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"Tatort" Dortmund Blubbern aus dem Mund

Das Ermittlertrio trifft einen Serienmörder wieder, bekommt es aber auch mit unsichtbaren Tätern zu tun: In einem Gefängnis sorgen Tollwutviren für einen Tod auf Raten.
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

In einem Gefängniskrankenhaus stirbt ein Häftling an Tollwut. Das Dortmunder Triumvirat der Ermittlung rätselt, wie er sich hinter Gittern anstecken konnte. Auch ein Arzt, der während einer Messerstecherei auf der Station im Einsatz war, ist infiziert und sieht seinem Tod entgegen, hätte aber vorher gern noch gewusst, wer sein Mörder ist. Faber, Bönisch und Dalay treffen in der JVA auf einen alten Bekannten: den Serienkiller Markus Graf, der Fabers Frau und Kind auf dem Gewissen hat. War er er der Tollwut-Täter? Doch auch die albanische Mafia scheint an der Virusverbreitung beteiligt gewesen zu sein, um Insassen zur Flucht zu verhelfen. Ein ewiges Rein und Raus also.

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über diese, nun ja, Liebesszene: Kommissarin Bönisch bietet ihrem todgeweihten, an Tollwut erkrankten Kollegen einen "Mitleidsfick" an.

Lars-Christian Daniels: Über tödliche Tollwut und den tollen Tatort-Twist, der an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird.

Matthias Dell: Über die Gefahren der Tollwut für den Menschen.

Kirstin Lopau: Auf jeden Fall über diesen herausragenden Tatort, darüber, dass Faber seinen (ebenbürtigen) Mephisto gefunden hat bzw. dieser nun in Erscheinung tritt, darüber, dass das erst der Anfang ist, und darüber, dass wir hoffentlich nicht wieder so lange warten müssen, bis es den nächsten Fall aus Dortmund gibt!

2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: Am Seuchenschutz in deutschen Gefängnissen muss noch gearbeitet werden.

Lars-Christian Daniels: Wenn du nichts mehr zu verlieren hast, frag bei deinem ewigen Schwarm wenigstens noch nach einem Mitleidsfick. Es könnte sich für dich lohnen.

Matthias Dell: Dass alle Menschen schlechte Laune haben.

Kirstin Lopau: Gelernt haben wir, dass Datingportale auch keine Lösung sind: "Das ist 'ne Freakshow, was da an Männern über 50 rumläuft." Bönischs Tipp: "Dann nehmen Sie doch einen unter 30." (Hilft nicht.) Wir lernen, dass man ermordet worden sein kann, obwohl man scheinbar noch quicklebendig seinen Dienst versieht ("Martina, ich wurde ermordet. Bitte akzeptier das!"). Vor allem aber lernen wir, dass es einen Gegenspieler für Faber gibt, der nicht nur ebenbürtig, sondern noch kaputter als er und die Ursache für Fabers Zustand ist. Faber erscheint durch ihn fast menschlich.

3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Wie viele Folgen mit dem Serienkiller Markus Graf werden wir noch sehen?

Lars-Christian Daniels: Warum erfährt Markus Graf (Florian Bartholomäi) im Knast eine solche Sonderbehandlung? Als vergleichsweise schmächtiger Insasse ohne einflussreiche Kontakte sollte der charismatische Frauenmörder und Vergewaltiger hinter dem Rücken der Wächter ein leichtes Opfer für wenig zimperliche Knastbrüder sein. Stattdessen lassen diese ihn in Ruhe und Fabers Erzfeind darf in einer geräumigen Einzelzelle sein Faible für die Malerei ausleben. Hannibal Lecter gefällt das.

Matthias Dell: Warum fand die Anwältin von Faber-Gegenspieler und Mädchenmörder Graf ihren Mandanten eigentlich so toll, als würde sie mit demnächst mit ihm ein Start-up aufmachen?

Kirstin Lopau: Sehen deutsche Gefängnisse von innen wirklich so heruntergekommen aus? Bei dunkelgrüner, abplatzender Wandfarbe und fehlendem Tageslicht ist es kein Wunder, dass man in so einer Zelle durchdreht oder zumindest auf falsche Gedanken kommt. Aber, und das ist mir heute wichtiger: Wann fabert er wieder?

4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Alles bestens besetzt, vom Knacki-Statisten bis zum Killer-Star.

Lars-Christian Daniels: Das Gesicht von Nebendarsteller Holger Handtke (hier als Gefängniswärter zu sehen) kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder: Handtke spielt nicht nur den Staatsanwalt im Berliner Tatort mit Meret Becker und Mark Waschke, sondern war bereits im vielgelobten Knast-Tatort Franziska als Wärter mit von der Partie, ebenfalls unter Regie von Dror Zahavi. Man könnte fast meinen, in Deutschland herrsche ein Schauspielermangel.

Matthias Dell: Bevor man darüber nachdenkt, sollte man auf den Drehbuchtext gucken und sich fragen, wer da was eigentlich spielen soll.

Kirstin Lopau: Keine. Besonders hervorzuheben sei diesmal Florian Bartholomäi als Graf, dessen Mimik allein mich an Fabers Stelle schon zum Äußersten gereizt hätte. Und überhaupt: Jörg Hartmann brilliert heute einmal mehr als Faber.

5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von dem Bild, das der Serienkiller vom ermordeten Kind des Kommissars gemalt hat.

Lars-Christian Daniels: Vom Todeskampf der bedauernswerten Tollwutpatienten, die hätten auch gut in einen Horrorfilm gepasst. Dass es mit Ex-Rechtsmediziner Jonas Zander (Thomas Arnold) ausgerechnet einen ehemaligen Kollegen trifft, macht die Sache für Faber & Co. nicht leichter.

Matthias Dell: Von den aus den Mund blubbernden, an Tollwut beziehungsweise Terpentin Sterbenden.

Kirstin Lopau: Vom Schlagabtausch zwischen Graf und Faber in der Gefängniszelle, vom Gemälde und Foto von Fabers Tochter und von Fabers unendlichem Schmerz.

6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 2 Schlafmützen 😴😴

Lars-Christian Daniels: 2 Schlafmützen 😴😴

Matthias Dell: 7 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau: 1 Schlafmütze. Herausragend! 😴

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