1. Gibt es 2050 noch genug Öl?© ZEIT Wissen BILD

Die Prognosen sind drastisch. Vermutlich noch in diesem Jahrzehnt, prophezeit eine eingeschworene Gemeinde von Geologen, werde das Maximum der Ölförderung erreicht: der so genannte Peak Oil. Von da an könnten die Ölmultis nicht mehr genug pumpen, um die Weltwirtschaft am Laufen zu halten. »Dieses Datum wird wahrscheinlich einen bedeutenden historischen Wendepunkt darstellen«, warnt Colin Campbell, Ex-Ölmanager und Wortführer der Peak-Oil-Mahner.

Es ist nicht das erste Mal, dass unserer Zivilisation die »Grenzen des Wachstums« prognostiziert werden. Doch seit 2003 hangelt sich der Ölpreis immer höher. Und das Gefühl macht sich breit, der Zivilisation könne tatsächlich ihr Lebenssaft ausgehen. Seither überbieten sich Politiker mit Strategien »weg vom Öl«.

Die Branche ist Endzeitprognosen gewohnt. Schon 1914 erklärte das US-Bergbauamt, der Rohstoff reiche weltweit nur noch zehn Jahre. In den 60ern ging man von 40 Jahren aus - und diese Schätzung blieb bis heute konstant: noch 40 Jahre. Den Ingenieuren gelang es stets, neue Vorkommen aufzuspüren und vor allem die Ausbeute zu steigern: Konnten sie einst höchstens 20 Prozent des Öls aus einem Bohrloch pumpen, sind es heute 30 bis 35 Prozent.

Doch das Argument der Peak-Oil-Propheten ist ein anderes: Das Öl mag noch so lange reichen, entscheidend sei der Fördergipfel. Ist dieser erst mal erreicht, könne die Nachfrage nicht mehr gestillt werden. Auch das Bundesamt für Geologie und Rohstoffe (BGR) in Hannover erwartet den Peak Oil - wenn auch erst in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre. Dann sei »ein sukzessiver Rückgang der Förderung vorprogrammiert«. Immerhin räumt das BGR ein, dass die Erschließung »unkonventioneller Ölquellen«, etwa von Ölsanden, den Gipfel noch hinausschieben könnte.

Ökonomen erschließen sich die Sorgen der Geologen ohnehin nicht. »Es ist ja noch viel Öl im Boden, das bei höheren Ölpreisen gefördert werden kann«, sagt Klaus Matthies, Rohstoffexperte des Hamburger Wirtschaftsinstituts HWWA. Der Unterschied zwischen Geologen und Ökonomen sei eben, »dass wir auf die Wirkung des Preises vertrauen«. Soll heißen: Ist der Preis nur hoch genug, findet sich schon ein Ausweg.

So glauben viele Experten, dass sich mit mehr Geld die Ölausbeute der alten Quellen drastisch verbessern lasse. Zur Not könne man Gas verflüssigen. Sogar Kohle lasse sich für 60 Dollar pro Barrel in Sprit verwandeln. Selbst die stets ums Wirtschaftswachstum besorgte Internationale Energieagentur (IEA) ist überzeugt, dass es mehr als genug Öl gibt, um den rasch steigenden Bedarf auch bis jenseits der 2030er Jahre zu decken. BILD