Die Forscher des reDiscovery Institute haben eine große Mission: Weg mit dem Periodensystem! Statt der bekannten chemischen Elemente gebe es nur Erde, Wasser, Luft und Feuer. "Lehrt die Kontroversen!", fordert die reDiscovery-Internet-Seite. Das alles hört sich lächerlich an, und es ist auch als Satire gedacht, als Anspielung auf das amerikanische Discovery Institute. Dieses Institut propagiert eine Denkschule namens Intelligent Design (ID), die mit ähnlicher Argumentation die Darwinsche Evolution durch religiös gefärbte Dogmen ersetzen will.

ID ist eine Denkschule, die in den letzten Jahren durch einprägsame Parolen und aggressive Öffentlichkeitsarbeit in den gesamten Vereinigten Staaten ihre Spuren hinterlassen hat. In Dover im Bundesstaat Pennsylvania müssen Biologielehrer den Neuntklässlern einen Text über Intelligent Design vorlesen. Weil einige Eltern klagten, wird dort nun vor Gericht verhandelt, ob die Idee eines intelligenten Gestalters als Urheber allen Lebens wissenschaftlich genug für den Schulunterricht ist. Das Urteil wird für Januar erwartet. Ein Landkreis in Georgia ließ fast drei Jahre lang Lehrbücher mit einem Aufkleber versehen, demzufolge die Evolution nur eine Theorie unter vielen ist. Der Bundesstaat Kansas hat neue Bildungsstandards akzeptiert, die Darwins Abstammungslehre hinterfragen. Der Senator Rick Santorum behauptete: "Intelligent Design ist eine legitime wissenschaftliche Theorie und sollte in der Schule unterrichtet werden." Im Juni dieses Jahres schließlich wurde ein ID-Film in der renommierten Smithsonian Institution, dem Hort wissenschaftlicher Weltanschauung schlechthin, gezeigt.

US-Präsident George W. Bush, nach eigener Auffassung ein wiedergeborener Christ, sagte im August texanischen Reportern, sowohl Evolution als auch ID sollten in der Schule unterrichtet werden, "damit die Leute verstehen, worum es in der Debatte geht". Schon im Wahlkampf des Jahres 2000 hatte sich Bush wohlwollend über Kreationismus im Unterricht geäußert. Zwar verbreitete sein Wissenschaftsberater diesmal, der Präsident sei hier falsch zitiert worden. Doch da war das Wortpaar "Evolution" und "Debatte" aus dem Mund des Präsidenten längst in den Zeitungen.

Die Botschaft vom Intelligent Design ist einfach: Das Universum in all seiner Komplexität kann nicht durch Zufall, Mutation, Auswahl und Anpassung (vulgo Evolution) entstanden sein. Eine höhere Macht muss es entworfen haben, argumentieren die Hauptfiguren des Discovery-Instituts, der Jurist Phillip E. Johnson, der Philosoph Stephen C. Meyer und der Biologe Jonathan Wells.

Prominente ID-Forscher wie der Biologe Michael Behe von der Lehigh University und Michael Dembski vom Center for Science and Theology at Southern Baptist Theological Seminary haben aber bislang keine ernst zu nehmende wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, die die Aussage des Instituts unterstützt. "Sie sind in ihrer PR-Strategie erfolgreich, sie haben politischen Einfluss, aber ihre Wissenschaft ist nicht erfolgreich", sagt Barbara Forrest, Philosophin an der Louisiana State University und Autorin des Buches Creationism's Trojan Horse: The Wedge of Intelligent Design.

Obwohl das Discovery Institute jeglichen religiösen Hintergrund bestreitet, ist es fest in der bibeltreuen Rechten verankert. Die Zielgruppe ist groß: 90 Prozent der US-Amerikaner geben an, an Gott zu glauben; nur ein Drittel glaubt an die Evolution. Die Stärke der ID-Befürworter liege allein darin, Zweifel an Darwinscher Evolution zu säen, sagt Kenneth Miller, Biologe an der Elite-Universität Brown und bekennender Katholik. "Alle religiösen Menschen glauben, dass es einen Schöpfer gibt, diese Idee spricht sie intuitiv an."

ID hat aus den Fehlern der amerikanischen Kreationisten in den 80er Jahren gelernt. Das oberste Gericht entschied 1987, dass Kreationismus nicht an amerikanischen Schulen gelehrt werden darf, weil dadurch die gesetzlich verankerte Trennung von Religion und Staat verletzt würde. So bemüht sich die ID-Bewegung, alle religiösen Hinweise aus ihrem Programm zu entfernen. Gott wird nie explizit als der intelligente Lenker vorgestellt. Anders als Kreationisten bestreiten ID-Anhänger nicht das geologische Alter der Erde, noch legen sie die Schöpfungsgeschichte wörtlich aus. Einer der Punkte, in denen sie sich grundlegend von den deutschen Vertretern einer Schöpfungsbiologie unterscheiden.