Gesundheit Magdalene Eggers, 71
Leben mit verbranntem Körper. Ein Erfahrungsbericht
In Lüneburg starrte mich eine Frau mal so an, dass ich sagte: „Soll ich stehenbleiben oder haben Sie schon alles gesehen?“ Da kriegte die einen roten Kopf und ging weg. Wenn ich einen guten Tag habe, kann ich mein Aussehen besser wegstecken. Wenn es mir aber ohnehin nicht so gut geht, ist es schon schwer.
Ich hatte den Autounfall am 1.1.1993, abends. Am nächsten Tag wollte ich nach Australien fahren. Der andere war betrunken und ist weggelaufen. Ich blieb im Wagen sitzen, habe mich selbst losgeschnallt und bin dann draußen brennend herumgelaufen. Alle haben erst versucht, den betrunkenen Beifahrer aus dem anderen Wagen zu kriegen und nicht gemerkt, dass ich verbrenne.
Fünf Wochen war ich ohne Besinnung. Bei mir sind die ganzen Enden ab, bei den Fingern guckten die Knochen raus. Da haben sie die Knochen abgesägt, die Haut drübergezogen und wieder zusammengenäht. Mein Unfallgegner hatte eine tolle Versicherung. Ich denke, die Ärzte behandeln einen schon besser, wenn sie wissen, wer das bezahlt. Ich habe dort vergessen, wie ich aussehe. Spiegel hat man mir gar keinen gegeben. Aber es standen dann die Ärzte neben meinem Bett. Der eine hatte die linke Seite vom Gesicht gemacht, der andere die rechte, der dritte die Finger. Und dann haben sie sich gegenseitig Komplimente gemacht.
Ich musste ein Jahr lang eine Gesichtsmaske tragen. Und man sagte mir: „Die setzen Sie schön auf. Und Ihre Arbeitskollegen müssen sich eben an die Maske gewöhnen.“ Das bekommt man mit, wenn man nach Hause geht.
Zu mir sagte mal eine Bekannte: „Mensch, mit dir mag man ja gar nicht über die Straße gehen. Zieh dir bloß wieder eine lange Hose an! Du siehst ja aus, als ob du Aids hättest.“ Man konnte an den Beinen genau sehen, wo die Haut abgenommen wurde.
Ich würde nur eine Bekanntschaft mit jemandem eingehen, der auch einen kleinen Makel hat. Ich habe einen Bekannten, der jung und groß und schön ist, aber ich würde mir nicht zutrauen, mit ihm auszugehen. Er hätte mich überall hin mitgenommen, aber ich kam mir unpassend vor.
Ich bin ja schon nicht mehr die, die ich war. Deshalb würde ich eine Gesichtstransplantation machen lassen. Es wäre schon toll, wenn meine Gesichtshaut eine durchgehende Fläche wäre. Wäre ich 18, würde ich auf diese Frage noch schneller antworten.
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