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Weltkatzentag Mein Leben als Katzenmann

Sie ist teuer, schlecht für die Umwelt und hilft nicht im Haushalt. Wenn er weint, geht sie aus dem Zimmer. Trotzdem würde unser Autor niemals auf seine Katze verzichten. Von

Hallo, komm rein und sorry, hier vorn im Flur stinkt es gerade ein bisschen. Ah, dein Rucksack, hast du da Essen drin? Dann lass ihn lieber nicht da stehen. Was? Nein, ist egal, dass es verpackt ist. Ah, und hast du gerade das Fenster gekippt? Nicht gut. Kein Problem. Konntest du ja nicht wissen.

Das Leben mit einer Katze erfordert gewisse Maßnahmen.

Mono habe ich vor acht Jahren aus einem Berliner Tierheim in meine Zweizimmerwohnung geholt, damals war sie drei Monate alt. Seitdem ist sie da. Und zwar immer. Sie begrüßt mich an der Tür. Sie hält sich meistens im gleichen Raum auf wie ich. Sie geht mit mir ins Bett und steht auch mit mir auf – es sei denn, ich schmeiße sie nachts aus dem Zimmer, weil sie morgens um fünf Uhr hungrig ist und dann irgendwas veranstaltet, um mich zu wecken: an Papieren rumkrispeln, mir ihre Pfote ins Gesicht legen, solche Sachen.

Let's face it: Mono ist das Lebewesen, mit dem ich in den letzten acht Jahren mit Abstand am meisten Zeit verbracht habe. Und das wäre auch immer noch so, wenn ich in der gesamten Zeit eine Beziehung geführt hätte.

Ich wohne allein, was ja ohnehin ein höheres Verschrobenwerdenrisiko mit sich bringt. Mangels sozialer Hygiene lässt man die Klotür offen, führt Selbstgespräche. Mit einer Katze potenziert sich die eigene Verschrobenheit. So wie sie sich manchmal auf meinen Armen materialisiert, wenn ich am Laptop sitze, hat Mono meinen Alltag unbemerkt durchdrungen. Andere freie Journalisten nehmen sich ein Gemeinschaftsbüro – ich plane Home-Office-Tage ein. Meine Wohnung länger als 30 Stunden spontan zu verlassen, ist nicht drin. Ich habe mir ihretwegen angewöhnt, bei offener Tür zu schlafen. Ich weiß genau, wie ich mein Bein beim Öffnen der Küchentür stellen muss, damit sie nicht mit reinhuscht. Außerdem führen wir einen stetigen Dialog, von dem ich hoffe, dass ich ihn auch wirklich abstelle, wenn Gäste da sind. Wobei, Dialog: Mono maunzt vor sich hin und ich rede auf sie ein, kommentiere, was sie macht, frage sie, was sie sich dabei gedacht hat, und gebe ihr dauernd neue Kosenamen.

Hier läuft Mono über das Sofa unseres Autors. © Michael Brake

Ich muss morgens nur die linke Schulter heben, dann springt Mono in Frühstückserwartung aus dem Bett. Sie kennt meine Art, die Treppen im Hausflur hochzugehen. Wir haben feste Rituale, unsere eigene quality time. Zum Beispiel wartet sie schon auf mich, wenn ich mich nach dem Duschen morgens in ein Handtuch gewickelt ins Bad setze und mir die Zähne putze. Dann platziert sie sich auf meinem Schoß und lässt sich kraulen.

Es gibt, wenn man nicht gerade eine Mäuseplage in der Wohnung hat, keinen rationalen Grund, eine Katze zu besitzen. Katzen kosten Geld und versauen den CO2-Fußabdruck in der Größenordnung eines Kleinwagens. Katzen trösten einen nicht, wenn man traurig ist. Im Gegenteil: Mono läuft aus dem Zimmer, wenn ich weine. Katzen lernen nichts dazu. Kindern kann man nach ein paar Jahren erklären, warum sie nicht auf die Küchenarbeitsfläche springen oder die Balkonblumen essen sollen. Man kann ihnen auch mit Konsequenzen drohen. Wenn man Glück hat, helfen sie auch irgendwann im Haushalt. Mono guckt mich nur mit großen Augen an. Immerhin hat sie lange Zeit alle Fliegen und Motten in unserer Wohnung gefangen, aber dafür ist sie jetzt zu alt. Und zu faul.

Dazu kommen die nötigen Standards: Katzenklo reinigen (und die Tüten sofort runterbringen). Mindestens einmal im Jahr zum Tierarzt (ohne Auto doppelt spaßig). Ein extrem erhöhter Staubsaugebedarf (die durchschnittliche Hauskatze hat mehr Haare als das Universum Atome). Eine ausgefeilte Catsitterlogistik bei jedem Kurz- oder Langurlaub (ich habe inzwischen drei Wohnungsschlüssel und schulde diversen Leuten diverse Gefallen).

Warum der Aufwand? Um diese Frage zu beantworten, muss ich Mono nur einmal streicheln. Ihr Fell spüren, das so flauschig weich ist, dass Chewbacca sich im Vergleich anfühlen würde wie ein rostiges Nagelbrett. Es so lange durchwuscheln, bis sich ihre Muskeln entspannen und sie eine fast liquide Konsistenz annimmt, meine Hand aber, wenn ich sie kurz beiseite legen will, sehr bestimmt mit ihrer daumengroßen Pfote wieder an sich heranzieht. Ihr Schnurren hören. Sie dabei beobachten, wie sie lauert und sich nur ihre luchshaft großen Ohren drehen wie Radioteleskope. Oder wie sie ganz wichtig irgendeine Katzenangelegenheit verfolgt, sie dann aus den Augen verliert und verwirrt im Wohnzimmer steht, um sich anschließend ausgiebig zu putzen.

Das Leben mit einer Katze erfordert gewisse Maßnahmen. Aber es bringt auch großes Glück.

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