Das Wetter war keineswegs frühlingshaft, als der Jumbo Jet 261 der South African Airways in Johannesburg aufsetzte: grauer Himmel, tiefhängende Wolken, leichter Regen.

Eine Stunde später in Pretoria, der alten und neuen Hauptstadt Südafrikas: Purpurrote Bougainvilleen, zinnoberroter Hibiskus und 100.000 violette Jacaranda-Bäume - ein Blütenrausch. 15 ZEIT-Reisende stehen vor den Union Buildings, dem Symbol des alten Südafrika. Seit dem Machtwechsel 1994 repräsentiert der Prunkbau des britischen Kolonialarchitekten Herbert Baker die neue, demokratische Ordnung am Kap. Nach Nelson Mandela übernahm Thabo Mbeki das schwierige Amt des Präsidenten. In einem Land, das immer noch von extremen sozialen Ungleichheiten geprägt ist.

Schon auf dem Weg vom Flughafen nach Pretoria werden die Besucher mit den Gegensätzen konfrontiert: Auf dem ersten Abschnitt des Ben Schoeman Highways schwarze Elendssiedlungen, sogenannte Townships, gleich danach die prosperierende Industriezone von Midrand, dem wirtschaftlichen Powerhouse Afrikas. Dann hält der Bus vor einer hochmodernen Produktionsanlage, die ebenso gut in München stehen könnte - BMW Südafrika.

Hier wird die komplette 3er-Serie auf computerisierten Fertigungsstraßen für den Weltmarkt produziert. Erste und Dritte Welt auf wenigen Kilometern. Das Geheimnis des Erfolgs verrät einer der schwarzen Manager, Solly Ndlovana: "BMW hat nie Rassendiskriminierung zugelassen. Schon zu Zeiten der Apartheid hat die Werksführung an die Zukunft gedacht und schwarze und weiße Arbeitskräfte gleich behandelt." Die Betriebskultur von BMW, von der Apartheidregierung mit Argwohn verfolgt, wurde zu einem Modell für das ganze Land: Gerechte Löhne, Altersvorsorge, Krankenversicherung, eine vorbildliche Lehrlingsausbildung.

Auch Eric Molobi verdankt einer deutschen Firma, der Münchner Rückversicherung unter Ernst Kahle, seine Qualifikation als einer der einflussreichsten Wirtschaftsführer des neuen Südafrika. Er saß sechs Jahre mit Nelson Mandela im Gefängnis, wurde gefoltert und wieder eingesperrt. Beim gemeinsamen Abendessen erzählt er, wie die Intervention von Gräfin Dönhoff, der Herausgeberin der ZEIT, beim Apartheidregime, seine Haftbedingungen erleichterte und schließlich zu seiner Freilassung führte. Heute leitet Molobi den Kagiso Trust, der Entwicklungsprojekte im ganzen Land vorantreibt.

"Ich freue mich", sagt Molobi, "dass die Countess Dönhoff eine Delegation von ZEIT-Lesern hierher geschickt hat, um sich ein Bild vom hoffungsvollen Aufbruch Südafrikas und seiner Probleme zu machen."