Rund um den sechsten Kontinent gibt es schätzungsweise 60 Millionen Pinguine. Sie nisten auf schneefreien Felsen, manchmal hoch über dem Strand, und. bauen ihre Nester aus kleinen Steinen - anderes Material gibt es hier nicht, weder Gräser noch Zweige - noch irgendetwas Grünes außer mageren Flechten und Moosen. Das Weibchen legt die Eier, eines bis zwei, dann übernimmt das Männchen 38 Tage lang die Brut und rührt sich derweil nicht vom Fleck. Es isst und trinkt auch nichts, sondern zehrt von dem Speck, den es sich vorher angefressen hat - ringsum im Meer, das überreich ist an Krill. Sind die Jungen geschlüpft, werden sie mit Krill gefüttert, den krebsartigen Tieren, welche die Hauptnahrung bilden. Oft sind die Eltern tagelang unterwegs, um sich den Magen vollzuschlagen. Dessen Temperatur können sie nach Bedarf regeln: Sie stellen ihn auf kälter, wenn sie das Futter zu den Jungen ans Land bringen.Frappierend ist die Ablösungzeremonie. Kommt einer der Partner zurück, nimmt er ein Steinchen in den Schnabel und legt es dem Gatten oder der Gattin achtungsvoll auf den Nestrand. Allerdings sind Steine hier eine Rarität. Ist keiner zur Hand, so klaut man sich einen. Daraus entwickeln sich dauernd lautstarke Streitigkeiten. Mit drohend geschwellter Brust und heftigem Flipperschlagen versucht der eine, sein Steinchen zu verteidigen, der andere, es zu ergattern. Wird einer der diebischen Pinguine abgeschlagen, so trollt er sich zum nächsten Nest, um dort sein Glück zu versuchen. Dies treibt er mit Beharrlichkeit so lange weiter, bis er fündig wird und der Verehrten seinen Fund zu Füßen zu legen.Man könnte den possierlichen Tieren stundenlang zuschauen, wie sie ihr Begrüßungsritual zelebrieren. Professor Eibl-Eibesfeldt, ein Schüler von Konrad Lorenz, ist mit von der Partie. Unermüdlich erklärt er die Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten zwischen tierischem und menschlichem Verhalten.In den folgenden Tagen erleben wir ein bunte Abfolge von Schneetreiben, Sonne , Wolken und Nebel. Immer ist die Kulisse grandios. Trieben anfangs nur ein paar vereinzelte Eisschollen an der HANSEATIC vorbei, so sind sie nun ständig rings um uns, kleine und große, glatte und bizarr geformte, weiße oder hellblau bis kobaltblau, grünlich bis türkis schimmernde, manchmal auch riesige Tafelberge, die die Strömung und der Wind aus der Wedellsee herangeschwemmt haben.Bis tausend Meter hoch ragen die Berge entlang unserer Route, die mitten durch die gefrorene Welt der Südlichen Shetland-Inseln führt. Verschneit der Fels, eine dicke Eisschicht darüber gestülpt. Gletscher die sich bis an den Strand vorgeschoben haben, ihre Abbruchkanten schillernd, rissig, zerklüftet Mit einigem Glück kann man erleben, wie ein Gletscher „kalbt“. solches Glück ist uns bisher jedoch verwehrt geblieben, Nur einmal, in Neko Harbor auf dem Festland, hören wir das Getöse eines Lawinenabgangs.