Arnold Wiegand und Barbara Lipsky zusammen zum Essen einzuladen ist keine gute Idee. Nicht weil sich die beiden nichts zu sagen hätten. Aber außer gedünstetem Gemüse und ein paar Nüssen gäbe es kein Gericht, das sie beide essen würden.

Wiegand ist Veganer, Fleisch und Milchprodukte kommen ihm nicht über die Lippen, dafür jede Menge Vollkorngetreide und Obst. Auf Lipskys Speiseplan dagegen dominieren Magerquark, Jogurt, Fisch und Fleisch. Sie ernährt sich kohlenhydratarm. Das heißt dann Logi-Methode und bedeutet: kaum Getreide, wenig Obst. Nudeln gab es bei ihr zum letzten Mal vor zwei Jahren. Die Inhalte ihrer Küchen- und Kühlschränke sind einander so ähnlich wie Antarktis und Amazonas-Urwald. Und doch sind Wiegand und Lipsky überzeugt, dass genau ihre Form der Ernährung die gesündeste ist - zumindest für sie selbst.

Extreme Sonderfälle? Nicht wirklich. Wer Freunde zum Essen einlädt oder auch nur mit ihnen gemeinsam am Tisch sitzt, merkt schnell: Immer mehr Menschen essen immer mehr Sachen nicht. Manchmal, weil sie etwas noch nie mochten. Oder weil sie es tatsächlich nicht vertragen. Aber meistens, weil sie sicher sind, ohne Milch, Fleisch oder Nudeln gesünder zu bleiben, fitter zu sein, sich besser zu fühlen und, vielleicht, sogar länger zu leben.

Was allerdings denn nun wirklich "gesund" ist und warum, darüber gibt es mindestens so viele Meinungen wie über die Frage, was Glück ist und wie man es erreicht. "Vegane Ernährung kommt der natürlichen Ernährung am nächsten", sagt Arnold Wiegand. "Die Logi-Methode heißt auch Steinzeitdiät, weil sie der ursprünglichen Ernährung entspricht", sagt Barbara Lipsky. Was denn nun?

Im Dickicht von Lebensmittelpyramiden, Empfehlungen, Nährwerttabellen und Ernährungsrichtungen fühlt man sich mittlerweile wie zwischen rivalisierenden Religionsgemeinschaften. Alle sind auf dem Kreuzzug für die irgendwie gesündere Ernährung, doch welcher der richtige Weg dahin ist, darüber scheiden sich die Geister. Abgesehen von Sex und Religion, gibt es wohl kein Gebiet, auf dem so viele Mythen, Glaubenssätze und Heilsversprechen existieren wie bei der Ernährung.