Psychologie »RHHRRRHHRRR!«Seite 3/3
Schon Babys glucksen ihren Eltern zu, damit die sie nicht vergessen. Noch vor dem ersten Wort löst sich der erste Lacher aus der menschlichen Kehle – meist im Alter von vier Monaten und meist durch kitzelnde Fingerspitzen hervorgerufen. Taub oder blind geborene Kinder lernen es ebenso.
In der Evolution des Menschen ist das Lachen vermutlich aus dem lautlosen Zähneblecken entstanden, einer Geste, die an vielen Primaten beobachtet wurde und Unterordnung signalisiert. Doch es kann sich auch aus dem so genannten »Spielgesicht mit geöffnetem, entspanntem Mund« entwickelt haben, das an jungen Schimpansen zu beobachten ist. Sie stoßen hechelnde Laute aus, nicht nur beim Ausatmen, wie wir, sondern auch beim Einziehen der Luft.
Jahrtausendelang haben unsere Vorfahren über das Lachen miteinander kommuniziert, bis sie artikulierte Laute und später Worte von sich geben konnten. Lachen und Sprechen entspringen jedenfalls verschiedenen Regionen des Gehirns. Während sich die Sprache im vorderen Teil, im Cortex, formt, hat das Lachen seinen Ursprung im entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil des limbischen Systems.
Doch obwohl das Lachen evolutionsgeschichtlich älter ist als das Sprechen, erweist es sich in den Forschungen mehr und mehr als Präzisionsinstrument der Kommunikation.
Könnten also die einzelnen Sequenzen einer Lachsalve möglicherweise einen differenzierteren Sinn transportieren, so wie Worte? Dann könnte die Botschaft einer getrillerten oder gewieherten Tonfolge vielleicht lauten: »Du bist bezaubernd!« Oder: »Bravo, Chef!« Die Lachexpertin Bachorowski schüttelt energisch den Kopf: »Ich bin sicher, die Laute selbst tragen keine Botschaft, keinen Sinn.«
Die Forscherin glaubt, dass sich das Singen einst aus dem Lachen entwickelt hat. Vermitteln also die Lachklänge Gefühle und Stimmungen, ähnlich wie Instrumentalmusik, die beispielsweise Angst erzeugt oder an einen plätschernden Bach erinnert? »Die Triller und Schnarrer erzeugen im Gegenüber eine emotionale Reaktion«, gesteht die Psychologin zu. Und das sei die enorme Leistung des Lachens: Es wirke als komplexer Signal-Code, der auf eine tiefere Ebene des Selbst trifft und große Gefühle auslösen kann. Ein Code, dessen Entschlüsselung vielleicht zu einem neuen Verständnis von uns selbst führt.
- Datum 19.01.2005 - 04:30 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT Wissen 3/2005
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