Elektrosmog Heiße Gespräche

Ist Handystrahlung doch gefährlich? Eine neue Forschungsarbeit aus Deutschland zeigt: Menschliche Zellen könnten beim Mobiltelefonieren viel stärker erhitzt werden als bislang angenommen.

Seine Töchter, 16 und 18, sind im besten Alter für exzessives Handytelefonieren. Aber in der Familie von Markus Antonietti gilt eine klare Abmachung: Ein Handygespräch ist spätestens nach fünf Minuten zu Ende. Dann ist das Wichtigste gesagt, oder es wird aufs Festnetz gewechselt. »Die sollen sich nicht die ganze Akkuladung ins Gehirn pusten«, sagt Antonietti.

Markus Antonietti, Direktor des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm bei Potsdam, leitet Deutschlands bekannteste Forschungsgruppe in der Materialwissenschaft, er ist ein nüchtern argumentierender Wissenschaftler, kein Panikmacher. Aber er macht sich Sorgen: dass Handystrahlung die Synapsen im Gehirn aufheizt. Nicht um 1 Grad, sondern auf 100. Das folgt aus einem neuen Experiment am Max-Planck-Institut.

In der Forschungsarbeit, die in Kürze veröffentlicht wird, steht nichts von Handys, die Überschrift lautet Mikrowellenabsorption in Emulsionen mit wässrigen Mikro- und Nanotröpfchen. Aber wenn Antonietti dieser Tage Vorträge vor Kollegen an anderen Universitäten hält, dann wissen die, was daraus folgt. Antonietti sagt: »Manche von denen telefonieren jetzt weniger.«

Es gibt bislang nur wenige, umstrittene Forschungsarbeiten, aus denen man auf Gesundheitsrisiken der Handystrahlung schließen könnte. Für eine zuverlässige Risikobewertung sind Mobiltelefone noch nicht lange genug in Gebrauch. »Offensichtlich überleben wir das Telefonieren mit einem Handy«, sagt Antonietti, »aber was sind die Langzeitfolgen?«

Bislang schert sich niemand darum: Die Tarife sinken, die Flatrate kommt. Wir nutzen das Handy nicht weniger, sondern mehr, wenn auch mit Unbehagen: In einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von ZEIT Wissen gaben 55 Prozent der Befragten an, sie glaubten, Handystrahlung stelle ein gesundheitliches Risiko dar. Sind Vieltelefonierer ähnlich gefährdet wie Kettenraucher? Oder ist die Angst so übertrieben wie die vor dem Tod durch Rindfleischverzehr? In 30 Jahren wird man es wissen. Vielleicht.

So lange will keiner warten, und deshalb wird ausgiebig geforscht. 10 000 Arbeiten hat die Website emf-portal.de gezählt. Da gibt es Tierversuche, in denen Forscher Mäuse mit Mikrowellen »befelden« und später die Temperatur des Mäusehirns messen. Und Grundlagenexperimente, in denen Biochemiker Zellen bestrahlen und anschließend DNA-Schäden suchen.

Die Versuche an Tieren - und an Leichen - haben gezeigt: Starke elektromagnetische Strahlung bei den handytypischen Frequenzen von einem bis zwei Gigahertz erwärmt das Gewebe. Keine Überraschung, schließlich arbeiten Mikrowellenherde mit ähnlichen Frequenzen. Daraus haben Strahlenschützer die Grenzwerte für Handys abgeleitet. Sie sollen garantieren, dass die Erwärmung von Gehirnzellen oder Haut weit unter einem Grad Celsius bleibt. Doch genau hier liegt das Problem, sagt Markus Antonietti. »Es reicht nicht, die mittlere Temperaturerhöhung zu messen. Kurzzeitig können viel höhere Temperaturen auftreten.«

Immer mal wieder finden Forscher eine kaputte DNA in der befeldeten Zellkultur oder einen Tumor im Rattenkopf, und dann warnen die Mobilfunkgegner vor Mobilfunk, und die Industrie warnt vor voreiligen Schlüssen. Antonietti kennt das Ritual, und daher hat er seine Experimente mit zwei Professoren von der FU Berlin und der Universität Leipzig durchgeführt, von denen einer auch für Telekom-Firmen forscht.

Die Sorge des Max-Planck-Forschers gilt den Nervenzellen und Synapsen im Gehirn. Denn an den Enden der Nervenzellen lagern sich elektrisch geladene Atome (Ionen) an, auf diese Weise kommunizieren die Zellen untereinander. Und diese Ionen werden durch Handystrahlung ins Schwingen gebracht. Wie stark, das lässt sich nicht direkt messen, schließlich kann man in die Zellen kein Thermometer einschleusen. Antonietti und seine Kollegen wenden deshalb einen Trick an: Sie bilden die Zellmembranen mit winzigen Fetttröpfchen in Salzwasser nach. An denen lagern sich Ionen an, und durch eine Veränderung der Salzkonzentration und der Tröpfchengröße lassen sich die Bedingungen von biologischem Gewebe simulieren, also eine Art konzentriertes flüssiges Gehirn.

»Und jetzt kommt die Tragödie«, sagt der Max-Planck-Direktor. »Genau da, wo wir den Bedingungen im Gehirn am nächsten sind, sehen wir die stärkste Aufheizung.« Temperaturspitzen von 100 Grad. Er hatte mit einer Erwärmung gerechnet, aber nicht in dieser Stärke. »Da wird hundertmal so viel Energie absorbiert wie bisher gedacht. Das ist ein Horror.«

Es ist so wie mit der Bratwurst und dem Kartoffelbrei, sagt Antonietti. Wenn man beides in der Mikrowelle erwärmt, wird die Bratwurst viel schneller heiß als der Kartoffelbrei. Denn die Wurst enthält feinste Fetttröpfchen, umgeben von Wasser. An den Zellwänden von Fett und Wasser lagern sich elektrische Ladungen an, und die werden von den Mikrowellen sehr effizient erhitzt.

Leider ist das Gehirn mehr Bratwurst als Kartoffelbrei. Ist Handystrahlung also gefährlich fürs Hirn? Vor solchen Aussagen werde er sich hüten, sagt Antonietti. »Die Mobilfunkindustrie hat gute Anwälte, aber auch aus wissenschaftlicher Sicht wäre die Schlussfolgerung voreilig.« Wie die kurzzeitige Erhitzung der Zellen sich auswirkt, ob dadurch das Risiko für Tumore steigt, können erst Experimente mit menschlichen Zellen und klinische Studien zeigen. »Aber wir kennen jetzt den Mechanismus, der zur Zellschädigung führen könnte. Als Wissenschaftler bin ich besorgt.«

Tatsächlich haben Wiener Mediziner vor zwei Jahren im Rahmen der EU-Studie »Reflex« gemessen, dass Handystrahlung Genschäden an menschlichen Zellen verursacht - und zwar bereits weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts von 2 Watt pro Kilogramm. Schon ab 0,3 Watt hatten die Wissenschaftler DNA-Schäden gemessen, die meisten Handys strahlen stärker. Mobilfunkgegner nahmen die Meldung geradezu euphorisch auf. Endlich konnten sie sich auf ein anerkanntes Institut berufen, und auch die Wiener Ärztekammer nahm die Studie unlängst zum Anlass, Kinder vor übermäßigem Handytelefonieren zu warnen. »Würden Medikamente dieselben Prüfergebnisse wie Handystrahlen liefern, müsste man sie sofort vom Markt nehmen«, sagt Erik Huber, Referent für Umweltmedizin.

Allein - die Ergebnisse können von anderen Forschern bis heute nicht reproduziert werden. Der Humangenetiker Günter Speit von der Universität Ulm hat mit der Wiener Arbeitsgruppe sogar Doktoranden und Geräte ausgetauscht, um die Messungen zu wiederholen. Sie bestrahlten Zellkulturen aus der männlichen Vorhaut und von chinesischen Hamstern - die sind besonders empfindlich. Nach mehreren Monaten stand fest: keine Unterschiede mit und ohne Handystrahlung. Speit hat die Arbeit zur Veröffentlichung an das Fachblatt Mutation Research geschickt. Warum die Kollegen aus Wien damals DNA-Schäden beobachtet haben, kann er sich nicht erklären. »Ich zweifle nicht, dass die Schäden gesehen haben. Aber alles, was wir gemessen haben, spricht gegen genetische Effekte - und ich habe nichts mit der Mobilfunkindustrie zu tun.«

Selbst wenn Handystrahlung das Erbgut schädigen würde, könnte man daraus nicht schließen: Handys verursachen Krebs. Denn DNA-Schäden im menschlichen Stoffwechsel sind ganz normal. Jede Zelle des Körpers müsse täglich mit mehreren tausend DNA-Schäden fertig werden, sagt Mutationsforscher Speit, oft verursacht von Sauerstoff-Radikalen. Die Natur hat sich darauf eingestellt: Allein 200 Gene sind für die Reparatur der Schäden zuständig.

Wer Gewissheit will, muss warten. Etwa auf das Bundesamt für Strahlenschutz, das gerade beginnt, rund 50 Forschungsprojekte zum Mobilfunkrisiko auszuwerten. Vielleicht werden am Ende neue Grenzwerte erlassen. Aber die Studie wird nicht die Frage nach den Langzeitfolgen beantworten können.

»Es geht nicht darum, Handys abzuschaffen«, sagt Markus Antonietti in seinem Büro in Golm. »Es geht um vernünftige Verhaltensregeln.« Headset benutzen, in Maßen telefonieren, auf niedrige Strahlungswerte achten. »Wenn statt 1000 nur 400 Krebs kriegen, hat man 600 gerettet.«


ELEKTROSMOG
Antenne am Arm
Elektromagnetische Felder - verursachen sie Kopfschmerzen und Schwindel? Manche Menschen glauben das, viele Wissenschaftler zweifeln daran. Die bayerische Firma Maschek Elektronik hat ein tragbares Dosimeter entwickelt, das die Feldstärke zahlreicher Mobilfunkgeräte misst. Für eine Studie der Universität München tragen nun 3000 bayerische Kinder und Jugendliche das Gerät je 24 Stunden am Arm. In Interviews mit den Schülern wollen Mediziner dann herausfinden, ob starke Funkfelder und Unwohlsein zusammenhängen.

 
Leser-Kommentare
  1. Wie wir erfahren haben erhitzten sich die Synapsen, jedenfalls im Versuch, auf 100 Celsius bei "Handyphonitis". Genschäden seine nicht zweifelsfrei nachweisbar.

    Na und? Die Koagulation, Denaturierung des Eiweises (Spiegelei braten), findet ab ca. 80 Celsius statt. Bei einer telefonierzeit von ca. 30 Minuten, Bratzeit des Brains, muss dieses einfach "well done" sein!

    Muss jetzt leider Schluss machen das "Mobile" ringt. Tschuss!

    • Jahey
    • 21.08.2006 um 12:32 Uhr

    Bei einem Freund von mir wurde vor 2 Wochen eine Mobilfunkantenne ans Dach gebaut, ca 5 m von seinem Zimmer entfernt (Luftlinie). Es gibt keine Möglichkeiten sich da zu widersetzen, es gibt auch keine Warnung oder Mietminderung oder überhaupt etwas. Es wird geschwiegen. Selbst Physiker, bin ich weit von Panikmache entfernt. Es sollte aber eine etwas größere Diskussion über e-m-Strahlung geben.

    Problem stellt dar, dass viele, was auch nachvollziehbar ist, Angst davor haben was sie weder verstehen noch wahrnehmen können. Gerade in Deutschland ist die Menge und die Macht der Menschen die vor "dem Unsichtbaren" Angst haben sehr stark, siehe Atomausstieg.

    Das wird wahrscheinlich der Grund sein, warum die, die so wie auch ich, eine Diskussion über die Strahlung führen könnten, sich damit eher zurückhalten. Es ist einfach Gang und Gebe, dass schon am Anfang einer Diskussion Scheinfakten vorgebracht werden, gegen die es sehr schwer fällt anzudiskutieren...

    Ich hoffe, vielleicht mit dieser Kanzlerin, wird es möglich sein eine sachliche Diskussion über die Strahlung zu führen.

  2. 3. @jahey

    Der Ort mit der geringsten Strahlung ist... direkt unterhalb einer Mobilfunkantenne. Ihr Freund kann also ganz unbesorgt sein.

    • Jahey
    • 21.08.2006 um 18:54 Uhr

    Einmal als Physiker geoutet....:

    @UdoKaemmle:

    -Klar mit der Abschirmung haben wir probiert. Es reichten 2 Lagen Alufolie aus, damit ein Handy welches dort eingewickelt war, keine Signale mehr empfangen konnte. Natürlich keine quantitative Methode, ich würde trotzdem viel drauf geben.

    - Es ist nicht so wichtig wie kurz ein Impuls ist, sondern wieviel Energie dieser trägt. Der eigentliche Absorptionsvorgang ist nicht auflösbar in der Zeit. Die Energie eines Mikrowellenquants ( um die es hier geht ), ist vergleichsweise zum sichtbaren Licht um mehr als 100.000. Und normale Lampen haben 20-60 Watt.
    Die Wellenlänge von 2 GHz Mikrowellen ist übrigens 0.17 m also 17 cm, ganz gut vorstellbar was?! Das sind Fakten.

    Damit ist auch erstmal zu erklären, warum die Natruwissenschaftler so schwierig mit dem Thema Elektrosmog umgehen.

    - Nun gehen wir mal zum Thema Röntgenstrahlung: Hier sind die Energien der einzelnen Quanten ungefähr 10.000 so groß wie bei sichtbarem Licht. Das Prinzip bleibt, die Photonen werden immernoch von einelnen Atomen oder Molekülen absorbiert. Damit ist verständlicher, dass hier nun die Energie ausreicht um ein Molekül zu zerstören.

    - Es wird in der Dosimetrie, der Wissenschaft die sich mit den Auswirkungen der ionisierenden Strahlung (hier fällt auch Röntgen- und härtere Strahlung drunter) beschäftigt, auch davon ausgegangen, dass die gefährlichere Strahlung ( Alpha oder Beta ) mehrere Ionisationen in einem DNS - Strang machen kann, hierraus folgert sich dann eine erheblich erhöhte Gefahr. Bei Mikrowellen ist dies nicht anwendbar, da die gesamte Energie bei einem Absorptionsvorgang umgewandelt wird.

    Es gibt eben den Ansatz, die Zerstörung im Gewebe sich als von der erhöhten Temperatur verursacht vorzustellen. Und hier kann es, zumindest das legt der Artikel nah, dazu kommen, dass die Ionen welche sich eben an den Enden der Nervenzellen befinden führen zu ungleichmäßiger Absorption: d.h. die vielen Mikrowellenquanten werden lokal stärker absorbiert und damit wird die Temperatur in einem kleinen Bereich sehr hoch. Die Zeit bis sich diese Ungleichmäßigkeit verteilt hat, ist zwar sehr kurz, hier könnte aber das schlimme passieren.

    Jeder sollte sich nochmal die oben beschriebenen Größenordnungen in Ruhe anschauen.

    @ThomasKahlix: Zunächst finde ich den Zeit-Artikel nicht schlecht. Habe schon erheblich schlechtere Beispiele gesehen. Der Autor führt nur die Kleinigkeiten auf die er entweder verstanden hat oder welche ohne Veränderung aus dem Mund des Professor zu stammen scheinen.

    - Es wird nicht klar in welchem Umfang diese hirnähnliche Flüssigkeit wirklich an ein Hirn genähert wird. Ich gebe dir aber recht, wenn du sagst, es sei mit vorsicht zu genießen, was bei diesem Modell herauskommt.

    - Ihre Kritik finde ich unangebracht: - An den Ende der Nervenzellen, werden die elektrischen Impulse tatsächlich durch Austausch von Ionen vermittelt, zu diesem Zweck stehen diese Ionen dort bereit.

    - Es wäre tatsächlich interessant, wie die Temperaturschwankungen gemessen worden sind, aber da wäre der Artikel in der ZEIT wahrscheinlich falsch plaziert gewesen, so genau wollen es die Leute verständlicherweise ja auch nicht wissen.

    @fufighter: Nun ja, leider ist das mit dem direkt daneben so eine Sache, er befindet sich in einem Winkel von ca. 45° dazu. Ist zwar nicht das Maximum, aber unbedenklich ist das nicht.

    Wofür hier meine Zeit nicht ausreicht und was auch hier zu weit gehen würde: es gibt auch andere Ansätze als den über die Temperatur, wie man sich DNA-Zerstörung durch Mikrowellen vorstellen könnte. Diese Forschung ist auch auf grund der hierfür nicht vorhandenen Gelder bzw. Interesse der Wirtschaft so langsam.

    • Jahey
    • 22.08.2006 um 0:04 Uhr

    Hallo!

    Ich freue mich, dass wir hier eine kleine Diskussion aufmachen konnten. Ich befürchte aber auch, dass die Diskussion hier schnell an ihr Ende gerät. Ich kann nur sagen welche Wirkungen der MW-Strahlung das Gewebe zerstören könnten und welche es meiner Meinung nach nicht könnten da zu schwach. Die genaue Auswirkung auf die Moleküle bleibt Sache von Versuchen.

    Ich halte den Inhalt des Artikels in soweit für sehr realistisch, als das sich jeder selbst davon überzeugen kann, wenn man etwas metallisches in eine Mikrowelle steckt, auch wenn es kleiner als 1 cm ist, wird es schnell anfangen zu blitzen usw. (also lieber schnell wieder ausmachen, Auswirkungen auf die Elektronik unbekannt). Die Ionen sind beweglich und elektrisch geladen, das ist bei den Molekülen ( von außen betrachtet) erstmal anders. Daher halte ich es für gut möglich dass eine solche lokale Überhitzung entsteht und dabei makroskopisch viele Zellen sozusagen aufkochen, bzw. zerstört werden.

    Eine Absoption durch Moleküle ist auch denkbar. Hier hat es allerdings nichts mit Impedanz oder ähnlichen Dingen zu tun, die man von der Elektrotechnik her kennt. Diese Energien liegen in dem Bereich der Molekular-Schwingungen. Das ist wenn die aus der Schule bekannten Atome innerhalb eines Moleküls, anfangen gegeneinander zu schwingen. Bekommt diese Schwingung zu viel Energie so kann es dazu führen, dass das Molekül zerstört wird. Ich kann mir allerdings einige physikalische Effekte hier vorstellen, die dem entgegenwirken könnten. Man müsste also wieder experimentieren.

    Im großen wäre hier vielleicht noch zu sagen, dass das wovon ich zuletzt gesprochen habe in den sehr jungen Bereich der Nanotronik (auch ein Teil des großen Schlagwortes "Nanotechnologie") reingeht. Diese beschäftigt sich mit der Elektronik, welche in so kleinen Dimensionen stattfindet, dass die klassische Physik schon nicht mehr verwendet werden kann. Da muss alles quantenmechanisch gerechnet werden.

    Die oben beschriebenen Schwingungen sind bereits quantenmechnischer Natur.

    Im Zuge dieses, wirtschaftlich stark geförderten, Fortschritts könnten vielleicht auch Erkenntisse über das uns beschäftigende Thema rumkommen.

    Insofern gute Nacht mit Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

    PS.: Ich denke diese Diskussion hier wird auch nur von einer Hand voll Leuten gelesen. Der Artikel verschwand deshalb innerhalb kürzester Zeit von den Top-Stellen auf der ZEIT Hauptseite. Ich bin mir sicher, dass es da einen Klickzähler gibt, der dann dazuführt, dass die Artikel runtergestuft werden.
    Deshalb wäre eine weitere detailierte Darstellung der physikalischen Methoden wahrscheinlich nicht fördernd.

  3. Bin nach mehreren Jahren Vieltelefoniererei plötzlich selbst empfindlich geworden. Sogar auf die neuen „gepulsten“ DECT Geräte im Haushalt. Kann das Handy max. 5min am Kopf ertragen ohne sehr unangenehmes Gefühl/Schwindel im Kopf. Aber mit Freisprecheinrichtung geht es.

    ---

    Das der Mensch das gut übersteht hängt wohl mit seinem hervorragenden Immunsystem und den vielfältigen DNA-Reparaturmechanismen zusammen. Deshalb ist auch Krebsgefahr sehr schwer zu beweisen. Ist der Körper jedoch geschwächt kann es schneller kritisch werden.

    ----

    Technische Grundüberlegungen:

    Logischerweise kann in Microsekunden (sehr kurzer Impuls) eine mikroskopisch kleine Zelle zerstört werden. Wenn man die Energie aber messtechnisch mittelt auf Sekunden ist die gemessene gemittelte gesamt Temperaturerhöhung nur ein Millionstel (micro) des tatsächlich an der Zelle auftretenden kurzzeitigen Spitzentemperatur. Das macht man sich ja auch beim Brennen von CD/DVD und vielen anderen technischen Einrichtungen zunutze.

    (Laienhaft ausgedrückt: Ein Tropfen fällt in einem See. An der Stelle wo der Tropfen aufschlägt, hat er eine Wirkung, könnte sogar etwas kleines zerstören, obgleich der gemessene Wasserstand des ganzen Sees nur sehr unwesentlich zugenommen hat.)

    Die Frequenz erreicht die maximale Wirkung auf Strukturen die erstens der Größe ihrer Wellenlänge entsprechen, oder einem gradzahligen Bruchteil davon (Lamda/2, Lamda/3 ...) und zweitens in etwa der passenden elektrischen Impedanz entsprechen (~Fähigkeit zur Einkopplung).

    (Wellenlänge = Lichtgeschwindigkeit / Frequenz.)

    Bei den heutigen Handy-Frequenzen 1,8GHz sind das ca. 150 µm. Bei den WLAN’s 2,5GHz ca. 270/2,5 = 108 µm und aller modernsten Radartechniken bis zu 90GHz d.h. 270/90 = 3 µm.

    Der („Nerven-/ Neuron-“) Synapsenspalt bewegt sich in der Größenordung von 20 Nanometern, ist also ca. 5000 mal kleiner. Handystrahlung könnte also eher auf die gesamte Synapse wirken. Die schon etwa in dieser Größenordnung liegt. Das wird mit der Nächsten Generation der Geräte (höhere Frequenz) noch kritischer, außer man macht sich eine super-breitbandige Methode mit sehr niedriger Energie (im Rauschen der natürlichen Strahlung) zunutze, an der gerade gearbeitet wird.

    .

  4. 7. @Jahey

    Als Kinder hatten wir noch bedenkenlos bei Salamander minutenlang unsere Schuhe/Füsse durchleuchtet (Röntgen). Die Gefahren hatten sich noch nicht herumgesprochen. Heute ist man schon mit eimen tausendstel/millionstel der Strahlung vorsichtig. Wir hatten halt Glück.

    ---

    Die Nähe von 5m im direkten Strahlungsfeld einer großen Mobilfunkantenne (im Tag- und Nachtbetrieb) halte ich schon für sehr bedenklich. Habe selbst einmal im Büro im Abstand von ca. 20 m vor solchen Antenne gesessen, aber ein gesundheitlicher Zusammenhang lässt sich nur schwer nachweisen, wegen den unglaublich flexiblen Körper- Reparaturmechanismen, bis er es eines Tages nicht mehr schafft und dann krank wird.

    Leider lassen sich solche Antennen sehr leicht tarnen z.B. als Schornstein oder sonst etwas in der Größe solcher Antennen.

    Sie können aber Abschirmen. Wegen der kleinen Wellenlänge von ca. 150µm muss sorgfältig gearbeitet werden. Vielleicht auch mit metalbedampften Fenstern? Aber was erzähle ich einem Physiker.

    .

  5. Gut, daß sich hier verschiedene fachlich interessierte tatsächlich friedlich unterhalten können:

    - Das Thema Ionen (Na+ und K+): Die stehen doch in Hülle und Fülle zur Verfügung und sind die "Fußtruppen" der nervösen Impulsweiterleitung. Deshalb ist ein Einfluß nicht so leicht vorstellbar. Es wäre doch spannender, wenn die Physiker plausibel machten, daß die "Schleusenwächter" mit der fraglichen Strahlung in Interaktion träten, also diejenigen sensiblen Proteine, die die Ionenkanäle öffnen oder schließen oder als "Ionenpumpen" arbeiten. Das würde den Biologen schon sehr interessieren.

    - Frage des Anspruchsniveaus: Ich glaube nicht, daß die Mehrheit der ZEIT-Leser mit einer genaueren Darstellung und Vertiefung der Berichterstattung grundsätzlich überfordert wäre. Das Interesse ist doch groß, und das Thema erfordert es. Außerdem sollte in Deutschland auch möglich sein, was in der Schweiz (Neue Zürcher Zeitung) Tradition hat.

    - Zuletzt: Schon möglich, daß ich mit der Schärfe meiner Kritik etwas verletzend gewirkt habe. Aber es ist halt auch so: Wohin ich schaue, werden die Medien nachlässiger und oberflächlicher. Aber die ZEIT ist dabei nicht Trendsetter; das sind andere ...

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  • Quelle ZEIT Wissen 05/2006
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