Thea Dorn war Hochschuldozentin für Moralphilosophie an der Universität Frankfurt. In ihrem aktuellen Buch "Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird" diskutiert sie mit elf Frauen über deren persönliche Rollenbilder.

Frau Dorn, können Sie Karten lesen?

Das konnte ich, noch bevor ich Bücher lesen konnte. Meine Mutter ist eine Landkartenfanatikerin, ich bin damit aufgewachsen, dass wir in jedem Urlaub Unmengen Karten dabeihatten und meine Mutter sich mit leuchtenden Augen darüberbeugte.

Angeblich können Frauen das nicht.

Mit solchen Scheinargumenten redet man sich heraus und macht sich selbst schwach. Natürlich haben wir bestimmte biologische Anlagen. Aber das Wunderbare am Menschsein ist ja: Wir haben im Gegensatz zum Känguru oder zur Giraffe einen freien Willen. Wir können entscheiden, welche Anlagen wir an uns mögen und fördern und welche wir lieber klein halten wollen. Die Biologie bestimmt uns nicht. Ich bin der lebende Beweis, dass die These, Frauen könnten aufgrund ihrer "Biologie" nicht einparken, schlichtweg falsch ist.

Vermutlich, weil Sie es beherrschen?

Weil ich es in der Tat nicht "von Natur aus" konnte – wohingegen der Mann ja angeblich schon als Supereinparker auf die Welt kommt. Irgendwann hatte ich es satt, stundenlang herumzufahren und einen XXL-Parkplatz zu suchen. Deshalb habe ich gezielt geübt. Und schon nach ein paar Tagen ging es wunderbar. Heute komme ich in Parklücken, an denen mein Freund scheitert.