Musik ist Magie. Und mitunter bewirkt sie echte Wunder. So hat sie beispielsweise den Arbeitsplatz von Christian Langer gerettet. Der Mann mit dem lichten Haupthaar ist 38 Jahre alt und hat sich bei C & A bis zum Leiter der Filiale in der Hamburger Mönckebergstraße emporgearbeitet. Auf seiner hohen Stirn perlt feiner Schweiß; er ist ein bisschen aufgeregt, weil er zum ersten Mal mit einem Journalisten zusammensitzt.

Mitte der 90er Jahre ging es dem Textilkonzern gar nicht gut. Die Umsätze gingen zurück, C & A rutschte in die roten Zahlen. Der größte deutsche Bekleidungsfilialist war auf einmal aus der Mode, galt als angestaubt, seine Kaufhäuser verbreiteten den musealen Glanz längst vergangener Wirtschaftswunderjahre. "Unsere Verkaufsetagen sahen grau und öde aus", erinnert sich Langer. Die Kundschaft wollte nicht mehr nur billig einkaufen wie in den ersten Nachkriegsjahrzehnten, sondern sie suchte das Einkaufserlebnis.

Also krempelte das Management die Filialen um, setzte auf "Service and Quality Selling". Die Verkaufsräume wurden neu sortiert, erhielten neue Farben, Babywickelstuben, behindertengerechte Umkleidekabinen und Ruhezonen in Form gepolsterter Sitzgelegenheiten. Vor allem aber ertönte aus den allgegenwärtigen Deckenlautsprecherboxen, über die bislang Sonderangebote oder Suchmeldungen verkündet wurden ("Der kleine Gregor sucht seine Mutti."), auf einmal Musik.

Tatsächlich wirft das Unternehmen neuerdings wieder Gewinne ab. Christian Langer führt dies auch auf die gefälligen Musikprogramme der Firma Muzak zurück, die seit 1999 in den Filialen laufen - rhythmischer so genannter "Pop-Dance" auf den Verkaufsflächen der Jungen Mode, das melodische Programm "Middle Of The Road" im restlichen Haus. Mit Schaudern denkt Langer an frühere Zeiten zurück: "Da hörten Sie bei uns die Rolltreppen fahren." Heute dagegen: "Wenn man manche Lieder hört, möchte man mitpfeifen!"

Musik als Verkaufsförderung - Langer wundert sich nicht: "Unsere Kunden kaufen ja nicht mehr, weil sie unbedingt etwas brauchen. Sie suchen eine Atmosphäre zum Wohlfühlen, um Geld auszugeben." Jedermann will sich wohlfühlen in unserer verunsicherten, zukunftsverzagten Republik, aber kaum einer tut es. Umso wichtiger werden atmosphärische Aufputschmittel, wie sie Muzak auf akustischem Wege liefert.

Muzak? Nie gehört? Den Firmennamen vielleicht nicht, aber Muzaks Musik ist in aller Ohren. Muzak ist Marktführer in Sachen Hintergrundmusik. Seit 1934 in den USA, seit 1958 auch in Deutschland. An die 250 000 Geschäftsabonnenten und mehr als 80 Millionen Hörer pro Tag machen das Unternehmen aus Fort Mill in South Carolina zum größten Lieferanten für verkaufsfördernde Musik in den Vereinigten Staaten und elf weiteren Ländern.