© SWR/Roland Suso Richter

"Tatort" Ludwigshafen Der Italo-Cop knallt durch

In seinem letzten Fall findet der Ludwigshafener Hauptkommissar Mario Kopper zu seinen italienischen Wurzeln zurück. Aber gibt es ein Leben nach dem "Tatort"?
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

In dem nach ihm benannten Tatort gerät Hauptkommissar Mario Kopper (Andreas Hoppe) diesmal zwischen alle Fronten. In Ludwigshafenbegegnet er seinem alten Jugendfreund Alessandro Giangreco. Beide gehen in eine Bar und trinken bis in die Nacht, als plötzlich ein Fremder hereinkommt und die Waffe zückt. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Kopper und Johanna Stern (Lisa Bitter) ermitteln in einem Mafianetzwerk, das bis nach Sizilien reicht, und geraten bald selbst in Lebensgefahr. 


1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Was hat dieser Kopper die letzten 56 Folgen eigentlich gemacht? Der von Andreas Hoppe gespielte Ermittler wurde in den vergangenen Jahren vollkommen an den Rand gedrängt, in einigen Folgen erkannte man gar nicht mehr, dass er noch zur Besetzung gehörte. Aber jetzt, zu seinem Abschied in seiner 57. Folge, bekommt der Italo-Cop in einer Mafia-Oper noch mal seinen großen Auftritt.

Lars-Christian Daniels: Wann gab es zuletzt einen solch überzeugenden Tatort aus Ludwigshafen? Und warum ist der SWR nicht viel früher auf die Idee gekommen, sich in seinem Tatort mal wieder etwas intensiver mit Mario Kopper auseinanderzusetzen statt mit seiner designierten Nachfolgerin Johanna Stern?

Matthias Dell: Dass Koppers Zeit im Tatort enden musste, gut und schön. Aber war dafür wirklich die Zerstörung von automobilem Kulturgut, seinem Fiat 130, nötig?

Kirstin Lopau: Darüber, dass der Abschied von Kopper zu seinen letzten Fällenpasst, in denen er zwar dabei war, aber nicht stattfand. Der Kopper, den ich so mochte, der mit Lena in einer WG gewohnt, für sie gekocht und immer Rotwein getrunken hat, hätte diesen Abschied nicht verdient.

 

2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: "Fällt hier ein Sack um, fallen in Agrigent ein paar Männer um." Ein etwas schiefer Vergleich, der zeigen soll, wie mächtig die Verbindungslinien zwischen Ludwigshafen und der sizilianischen Mafia sind.

Lars-Christian Daniels: Wer dem gebürtigen Sizilianer Kopper die erste Gitarre seines Lebens geschenkt hat.

Matthias Dell: "Gute Freunde kann niemand trennen" (Franz Beckenbauer), alte schon.

Kirstin Lopau: Es gibt eine bittersüße, kaum auszuhaltende Version von One von U2. Frau Keller ist nicht mehr Beckchen und macht Tai-Chi. Zwei Mafiaweisheiten haben wir mit auf den Weg bekommen: "Im Gefängnis, in Krankheit und in Not, da zeigt sich das Herz der Freunde." Oder: "Kommandieren ist besser als ficken." Vor allem aber fühlen wir uns an die Weisheit erinnert: "Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist." Das hätte ich Kopper gewünscht.


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Und wer umsorgt nach Koppers Abgang Kommissarin Odenthal mit Pasta und Grappa? Die junge Kollegin Stern ist ja wohl eher so ein Müsliriegeltyp.

Lars-Christian Daniels: Warum wird Kopper nach 21 Dienstjahren mit einer solch enttäuschenden Abschiedssequenz abgespeist? Die Einblendungen am Ende des Films erinnern an Crime-Soaps im deutschen Nachmittagsfernsehen und werden der Klasse des ansonsten so gelungenen Mafiathrillers kaum gerecht.

Matthias Dell: Wieso hat Kommissarin Stern ihr Mafiapräsent nicht auch auf DNA-Spuren untersuchen lassen?

Kirstin Lopau: Wovon wird Mario Kopper leben?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Die deutschen Honoratioren, die in diesem Tatort mit der italienischen Mafia gemeinsame Sache machen, sind doch sehr plump gespielt. Statt Peter Sattmann hätten wir da lieber Thomas Thieme gesehen.

Lars-Christian Daniels: Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich das mal über einen Tatort aus Ludwigshafen schreibe, aber: keine. Selbst Odenthal und Stern ziehen diesmal an einem Strang – der nervtötende Zickenkrieg scheint endgültig Geschichte zu sein.

Matthias Dell: Die des zerstörten Autos. Mit einem beliebigen SUV.

Kirstin Lopau: Frau Stern darf endlich mal zu Höchstform auflaufen und sei deshalb besonders positiv erwähnt. Peter Sattmann als vermeintlich korrupter Politiker ist auch sehr schön. Wirklich schlecht war niemand.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von der Schlussszene, wo der gejagte und geplagte Kopper mit einem Glas Weißwein in der Hand seiner hübschen sizilianischen Frau dabei zuschauen darf, wie sie mit Kindern am Strand spielt. Doch, doch, es gibt ein Leben nach dem Tatort

Lars-Christian Daniels: Tatort-Debütant Kopper rettet die halbnackt an einen Seziertisch gefesselte Odenthal in letzter Sekunde aus den Händen eines eiskalten Serienmörders. Hochspannung! Die Szene stammt allerdings aus seinem ersten (und zugleich besten) Tatort: Der kalte Tod von 1996, den ich mir zur Feier des Tages gleich im Anschluss an Kopper angeschaut habe. Das waren noch Zeiten!

Matthias Dell: Die Flucht von Kopper und seinem Freund übers Dach durch die Pfützen, das ging in den Karl-May-Verfilmungen zu Pferd irgendwie eleganter – schon akustisch.

Kirstin Lopau: Von Pasta mit viel Rotwein in der alten Cop-WG. Diesen Kopper vermisse ich.


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 4 Schlafmützen 😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 3 Schlafmützen 😴😴😴

Matthias Dell: 6 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: 3-4 Schlafmützen 😴😴😴–😴

Kommentare

40 Kommentare Seite 3 von 4 Kommentieren