Handtaschen Große Freiheit

Handtaschen sind jetzt so klein, dass sie an einem Finger baumeln können. Oder sie sitzen fest auf Bauch und Po. Immer aber lassen sie die Hände frei fürs Wesentliche. Von
Die Gürteltasche wird bei Alexander Wang nicht als Hüftpolster, sondern diagonal getragen. Bringt auch die Fransen besser zur Geltung. © Antonio de Moraes Barros Filho/Getty Images

Zwischen Anfang September und Oktober gab es in New York, London, Mailand und Paris erstaunlich viele freie Hände – Modelhände, die traditionell eine Handtasche fest im Griff haben und sie bei den Fashion Weeks formschön über den Laufsteg schwenken. Doch die übliche Parade aus Lederwaren in allen Größen und Formen fiel diesmal mager aus. Bloß ein Exemplar zeigten in New York beispielsweise Ashley und Mary-Kate Olsen, die gemeinsam die Marke The Row führen: Ein blauseidenes Beutelchen von der Größe eines  Smartphones hing über einem cremefarbenen Seidenkleid, so zierlich, schlicht und harmlos, dass es den Namen Handtasche kaum verdiente.

Die Goldesel der Marken

Auch Alexander Wang, der um schwarze Lederaccessoires nie verlegen ist, begnügte sich mit wenigen Exemplaren und präsentierte stattdessen  Lederwesten und -corsagen mit aufgesetzten Taschen, die Platz für die Utensilien einer Frau boten. Ian Griffith, der Designer der italienischen Marke Max Mara, ließ Täschchen von monogrammbestickten Hüftgürteln baumeln. Miuccia Prada hatte den so genannten Bum Bag, die ans Gesäß gegürtete Tasche, bereits bei den Herrenschauen im Juni rehabilitiert – und empfahl ihn in Mailand nun auch den Frauen: aus schwarzem Glattleder, mit silbernen Nieten besetzt und so groß, dass man sie auch als Pausenkissen nutzen könnte.

Mit dem klassischen Logo: Auch bei Gucci frönt man jetzt der Kompaktklasse im Taschensegement.

In der Mode ist gern die Rede von statement pieces, ausgesuchten Stücken, die eine starke Botschaft vermitteln und Trend-Kenntnisse demonstrieren. Lautsprecherisch sind diese schlichten neuen Taschen jedoch nicht, dafür sind sie zunächst schon mal viel zu bescheiden im Format. Gut möglich, dass sie das sind, was flache Schuhe in den vergangenen Jahren für Frauen geworden sind: der Accessoire gewordene Beweis, dass es keine High Heels braucht, um über sich hinauszuwachsen. In flachen Schuhen kann man gut gehen und sogar rennen, mit freien Händen ist die Bewegungsfreiheit noch größer.

Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Meine Frau hat mir das beigebracht.

Man braucht keine Extrataschen. Die Taschen in der Hose reichen für Taschentuch, Schlüssel, Geld. Und die Hemdtasche für Kreditkarten, Einkaufszettel und Bescheinigungen. Übrigens, Wasser findet man an jedem Wasserhahn. Und man kommt auch 24 Stunden ohne Verpflegung aus, ehe der Kopf aussetzt und die Muskeln den Dienst versagen.