Bei Tempo 140, vorn ein Lastwagen, rechts und links Alpen, fummelt Gerhard Pirchl eine rote Plastikkugel an einem dünnen Faden aus der Hosentasche. Den Ellenbogen auf die Armlehne seines Geländewagens gestützt, lässt er das Pendel über der Mittelkonsole baumeln. Aufgeregt baumelt es hin und her.

"Ein hoch interessantes Kraftfeld", sagt Pirchl und steuert den Touareg kurzerhand über die Mittelspur bis auf den Standstreifen, wo nur die Leitplanke weitere Nachforschungen in Richtung Kuhweide verhindert.

Im österreichischen Bludenz, der Hauptstadt der Milka-Schokolade, eine halbe Stunde vom Bodensee entfernt, biegt Pirchl auf die Todesstrecke ab. So nennen Einheimische die Schnellstraße S16, weil Autofahrer hier über Jahre hinweg immer wieder ohne erkennbaren Grund in den Gegenverkehr rasten, keinerlei Bremsspuren hinterlassend. Rätselhaft. "Sogar Selbstmörder treten im letzten Moment auf die Bremse", sagt Pirchl. Die S16 ist eine Art Bermudadreieck der Alpen.

"Unfallstrecke 14 km" steht auf einem Schild, daneben leuchtet ein rotes Warndreieck. Pirchl hält das Pendel über die Gangschaltung, auf der Gegenspur rauschen in schnellem Takt Lkw und Urlauberbusse vorbei. Er sieht zufrieden aus. "Da goat nix, da ist alles entstört."

Im Auftrag der österreichischen Straßenbaugesellschaft Asfinag hat Pirchl die S16 im vergangenen Jahr von gefährlichen "längsdrehenden Kraftfeldern" befreit, Feldern, die kein Physiker messen und kein Geologe erklären kann und von denen Pirchl behauptet, dass sie bei "adernsensitiven" Menschen Blutdruckabfall und Blackouts verursachen.