Töpfern Des Hipsters neues Hobby

Wer sich mit sich selbst langweilt, braucht eine Passion. Nach Malbüchermalen, Filterkaffeemachen und Haarbandhäkeln haben Hipster die Töpferscheibe für sich entdeckt. Von

"Baby, du darfst traurig sein, aber du musst gut aussehen dabei." Dieser Satz gilt problemlos als internationales Hipster-Motto. Denn wo die Welt dem Hipster eins überbrät, zieht er sich einfach hübsch an und besinnt sich aufs Wesentliche. Entweder malt er dabei Malbücher aus, schärft seine Profimesser, strickt Ringelstrümpfe, füllt sich einen Cold Brew ab oder: er töpfert.

Pottery ist das neue Hipster-Hobby, das Design und Rotationssymmetrie vereint sowie – und das ist sehr wichtig – ein Produkt zum Ziel hat, von dem man ein Foto auf Instagram posten kann. Denn in dem Foto-Netzwerk tauchen immer mehr graue Schüsseln, gepunktete Teller, die beinahe aussehen wie Brettchen, und taupefarbene Bechern auf – und wie die jeweiligen Bildunterschriften verraten: natürlich alle selbst gemacht. Das international anerkannte Hipster-Lieblingssymbol Dreieck hat es zwar bisher noch nicht aufs DIY-Geschirr geschafft, weil dafür besonders viel Übung von Nöten wäre, aber das kommt sicher noch. Die dafür benötigten Pinsel aus Wombat-Haar kann man für viel Geld im Künstlerbedarfsladen kaufen, und dass der Hipster ein Lebenskünstler ist, das wissen wir ja bereits.

Denn zwischen dem normalen Alltag und den damit verbundenen, stilistisch wertvollen Anstrengungen muss der gemeine Hipster auch mal Pause machen, damit er nicht im Dreieck explodiert. Es töpfern nun also jene, die sich mit Stricknadeln eher Wunden zufügen, anstatt ein neues Statement Piece zu produzieren, und die dringend das Gefühl brauchen, "mal wieder etwas mit den Händen zu tun". Das ist gut für die Tagesbilanz der Fitness-App (zumindest besser als Netflix), und wenn man sich nicht ganz so blöd anstellt, hat man die Weihnachtsgeschenke für Familie und Freunde bereits im Oktober vollständig beisammen.

Eine taktile Entspannungsübung für gestresste Großstädter: Töpfern hilft. © Reuters

Die sogenannten Artisanal Hipster beginnen ihre neue Freizeitbeschäftigung gerne mit der Wulsttechnik. Dabei schichtet man Würste aus Ton übereinander und hofft, dass es die Skulptur bis zum Brennofen schafft. Oder aber man arbeitet mit dem Daumen und bearbeitet die Tonkugel so lange, bis sie die Gesichtsform jener Menschen angenommen hat, die mehr Follower auf Instagram haben als man selbst. Man kann diese Kugel dann ebenfalls im Ofen brennen und anschließend ein Foto davon auf Instagram posten, oder sie einfach mit einem wohligen Seufzen zerquetschen und erneut von vorn beginnen.

Auch dem Hipster-Fetisch Clean Eating ist das Töpfern zugewandt. Die herzustellenden Schüsselchen und Teller, Becher und anderweitige Behältnisse lassen sich als Designobjekt drapieren und ganz praktisch fürs Anrichten von Chiasamen-Frucht-Porridges verwenden. Fällt einem dabei die Schüssel herunter, so gibt es eine japanische Methode des Upcyclings, die man nun auch in Deutschland erlernen kann: Kintsugi. Beim Kintsugi wird zerstörte Keramik, insofern sie sich beim Aufprall nicht in ein 1.000-Teile-Puzzle verwandelt hat, mit einem speziellen Lack wieder repariert. Toll daran: Der Lack ist goldfarben. Das sieht grundsätzlich nach etwas aus und setzt unironische Akzente im Einrichtungskonzept unserer Fokusgruppe. Sicher gibt es den Lack bald in der Trendfarbe Kupfer.

Wenn die String-Regale dann irgendwann voll sind mit gesprenkelten Patina-Tassen in Matschfarben, widmet sich die Hipsteria eventuell dem Tischlern. Um neue Regale für all die Dingelchen herzustellen. Oder einen Tisch für Instagram. Außerdem im Programm der nächsten Saison: Ukulele spielen (sieht gut aus vor Sichtbeton), Stepptanz (passende Schuhe machen zu Skinny Jeans auch außerhalb von Tanzkursen etwas her) und Glasbläserei. Irgendwo müssen die selbst gezogenen Tulpen ja rein.

Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Töpfern ist ein klasse Hobby, danke dass es dazu mal einen Artikel gibt! Freut mich, dass das anscheinend auch immer mehr junge Menschen für sich entdecken. Aber schade dass soviel belangloser Fülltext dabei herausgekommen ist. Wenn sich die Autorin fürs Töpfern interessiert, sollte sie vielleicht einmal einen Kurs machen und einen Erfahrungsbericht hier veröffentlichen, das wäre sicher interessanter.

So, so - wenn man sich ein Hobby sucht, kann man also mit sich selbst nichts anfangen?
Und weil unsere Arbeit und unser Tun heutzutage im digitalen Zeitalter oft sehr abstrakt und "diffus" ist, wundert es die Autorin, dass man etwas mit den Händen machen möchte?
Ich sage, ich finde es abstrus, dass alles bewertet und Vieles negiert wird. Warum darf man nicht einfach mal uninterpretiert Spaß an etwas haben?