEITmagazin ONLINE und das ZEITmagazin gefragt (hier finden Sie alle Ergebnisse). Eine Erkenntnis: Kein anderer Bundesligaverein erreicht auf Facebook prozentual betrachtet so viele Frauen wie der 1. FC Köln. Rund 54 Prozent der Interaktionen mit dem Verein stammen von Frauen, deutlich mehr als etwa beim Hamburger SV (37 Prozent), der auf Platz zwei folgt.

ZEITmagazin ONLINE: Der 1. FC Köln erreicht auf Facebook prozentual deutlich mehr Frauen als jeder andere Bundesligaverein. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Jonathan Müller: Wir haben zuletzt eine erfolgreiche Saison gespielt. Das hat uns geholfen, denn Fans reagieren auf Facebook viel stärker auf unsere Inhalte, wenn wir gewinnen. Das erklärt aber noch nicht, warum so viele Frauen die Inhalte teilen und liken.

ZEITmagazin ONLINE: Eben. Warum ist das so?

Jonathan Müller hat Sportmanagement in Remagen studiert, sechs Jahre lang für die Basketball-Bundesliga das Digitale Marketing verantwortet und leitet seit Februar 2017 das Club-Media-Team beim 1. FC Köln. © Privat

Müller: Ich vermute, das hat zwei Gründe. Die Verbundenheit zum 1. FC Köln ist in der Stadt und der Region extrem hoch, die typisch kölsche Zusammengehörigkeit gilt offenbar gleichermaßen für Männer wie für Frauen. Außerdem haben wir zuletzt viele Inhalte für Facebook hergestellt, die auch über den Fußball hinaus unterhaltsam waren.

ZEITmagazin ONLINE: In einem Facebookvideo konnte man die Spieler und den Trainer sehen, wie sie verkleidet als Platzwarte, Kioskbesitzer und Rezeptionisten die Saison Revue passieren ließen.

Müller: Ja, das war unser Saisonrückblick. Das ist ein echter Film, den wir über alle Kanäle gespielt haben. Zum Glück haben wir ein Trainerteam und eine Mannschaft, die bei so etwas ohne Vorbehalte mitmachen. Diese Videos haben eine sehr hohe Reichweite, auch über die Medien. Ich kann mir vorstellen, dass das Frauen gefällt. Meine Freundin fand das auch sehr witzig und die interessiert sich nicht für Fußball.

ZEITmagazin ONLINE: Bei der Zahl der harten Fans auf Facebook schneidet der 1. FC Köln allerdings auch nicht besser ab als andere Vereine. Da haben Sie auch nur etwa ein Drittel Frauen.

Müller: Die meisten Fans, die sich stark für Fußball und den FC interessieren, sind noch immer männlich. Das sind Leute, die wollen auf allen Kanälen alles über den Verein wissen. Statistisch betrachtet kann man sagen: Je enger die Bindung, desto eher ist der Fan ein Mann.

ZEITmagazin ONLINE: Sind Sie denn überhaupt interessiert daran, mehr Frauen auf Facebook zu erreichen?

Müller: Klar, da arbeiten wir dran. Wir sind zum Beispiel eine Kooperation mit musical.ly eingegangen, das sehr stark von Mädchen genutzt wird …

ZEITmagazin ONLINE: … ein Videoportal, bei dem die Nutzer zu Liedern performen und diese Videos miteinander teilen.

Müller: Wir produzieren dafür passende Videos, die zum Beispiel unseren Spieler Leo Bittencourt dabei zeigen, wie er zu einem populären Song mit dem Ball jongliert. Dann fordern wir die Nutzer auf, es ihm zu dem gleichen Song nachzutun und uns das Video zu schicken.

ZEITmagazin ONLINE: Wie viele Frauen arbeiten eigentlich bei Ihnen in der Abteilung?

Müller: Unter acht Mitarbeitern sind zwei Frauen. Dazu gehört unsere Pressesprecherin. Insgesamt arbeiten beim 1. FC Köln über 100 Verwaltungsangestellte, davon sind knapp ein Drittel Frauen.

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