Gesellschaftskritik Neue Erkenntnisse in der Barfuß-Affäre

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Wolf-Dieter Poschmann © Arno Burgi / dpa

Liebe Leser, dies ist eine Sonderausgabe der Gesellschaftskritik. Anlass ist ein handfester Skandal: Vor wenigen Tagen wurde bewiesen, dass es hinter den Tischen deutscher Fernsehstudios bei Weitem nicht so gesittet zugeht, wie es lange nach außen schien. Es war zwar schon häufiger die Frage gestellt worden, ob Fernsehmoderatoren hinter den Tischen vollständig angezogen seien. Aber bislang hatte man leichtbekleidete Moderatoren nur mit Ländern wie Italien oder Argentinien in Verbindung gebracht. In Sachen Fernsehen, hieß es, habe Deutschland moralisch eine Vorbildfunktion. Nun hat sich der schlimme Verdacht aber ausgerechnet hier bestätigt: Bei der Moderation eines ZDF spezialzur DFB-Affäre stand Wolf-Dieter Poschmann deutlich sichtbar mit nackten Füßen im Studio.

Bis heute hat niemand der Beteiligten und Verantwortlichen schlüssig erklären können, was zum Verlust der Schuhe und auch der Socken des erfahrenen Moderators geführt hat. Wo ungeklärte Fragen bleiben, ist Platz für Spekulationen. Und davon gibt es reichlich.

Aus gut informierten ZDF-Kreisen heißt es, Poschmann sei nicht der einzige gewesen, der sich für die Moderation der Sondersendung beworben hatte. Auch Sven Voss sei im Rennen gewesen, ebenso Katrin Müller-Hohenstein. Beide Bewerbungen seien sehr aussichtsreich gewesen. Bei der abschließenden Konferenz habe dann aber ein Redakteur vor der Abstimmung den Raum verlassen, um seinen Bus nicht zu verpassen, sodass die Entscheidung knapp zu Poschmanns Gunsten ausfiel.

Was ist in den Stunden vor der Vergabe passiert? Musste Poschmann seine Schuhe abgeben, um den Zuschlag für die Moderation zu bekommen? Und wo sind seine Schuhe geblieben? Ein Auftritt mit vielen Fragezeichen.

Kurz nachdem die nackten Füße des Moderators zu sehen waren, versuchte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz in einer spontanen Pressekonferenz, Erklärungen zum Verbleib der Schuhe zu liefern. Allein, es fehlten die Antworten. Medienprofi Gruschwitz, sichtlich angespannt, machte keine gute Figur: "Also ich wüsste nicht, ich weiß definitiv nicht, wo die Schuhe geblieben sind." Dass Poschmann die Schuhe habe abgeben müssen, um den Zuschlag für die Moderation zu bekommen, sei "eine Behauptung, die ich erst seit Kurzem kenne. Aber ich kann aufgrund der zeitlichen Abläufe des Zuschlagsvorgangs schon jetzt definitiv ausschließen, dass die fehlenden Schuhe etwas mit der Entscheidung für Poschmann zu tun haben". 

Der Beweis: Wolf-Dieter Poschmann moderierte das "ZDF spezial" offensichtlich barfuß. Aber sind das überhaupt seine Füße? © ZDF / Screenshot

Poschmann selber wiederum bezweifelte zunächst, dass die im Fernsehen zu sehenden Füße überhaupt seine gewesen seien. Erst nachdem ein gründlicher Fußvergleich eines unabhängigen Fußsachverständigen positiv ausgefallen war, versuchte Poschmann, das Ganze als Einzelfall herunterzuspielen: "Ich habe am heutigen Tag die Entscheidung getroffen, barfuß zu moderieren. Nicht, weil das Präsidium des ZDF mir die Schuhe entzogen hätte, sondern weil ich freiwillig erkannt habe, dass der Punkt gekommen ist, Gebührengelder nicht für Schuhe zu verschwenden."

Das ZDF hat eine unabhängige Großkanzlei darauf angesetzt, Licht ins Dunkel der Barfuß-Affäre zu bringen. "Wir wollen alle Kräfte darauf konzentrieren, diese Aufklärung so lückenlos, umfassend und schnell wie möglich voranzutreiben. Das ist ein Anspruch, den alle Fernsehfans, den auch die gesamte deutsche Bevölkerung hat", so Intendant Thomas Bellut.

Dennoch haben Kritiker massive Zweifel an der internen Aufarbeitung des ZDF. War es wirklich nur ein einmaliger Ausrutscher im deutschen Fernsehen? Oder steckt nicht doch System dahinter? Hat schon Dagmar Berghoff strumpfhosenlos die Tagesschau moderiert? Und warum hat Poschmann seine Schuhe nicht einfach zurückgefordert? Sind sie längst in einem geheimen Schuhschrank in der Schweiz gelandet?

Fragen, die zu klären sind. Im Fußball heißt es: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Aber auch neben dem Platz muss Platz für die Wahrheit sein.

17 Kommentare

Also im vergleich zu den anderen Medienportalen wie Spiegel, bild, Stern etc. ist dieser Beitrag sehr erfrischend ironisch. Ich meine doch, dass diese Tatsache des barfüssigen Moderators eigentlich überhaupt keine Bedeutung für den Inhalt der Sondersendung hat. Dieser Tatsache mit Humor zu begegnen gefällt mir jedenfalls besser als die überall sonst gleich lautende "Meldung des Tages".

Allen Barfuß-Kritikern hier im Forum sei voller Entrüstung entgegengehalten, daß es im Fifa-Fußball immer noch einen ungesühnten Skandal um eine WM-Teilnahme einer bereits qualifizierten Mannschaft gegeben hat, auf den Poschmann, immerhin in der Stadt des barhufig auflaufenden Hennes geboren, voller Empathie mit dem Dritte-Welt-Fußball protestierend hingewiesen hat. Indien wollte 1950 an der Endrunde mit einer Barfuß-Mannschaft teilnehmen. Das wurde ihm nicht gestattet, worauf die junge großfüßige Nation entrüstet absagte: Wat heißt hier Mahatma KeinSchu?! - wir gedenken unseres großen Barfuß-Führers Wohatma Gerndhi. Die Rolle des DFB bei diesem Schuh-Fuß-Konflikt ist immer noch nicht aufgearbeitet - Rücktritte büßenden Fußes sind aber zu erwarten. Unbestätigte, aber durchaus glaubwürdige Untergrundquellen wollen wissen, daß die Brüder Dassler daraufhin leichtere, weltgängige Treter entworfen haben, mit denen (und einer Menge Pervitin) 1954 bernfüßig die schwerklotzigen Budapester niedergerungen wurden. Poschmanns Karriere als Fußballer wollte nicht so recht klappen - darauf wechselte er auf die Langstreckendistanz, speziell den Halb-, Ganz- und Moderationsmarathon, dessen unerreichtes Vorbild selbstverständlich Bikila Abebe war, der Olympiasieger von Rom 1960 im Marathon - barfüßig. Somit ist an der Bar jeder Transparenz erkennbar: Wer wie Bikila siegt, moderiert auch ewig und zwei Bläck Fööss.

Es ist ein Skandal ohnegliechen, dass der ZDF-Intendant noch nicht die Konsequenzen gezogen und zurückgetreten ist.
Wir sollten solange keine GEZ-Gebühren mehr zahlen, bis er endlcih die Verantwortung übernommen hat.

Und der Sexismus, der im Zurschaustellen der nackten Männerfüße zutage tritt, ist noch gar nicht ausreichend thematisiert worden.

Im Sinne der Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist angeraten und notwendig, solche Abgründ individuellen Fehlverhaltens öffentlich zu machen (Danke, ZEIT!) und aufzuklären.

Deshalb möchte ich ZDF und ZEIT ermuntern, ihre Recherchen ohne Ansehen der Person zu vertiefen und baldmöglichst Ergebnisse zu präsentieren.

Im übrigen schlage ich vor, sich auch mit den zum Teil unsäglichen Krawatten von Politikern in Talkshows zu beschäftigen. Auch diese empfinde ich geschmacklich als grenzüberschreitend.

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