Ernährung Böse Milch? Gute Milch?Seite 3/3
Die Hochleistungskühe geben Milch im Überfluss, sodass wir längst zwischen Milchseen und Butterbergen leben.
Und das, obwohl auch in Deutschland etwa 15 Prozent der Menschen keine Milch vertragen - Laktose-Intoleranz nennen das die Mediziner. Die hat nichts mit einer Allergie zu tun. Stattdessen fehlt den Betroffenen ein Enzym, das den Milchzucker in verdauliche Bestandteile zerlegt. Ohne das Enzym gelangen die Kohlenhydrate unverdaut in den Dickdarm und werden von Darmbakterien vergoren. Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sowie erhöhte Infektanfälligkeit oder Sodbrennen sind die Folge.
Eine völlig laktosefreie Ernährung aber ist in Deutschland kaum möglich. In vielen Nahrungsmitteln findet sich auch versteckte Milch, etwa in Fertigpizza oder -suppe, Desserts, Senf oder Eiscremes. Selbst in Tabletten und Zahnpasta kann der empfindliche Konsument auf versteckte Laktose stoßen, die als billige Füllmasse an Pharma- und Kosmetikfirmen verkauft worden ist.
Zu unterscheiden ist die Laktose-Intoleranz von echten Allergien, die durch verschiedene Milcheiweiße ausgelöst werden können. Der Körper erkennt diese Proteine als artfremd und wehrt sich dagegen. Häufig werden Kinder durch die Kuhmilch erstmals mit körperfremden Proteinen konfrontiert und reagieren mit Reizhusten, vermehrter Schleimproduktion, Atemschwierigkeiten. Bei Kuhmilchallergikern hilft nur eines: Die Milch muss gänzlich aus dem Speiseplan verschwinden, sonst drohen chronische Infekte, Bronchitis, Ekzeme.
Militante Milchgegner geben der Kuhmilch die Schuld an allerlei Krankheiten: Ein erhöhter Milchkonsum fördere Krebs und erhöhe das Risiko für Arteriosklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Die harten wissenschaftlichen Fakten zeigen: Das Risiko für Dickdarmkrebs, haben einige Studien ergeben, wird durch Milch eher gesenkt, während bei Prostata- und Eierstockkrebs die Gefahr eher steigt. »Bislang gibt es Hinweise, aber keine ausreichenden Beweise dafür, dass Milchverzehr die Entstehung dieser Krebsarten begünstigt«, sagt Jürgen Schrezenmeir von der BAfM. Die Ursache könne vor allem der Kaloriengehalt der Milch sein. Bei anderen Krankheiten dagegen sei die Bilanz positiv: »Verschiedene Studien bestätigen die schützende Wirkung der Milch sowohl gegenüber dem Diabetes als auch gegenüber der koronaren Herzerkrankung«, sagt der Milchexperte. Die genauen Wirkmechanismen sind aber längst noch nicht erforscht.
So wird der Streit um die Milch weitergehen. Die mächtige Milchwirtschaft wird uns auch in Zukunft mit immer neuen Milchvarianten locken wie zuletzt mit der »längerfrischen« und der laktosefreien Milch. Die Milchgegner werden auf ihren Websites wie milksucks.com oder milch-den-kuehen.de die Milch als Quell allen Übels darstellen. Milch ist ein Schwarzweißgetränk.
Milch-Legenden
Mythen in tüten
Ein Glas Milch und zwei Scheiben Käse pro Tag decken den täglichen Kalziumbedarf.
Das betont die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) - doch der Verzehr von Fleisch, Wurst und Cola torpediert den Effekt, weil er die Kalzium-Ausscheidung fördert.
Zu wenig Milch macht die Knochen brüchig und erhöht das Risiko für Osteoporose.
Das stimmt so nicht. Gene, Umwelt und Lebensstil sind auch wichtig, vor allem wie viel man sich bewegt. Zusätzlich braucht der Körper Proteine, Mineralstoffe und Spurenelemente wie beispielsweise Kalzium - egal, ob durch Milch oder pflanzliche Kost.
Vegetarier sollten die fehlenden tierischen Proteine über vermehrten Milchkonsum decken.
Generell kann Proteinmangel sowohl durch Milch als auch durch Eier ausgeglichen werden. Aber auch Getreide, Gemüse und Kartoffeln enthalten genügend Eiweiß. Wer sich ausschließlich pflanzlich (vegan) ernährt, benötigt viel proteinhaltiges Getreide und Hülsenfrüchte.
Kinder bis zu einem Jahr sollten keine tierische Milch trinken .
Bei Säuglingen ist das Immunsystem noch unfertig, der Darm noch für große Moleküle (wie artfremde Eiweiße) durchlässig. Eier und Kuhmilch lösen mit am häufigsten Allergien aus.
H-Milch ist schlechter als frische Milch.
Fast alle Frischmilchprodukte werden pasteurisiert (kurzzeitig auf 70 Grad erhitzt), um Bakterien abzutöten. H-Milch wird »ultrahoch« erhitzt (auf 140 Grad), das verändert die Eiweißstruktur und vernichtet bis zu 20 Prozent der Vitamine. Der Kalziumgehalt ist allerdings gleich.
Fermentierte Produkte haben eine günstige Wirkung auf den Darm.
Ja, Jogurt und ähnliche fermentierte Milchprodukte enthalten Milchsäurebakterien mit jenem Enzym, das den Milchzucker zerlegt. Genau das fehlt Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit.
Laktosearme Milch, Reis-, Soja- oder Haferdrink sind geeignete Alternativen zur Kuhmilch. Nur laktosearme Milch taugt als Ersatz (enthält nämlich alle anderen wichtigen Inhaltsstoffe). Milch »verklebt den Magen« und den Rachen. Vermehrte Schleimabsonderung in den Atemwegen, häufigere Mandelentzündungen oder ein erhöhtes Schnupfenrisiko sind nicht nachgewiesen. Milchbedingte Schleimbildung im Magen behindert nicht die Aufnahme von Eiweiß-, Fett-, Vitamin- und Mineralstoffen im Darm.
- Datum 04.01.2006 - 04:30 Uhr
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- Quelle (c) ZeitWissen 01/2006
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