VorurteileFrauen sind auch nur Männer

Frauen können nicht einparken, Männer nicht zuhören. Aus solchen Thesen werden Bestseller gemacht. Die Autoren berufen sich auf die Wissenschaft. Zu Unrecht. von Eva-Maria Schnurr

Vorab eine Warnung: Weiterlesen könnte Sie unglücklich machen. Jedenfalls dann, wenn Sie bisher Leuten wie Barbara und Allan Pease oder Eva Herman geglaubt haben. Das Ehepaar Pease schreibt Bücher wie Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken und behauptet: Frauen und Männer sind komplett unterschiedlich. Männer lernen schlecht Sprachen. Frauen können nicht räumlich denken. Männer arbeiten gern hart. Frauen gehen lieber Schuhe kaufen. Und so weiter.

Das alles sei in den Gehirnen von Geburt an felsenfest verankert, behaupten die Peases und berufen sich auf scheinbar hochwissenschaftliche Ergebnisse der Hirnforschung. Daraus leiten sie ein simples Glücksrezept ab: Frauen sollten sich erst gar nicht bemühen, Männerdomänen zu erobern – sie schaffen es ohnehin nicht. »Das Gegenteil zu behaupten ist das sicherste Rezept dafür, unglücklich, verwirrt und desillusioniert durchs Leben zu laufen.«

Eva Herman verdichtet solche Thesen zum Eva-Prinzip: Die Emanzipation sei ein »fataler Irrtum« gewesen, schreibt sie in ihrem neuen Buch, Frauen sollten die »schöpfungsgewollte Aufteilung« der Geschlechter respektieren und sich ihrer biologischen Bestimmung entsprechend verhalten. Und die amerikanische Psychiaterin Louann Brizendine landete mit ihrem Buch The Female Brain vor kurzem einen Bestseller in den USA. Ihre Botschaft lautet ebenfalls: Männer und Frauen sind zum Anderssein verdammt, weil ihre Gehirne so unterschiedlich sind.

Verkauft sich gut. Stimmt aber nicht. Die Forschungslage ist mitnichten so eindeutig, wie das Ehepaar Pease und all die anderen uns weismachen wollen. Nur wenige Unterschiede sind naturgegeben und unveränderlich. Und richtig dramatisch sind sie schon lange nicht. »Innerhalb der Geschlechter gibt es weit größere Unterschiede als zwischen den Geschlechtern«, sagt der Biopsychologe Markus Hausmann, der an der Universität Bochum über Männer und Frauen forscht. »Die Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern sind viel größer als die Differenzen.« All die Versuche der letzten Jahrzehnte, die angeblichen »Unzulänglichkeiten« der Frauen auf begehrte Soft Skills umzumünzen, waren also völlig unnötig. Ist gar ein Ende des Geschlechterkampfes in Sicht?

Als overinflated, also absolut übertrieben, kritisiert die amerikanische Psychologin Janet S. Hyde Behauptungen wie die von Allan und Barbara Pease. Die Professorin an der University of Wisconsin hat die Daten von insgesamt 46 Metaanalysen über Geschlechterunterschiede verglichen. Rund 7000 Einzeluntersuchungen gingen in die Rechnung ein, über Sprache, mathematische Fähigkeiten, Kommunikationsmuster, Aggression oder Führungsstil.

Ein paar Unterschiede kamen tatsächlich zutage: Frauen werfen nicht so gut. Sie sind weniger aufgeschlossen für One-Night-Stands, neigen nicht so stark zu körperlicher Aggression und masturbieren seltener. Die anderen Differenzen fallen, statistisch gesehen, kaum ins Gewicht.

Warum halten sich die Vorurteile dennoch so hartnäckig? Warum stehen biologistische Erklärungen (Die Gene! Das Gehirn!) so hoch im Kurs? Und, unter uns: Haben wir die Sache mit dem Einparken nicht selber schon erlebt?

Das ist nicht ausgeschlossen, trotzdem sind die Gene unschuldig. Studien zeigen: Genau diese Vorurteile über die angeborenen Unterschiede von Mann und Frau führen dazu, dass Frauen sich bei Matheaufgaben das Hirn zermartern, mit Stoßstangenkontakt einparken und eher Germanistik als Physik studieren. Der feste Glaube an die fundamentale Verschiedenheit von Männern und Frauen reproduziert sich selbst. In Wirklichkeit ist alles ganz anders.

Vorurteil:
Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus

Es war ein Unfall, durch den die alte Idee wieder Auftrieb erhielt, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien biologisch in Körper und Gehirn verankert. Acht Monate alt war Bruce Reimer 1966, als er wegen einer Vorhautverengung beschnitten werden sollte. Doch das elektrische Skalpell verbrannte den Penis des kleinen Jungen bis auf einen winzigen Stummel. Auf Anraten des Sexualwissenschaftlers John Money entschieden die Eltern, ihr Kind mit zwei Jahren zum Mädchen umoperieren zu lassen. Doch Brenda, wie Bruce nun hieß, war während ihrer ganzen Kindheit unglücklich, trug lieber Jungensachen, raufte gern und wurde wegen ihres wilden Verhaltens von Mitschülern gehänselt. In der Pubertät erfuhr sie ihr ursprüngliches Geschlecht und ließ sich 1981 operativ wieder zum Mann machen. Sie nannte sich David, heiratete eine Frau und adoptierte ein Kind.

Die Hardware von Männern und Frauen unterscheidet sich, das ist offensichtlich. Aber was ist mit der Software? Haben wir ein Programm im Kopf, das bestimmt, ob jemand Frau oder Mann ist, entsprechend denkt und sich so verhält?

Wissenschaftler suchten nach Beweisen – und fanden Unterschiede: Das Gehirn von Frauen ist kleiner und leichter. Die Differenz zu einem gleich großen Mann beträgt etwa 100 Gramm. Dennoch schneiden Frauen in Intelligenztests genauso gut ab. Weibliche Hirne haben im Schnitt etwa elf Prozent mehr Nervenzellen in einem Bereich, der für Sprachverarbeitung zuständig ist, und ein größeres Areal für das räumliche Gedächtnis. Möglicherweise hängt Letzteres damit zusammen, dass sie sich gern anhand von Landmarken, also Häusern, Bäumen oder Ampeln, orientieren, während sich Männer lieber auf Richtungsangaben verlassen.

Auch bei der Suche nach Verhaltensunterschieden, die im Hirn verankert sein könnten, wurden die Forscher fündig. Jungen spielen oft schon mit einem Jahr lieber mit Autos, Mädchen dagegen mit Plüschtieren. Männliche Babys schauen schon sehr früh gern Dinge an, weibliche Kinder lieber Gesichter.

Das Hormon Testosteron könnte für solche Unterschiede verantwortlich sein, so die Theorie. Männliche Babys bekommen davon schon im Mutterleib höhere Dosen ab als weibliche. Der britische Psychologe Simon Baron-Cohen vermutet deshalb, dass das Gehirn von Jungen von Geburt an stärker systematisch arbeitet, das von Mädchen eher mitfühlend ist.

Doch reichen die Befunde als Beleg dafür aus, dass Mann und Frau von Natur aus anders programmiert sind? Nicht wirklich, meint Lutz Jäncke, Neuropsychologe an der Universität Zürich. Das Gehirn von Babys ist nicht fertig, wenn sie auf die Welt kommen. 90 Prozent der Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen entwickeln sich in den ersten Lebensjahren. Bis nach der Pubertät strukturieren sie sich immer wieder grundlegend um. Erfahrungen spielen dabei eine wichtige Rolle. »Die wenigsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind angeboren«, sagt Jäncke.

Populär ist diese Ansicht derzeit nicht. Während noch vor 20 Jahren die prinzipielle Gleichheit der Geschlechter propagiert wurde, schlägt das Pendel in der gesellschaftlichen Diskussion gerade wieder in die Gegenrichtung aus. Vor allem einzelne Forschungsergebnisse aus der Psychologie und den Neurowissenschaften dienen dazu, die angeblich evolutionär bedingten biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu betonen.

Dass Umwelteinflüsse ebenso wie die Veranlagung ihren Teil zu den unterschiedlichen Verhaltensmustern und Fähigkeiten der Geschlechter beitragen, bestreiten nur noch wenige Wissenschaftler. Streit gibt es aber immer noch darüber, wie groß der jeweilige Anteil von Umwelt und Veranlagung tatsächlich ist.

Vorurteil:
Frauen können nicht einparken

Die Frage, ob nun die Erziehung oder die Gene den Mann zum Mann und die Frau zur Frau machen, führt nicht weiter als die Frage nach Henne und Ei. »Soziale, psychische und biologische Faktoren lassen sich nicht trennen, sie wirken ständig aufeinander ein«, sagt Markus Hausmann. Die Software des Menschen ist mit der Geburt nicht fertig programmiert, sondern entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter.

Es gibt einen Fall, der dem von Bruce Reimer fast aufs Haar gleicht – aber völlig anders ausging: Zwei Monate alt war ein anderer amerikanischer Junge, als ihm Ärzte während der Beschneidung ebenfalls den Penis verbrannten. Wie Bruce wurde er als Mädchen aufgezogen. Und fühlte sich wohl. Im Alter von 16 Jahren bestand sie darauf, vollständig zur Frau umoperiert zu werden – obwohl sie von ihrer Geburt als Junge wusste. »Die plausibelste Erklärung dafür ist, dass die Erziehung als Mädchen die möglicherweise vorhandenen vorgeburtlichen männlichen Prägungen aufhob«, sagt Susan Bradley, Psychiaterin an der University of Toronto, die das Kind untersuchte.

Denn Eltern und Umwelt vermitteln schon vom ersten Lebenstag an Geschlechterrollen, zeigen so genannte »Baby-X-Versuche«: Konfrontiert man Erwachsene mit einem neutral gekleideten Baby, behandeln sie das Kind anders, je nachdem, ob ihnen gesagt wurde, dass es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Bei »männlichen« Kindern wählen sie eher ein Auto als Spielzeug, bei »weiblichen« eine Puppe. Angebliche Jungen animieren die Versuchspersonen zu körperlicher Aktivität, mit mutmaßlichen Mädchen gehen sie fürsorglicher um. Erschrickt das Kind, interpretieren sie das bei Mädchen als Angst, bei Jungen als Ärger.

Auf diese Weise werden ein bestimmtes Verhalten und auch bestimmte Denkmuster gelernt. Lernen aber verändert die Nervenverbindungen im Gehirn.

Es ist denkbar, dass Mädchen ein größeres Sprachzentrum entwickeln, weil sie stärker angeregt werden, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren, als Jungen, die schweigend mit Autos spielen. »Aus der Neurowissenschaft weiß man, dass das Gehirn immer ein Ergebnis dessen ist, was man gelernt und erfahren hat – warum sollte diese Plastizität des Gehirns bei Geschlechterfragen keine Rolle spielen und alles vorbestimmt sein?«, fragt Sigrid Schmitz, Biologin im Kompetenzforum für Genderforschung in Informatik und Naturwissenschaften an der Universität Freiburg.

»Wir lernen uns in unsere Geschlechterrollen hinein«, sagt auch Lutz Jäncke. Gut möglich, dass die anatomischen Unterschiede im Gehirn von Männern und Frauen erst im Laufe der Zeit entstanden sind, denn untersucht wurden nur Erwachsene. Und vermutlich stellen sie mehr oder weniger eine Momentaufnahme dar. »Das Gehirn ist eine Lernmaschine. Es hat eine ungeheure Kapazität, sich immer wieder neu zu strukturieren«, sagt der Neuropsychologe. Wenn eine Frau also überzeugt ist, nicht einparken zu können, wird sie vermeiden, es zu tun, weshalb im Gehirn keine entsprechenden Nervenverbindungen sprießen. Wenn sie aber übt, hat sie irgendwann ein Hirn, dem Einparken leicht fällt.

»Zu behaupten, Männer und Frauen hätten unterschiedliche Gehirne, führt nicht weiter«, sagt Jäncke. »Vielleicht gibt es ein paar Unterschiede. Aber wir wissen nicht, wie sie mit dem Verhalten zusammenhängen, das wir beobachten.« Jäncke hält die Suche nach Unterschieden für müßig: »Man kann im Zweifel auch mit völlig unterschiedlichen Gehirnen die gleichen Leistungen erbringen.«

Vorurteil:
Frauen denken anders

Legt man einem Neuroanatomen ein Gehirn vor und fragt nach dem Geschlecht, wird er ziemlich ratlos sein. Selbst Aufschneiden hilft nicht. Und auch Psychologen fehlt ein Verfahren, das Männer und Frauen sicher auseinander hält. »Tests zeigen höchstens statistische Unterschiede zwischen Frauen- und Männergruppen«, sagt Markus Hausmann, »für den Einzelnen sind sie nicht treffsicher.« Das Hauptproblem der Mars-Venus-Bücher: Sie schließen aus statistischen Mittelwerten auf das Einparkverhalten jeder Einzelnen.

Es gibt lediglich einen Versuch, bei dem Männer und Frauen oft unterschiedliche Ergebnisse erzielen: den mentalen Rotationstest, der das räumliche Vorstellungsvermögen fordert. Dabei sollen mehrere dreidimensionale Figuren auf Übereinstimmungen überprüft werden. Dafür muss man die Figuren im Kopf drehen, was Männern leichter zu fallen scheint.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Hormone dafür verantwortlich sind. Zwar sind Sexualhormone bei Männern und Frauen nicht grundverschieden. Beide Körper produzieren sowohl männertypische Hormone wie Testosteron als auch frauentypische wie Östrogen, allerdings in unterschiedlichen Konzentrationen: Männer haben durchschnittlich zehnmal so viel Testosteron im Körper wie Frauen. Das aber hilft offenbar beim mentalen Rotieren, denn Frauen mit hohen Testosteronwerten schneiden dabei ebenso wie Männer besser ab. Die »weiblichen« Östrogene dagegen blockieren die geistige Dreherei.

Die Werte ändern sich mit dem monatlichen Zyklus. Während der Menstruation, wenn die Östrogenwerte niedrig sind, beherrscht auch die Durchschnittsfrau das Rotieren besser. Mindestens einmal pro Monat, ausgerechnet während ihrer Tage, nähert sich ihr räumliches Denken also dem des Durchschnittsmanns an.

Ähnlich unstet ist die Ordnung im Gehirn selbst. Männer verarbeiten Sprache und räumliche Aufgaben eher getrennt in rechter und linker Hirnhälfte. Frauen nutzen beide Hirnhälften gleichzeitig, ihr Oberstübchen funktioniert symmetrischer. Welchen Effekt das hat, ist bisher unklar. Doch eine Studie von Hausmann zeigt: Während der Menstruation verarbeitet auch das weibliche Gehirn Aufgaben asymmetrisch – links Sprache, rechts Raum. Und nach den Wechseljahren, wenn die Konzentration an weiblichen Sexualhormonen sinkt, funktioniert das Gehirn der Frauen ebenfalls eher nach männlichem Muster. Frauen denken also nur zu ganz bestimmten Zeiten in ihrem Leben anders.

Vorurteil:
Frauen sind hormongesteuert

Die Hormonkonzentration beeinflusst nicht nur Denken und Verhalten, sondern auch umgekehrt. Markus Hausmann ließ Männer und Frauen in zwei gemischten Gruppen gegeneinander antreten: Sie sollten um die Wette mentale Rotationsaufgaben lösen. Beiden Gruppen legte Hausmann vorher einen Test vor. Mit Fragen wie »Ist jemand, der gut räumlich denken kann, eher ein Mann oder eine Frau?« ermittelte er in der einen Gruppe Stereotype über Geschlechterrollen. Die andere Gruppe bekam die gleichen Fragen, jedoch nicht mit »Mann« und »Frau«, sondern mit den ziemlich sinnfreien Alternativen »Amerikaner« oder »Deutscher«. Das Ergebnis war verblüffend. In der Gruppe mit dem Mann-Frau-Stereotyp-Test waren die Männer bei den Rotationsaufgaben deutlich besser. In der Vergleichsgruppe dagegen gab es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Eine Erklärung dafür fand Hausmann, als er nach dem Versuch die Hormonspiegel seiner Probanden maß, zumindest bei den Männern. Nach dem Stereotyptest hatten sie deutlich erhöhte Testosteronspiegel. Ihre Gedanken könnten – in Verbindung mit der Wettbewerbssituation – den Körper dazu gebracht haben, mehr Testosteron ins Blut auszuschütten, und so die Testleistung gepusht haben, vermutet Hausmann.

Auch Männer sind also hormongesteuert. Was nicht verwundert, denn Hormone vermitteln zwischen Umwelt, Körper und Gehirn. Auch bestimmte soziale Situationen können den Hormonspiegel verändern. Väter haben weniger Testosteron als Singlemänner oder Nichtväter. Rugbyspielerinnen haben vor einem Spiel einen höheren Testosteronwert als an spielfreien Tagen.

»Das alles zeigt, wie wenig es möglich ist, einzelne Studienergebnisse zu verallgemeinern«, sagt Hausmann. Studien zu Geschlechterunterschieden, in denen der Hormonstatus nicht gemessen wurde, sind nach den neuen Ergebnissen nicht allzu viel wert. Hausmann ist überzeugt: Es gibt ein paar Unterschiede im Denken zwischen Männern und Frauen. Doch wie stark die sind – und ob man überhaupt welche findet –, hängt vor allem vom Messzeitpunkt ab.

Vorurteil:
Frauen haben keinen Orientierungssinn

Frauen lösen bestimmte räumliche Aufgaben bisweilen also schlechter. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie deshalb ein schlechteres Orientierungsvermögen hätten. »Tests wie die mentale Rotation messen nur ganz spezielle Fähigkeiten«, warnt Markus Hausmann, »über den Alltag sagt das nicht viel aus.« Auch Rotationsnieten können sich im echten Leben prima orientieren. Also müssen andere Versuche her.

Ein Mann und eine Frau werden in einer Stadt ausgesetzt. Wer findet am schnellsten den Weg zum Bahnhof zurück? Psychologen der Universität Marburg probierten es mit Studenten aus. Der Test endete unentschieden. Männer und Frauen bewältigten ihn gleich gut. Trotzdem hielten die Frauen ihren Orientierungssinn fast durchweg für schlechter.

Diese Selbsteinschätzung könnte einen Teufelskreis in Gang setzen, mutmaßen die Wissenschaftler: Desinteresse an geografischem Wissen, keine Übung mit Landkarten und infolgedessen schlechte Erfahrungen, die das Selbstbild weiter herunterziehen. Die Durchschnittsfrau nutzt zur Navigation eher Orientierungspunkte, der Durchschnittsmann hat eher Überblickswissen, eine Art Karte im Kopf, sagen fast alle Untersuchungen. »Gehen Sie bis zur Ampel, dort rechts und am Supermarkt links« ist demnach eine eher weibliche Erklärung. »Biegen Sie nach 500 Metern nach Norden ab, 400 Meter weiter wenden Sie sich nach Osten« eine eher männliche.

Doch eine Berliner Untersuchung zeigte: Dieser Unterschied besteht gar nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen guten und schlechten Navigierern. Die angeblich so fest sitzenden Geschlechterunterschiede rühren offenbar einzig daher, dass im Schnitt mehr Männer gut und mehr Frauen schlecht in Orientierung sind.

Das aber ist kein Schicksal, sondern gelernt, zeigte die Psychologin Claudia Quaiser-Pohl in einer Untersuchung mit Kindern zwischen 10 und 14 Jahren: Mädchen erkunden von klein auf weniger selbstständig die Umgebung, nutzen lieber schon bekannte Wege und werden häufiger von ihren Eltern zu entfernten Zielen gefahren als Jungen, die selbst hinradeln. Möglicherweise haben Männer zu einem gewissen Grad bessere Grundvoraussetzungen für die Orientierung. »Doch Orientieren und Kartenlesen kann man üben«, sagt die Neurobiologin Kirsten Jordan von der Abteilung für medizinische Psychologie der Universität Göttingen, die darüber forscht, wie Training das räumliche Orientierungsvermögen verbessert.

Vorurteil:
Frauen sind schlecht in Mathe

Im Januar 2005 behauptete Larry Summers, damals noch Präsident der Elite-Uni Harvard, es gebe so wenige Frauen in den Naturwissenschaften, weil sie dazu weniger begabt seien. Summers trat nach dem folgenden Skandal von seinem Amt zurück. Doch die Diskussion war damit nicht beendet. Auf den ersten Blick spricht einiges für Summers These: Denn in den Scholastical Aptitude Tests (SAT), mit denen die Leistung amerikanischer Universitätsbewerber geprüft wird, erreichen bei den mathematischen Aufgaben fast ausschließlich Männer die höchsten Punktzahlen.

Schaut man die verfügbaren Daten jedoch genauer an, sind diese längst nicht mehr so klar. Die Psychologin Janet S. Hyde sammelte 159 Studien über die mathematischen Fähigkeiten von Mädchen. In ihrer Analyse stellte sie fest: Vor der Pubertät gibt es kaum Unterschiede in den Mathematikleistungen zu den Jungen. Je älter die Probanden werden, umso größer wird jedoch der Vorsprung der Männer.

»Ich wäre sehr vorsichtig, diese Daten als angeborene mathematische Überlegenheit der Männer zu deuten«, sagt der Neuropsychologe Lutz Jäncke, der auch über Genies forscht – und inzwischen überzeugt ist, dass es keine geborenen Genies gibt. »Leistung setzt sich immer aus drei Faktoren zusammen: Begabung, Motivation und Möglichkeit. Wenn eine Frau mathematisch begabt ist, aber in der Pubertät erfährt, dass Physikerinnen aufgrund fehlender Rollenmodelle noch immer als nicht besonders attraktiv gelten, dann fehlt ihr möglicherweise die Motivation für Höchstleistungen. Sie trainiert nicht mehr.«

In entlegenen nordschwedischen Regionen sind Mädchen deutlich besser in Mathematik und Physik als ihre Mitschüler. Doch nicht Gene oder Hormone sind dafür verantwortlich, sondern soziale Gründe: Männer finden in der Region Arbeit als Fischer, Jäger oder Förster. Die Frauen dagegen wollen in die großen Städte Südschwedens ziehen – wo sie in High-Tech-Berufen mit anderen Bewerbern konkurrieren müssen. Das spornt sie an.

Unbewusste Vorurteile wie »Männer sind begabter« oder »Eine echte Frau kann nicht gut in Mathe sein« können die Motivation beträchtlich senken, zeigte der Sozialpsychologe Paul Davies von der University of California in Los Angeles. Weibliche Mathe-Cracks lösen schwierige Matheaufgaben schlechter, wenn man ihnen vorher sagt, ihre Leistungen würden mit denen von Männern verglichen. Ihre Leistung bricht auch ein, wenn sie vorher Werbespots sehen, in denen Frauen etwa eine Backmischung anpreisen – also in stereotypen Rollen auftauchen. Sogar die Berufswünsche der mathematisch begabten College-Studentinnen änderten sich nach solchen Filmen. Sie wollten dann eher Linguistik oder Journalismus studieren. Frauen in einer Vergleichsgruppe, die einen nichtstereotypen Werbespot gesehen hatten, tendierten dagegen ebenso häufig wie Männer zu Fächern, die viel Mathematik voraussetzen. Stereotype threat, Bedrohung durch Stereotype, nennt Davies diesen Effekt.

Der Neurobiologe Ben Barres von der Stanford University hat die hinderlichen Vorurteile selbst erlebt. Bis vor zehn Jahren hieß er Barbara und war eine Frau. Obwohl auf der Highschool die Beste in Mathe, riet ihr Lehrer davon ab, sich am ehrenwerten MIT zu bewerben, und schlug ein College in der Nähe vor. »Als Studentin am MIT löste ich dann als Einzige in einem Kurs eine schwierige Matheaufgabe – nur um mir vom Professor anhören zu müssen, die habe ja sicher mein Freund gelöst.« Und als er, nun Ben, einen Vortrag über Forschungen hielt, die er als Barbara gemacht hatte, hörte er Kollegen flüstern, die Arbeit von Ben Barres sei ja viel besser als die seiner Schwester. »Die wissenschaftlichen Daten liefern keinen überzeugenden Beweis dafür, dass Frauen weniger begabt für Mathematik oder Naturwissenschaften wären«, sagt Barres. »Im Gegenteil: Die Daten beweisen, dass Frauen in solchen Fächern diskriminiert werden.«

Vorurteil:
Frauen sind infolge der Evolution ganz anders als Männer

Männer robben durch den Wald, jagen nach wilden Tieren und stieren abends schweigend ins Lagerfeuer. Frauen sitzen in der Höhle, betüddeln die Kinder und sammeln ab und zu vor dem Eingang ein paar Pilze. Und natürlich reden sie dabei ununterbrochen. Gern wird eine solche Urzeitidylle heraufbeschworen, um die angeblichen biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu begründen. Schließlich stecken noch immer steinzeitliche Gene in uns. Weil Männer weite Strecken zurücklegten, können sie sich besser orientieren, Frauchen brauchten das nicht. Weil sie Tieren nachstellten, entwickelten sie die Fähigkeit zur mentalen Rotation, Frauen nicht. Und weil sie die emotionalen Aufgaben an ihre Frauen delegierten, haben sie in diesem Bereich ein Defizit.

Das Problem bei solchen evolutionsbiologischen Begründungen ist, dass man sie nicht nur nicht beweisen kann, sie sind sogar ziemlich zweifelhaft. Die Rollenaufteilung vor Tausenden von Jahren war mitnichten so strikt, hat man durch neuere archäologische Funde und die Beobachtung von Menschen herausgefunden, die heute noch als Jäger und Sammler leben. »Wahrscheinlich gingen Frauen auch mit auf die Jagd«, sagt Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums in Mettmann. »Oft unternahm man Treibjagden, bei denen jeder gebraucht wurde, der gut zu Fuß war.« Umgekehrt kümmerten sich auch die Männer um die Kinder. Die Prähistorikerin Linda R. Owen von der Universität Tübingen ist sicher: »Frauen waren auch ohne Männer sehr beweglich, sie waren oft wochenlang unterwegs, legten weite Strecken zurück und mussten sich sehr wohl orientieren.«

Hinzu kommt: Wie stark unser Verhalten überhaupt durch unsere Gene gesteuert wird, ist noch völlig unklar. »Ich halte nicht viel von solchen Rückgriffen auf die Evolution, das ist alles ziemlich spekulativ«, sagt Biopsychologe Hausmann. Denn manchmal ändern sich die Dinge schneller, als die Evolution erlaubt. Wer die Studien der vergangenen 50 Jahre vergleicht, stellt fest: Die Geschlechterdifferenzen werden immer weniger. Männer verbessern ihre verbalen Fähigkeiten, Frauen lösen räumliche Aufgaben immer fixer. Der Grund sind die massiv gewandelten Geschlechterrollen. Das alles lasse nur einen Schluss zu, sagt der Neuropsychologe Lutz Jäncke: »Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen verschwinden zunehmend.«

Das muss sich aber wohl erst noch herumsprechen. Nach einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von ZEIT Wissen sind immer noch nur 60,1 Prozent der befragten Frauen der Meinung, gut in Mathematik zu sein, im Gegensatz zu 77,1 Prozent der Männer. Beim Einparken ist die Differenz noch größer: 51,7 Prozent der Frauen glauben, es gut zu können, aber gleich 79,2 Prozent der Männer.

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Leserkommentare
  1. 'Wissenschaftler suchten nach Beweisen – und fanden Unterschiede: Das Gehirn von Frauen ist kleiner und leichter. Die Differenz zu einem gleich großen Mann beträgt etwa 100 Gramm. Dennoch schneiden Frauen in Intelligenztests genauso gut ab.'

    Diese Aussage ist schlicht falsch. Richtig ist: Frauen schneiden bei Intelligenztests _IM DURCHSCHNITT_ genauso gut ab wie Männer. Allerdings ist die Glockenkurve der Normalverteilung in Intelligenztests bei Männern breiter als bei Frauen. Das bedeutet: Es gibt mehr hochintelligente Männer als Frauen - und auch mehr Männer mit schweren Intelligenzdefiziten. Im Schnitt ergibt das das gleiche Mittel, aber eben nur im Schnitt.

    Der Unterschied ist trotzdem von Belang, denn während die höhere Zahl der kognitiv schwachen Männer für höhere Insassenzahlen ihres Geschlechts in Gefängnissen sorgt, wird die wissenschaftliche Elite der Menschheit vornehmlich vom intelligentesten Bruchteil an der Spitze der Glockenkurve getragen. Untersuchungen zeigen, dass für extrem hohe IQ-Werte die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen ein immer krasseres Ungleichgewicht offenbaren: Je höher ein IQ am äußersten Ende der Skala, desto wahrscheinlicher, dass es sich bei der Testperson um einen Mann handelt. Möglicherweise ist das ja eine der Ursachen dafür, dass auf Frauen nur 2% aller Nobelpreise in den Naturwissenschaften entfallen.

    Unabhängig davon, welche Gründe man für das schlechte Abschneiden der Frauen in den Naturwissenschaften verantwortlich macht (Unterdrückung der Frau, gesellschaftliches Umfeld, Rollenbilder, Erziehung, etc. etc.), sollte man vielleicht endlich auf Seiten der Feministinnen anerkennen, dass mindestens neun Zehntel der wissenschaftlichen Errungenschaften der Menschheit von Männern stammen. Dass unser Leben also ohne die bösen Männer besser wäre, darf bezweifelt werden. Vielleicht gäbe es keine Kriege, aber es gäbe höchstwahrscheinlich auch keine Nutzung der Elektrizität. Alles hat eben seine zwei Seiten. Die meisten der brutalsten Gewalttäter, dümmsten Idioten, gefühlslosen Tötungsmaschinen sind Männer. Aber auch die meisten Genies. Offenbar sind die Gewalttäter der Preis für die Genies. Zweifellos wäre die Wissenschaft aber ohne letztere nicht existent.

    Der bekannte amerikanische Wissenschaftler Charles Murray schreibt dazu:

    'Through high school, girls earn better grades in math than boys, but boys usually do better on standardized tests. The difference in means is modest, but the male advantage increases as the focus shifts from means to extremes. In a large sample of mathematically gifted youths, for example, seven times as many males as females scored in the top percentile of the SAT mathematics test. We do not have good test data on the male-female ratio at the top one-hundredth or top one-thousandth of a percentile, where first-rate mathematicians are most likely to be found, but collateral evidence suggests that the male advantage there continues to increase, perhaps exponentially.'

    Quelle: Charles Murray, 'The Inequality Taboo', [ Wir können leider nicht alle Verweise auf andere Internetseiten prüfen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Links gelöscht werden. gez. Die Redaktion ]

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    • sundawn
    • 13. Dezember 2006 11:07 Uhr

    werden mal psychologische Befunde in die populären Medien übertragen. All das war und ist Inhalt des Studiums der Psychologie. In diesem Artikel steht für mich zwar kaum was neues, aber es ist sehr angenehm endlich mal in der Öffentlichkeit davon zu lesen.
    Allzu oft musste ich über ebenjenes Thema referieren wenn es darum ging, dass Frauen doch so schlecht einparken, rechnen oder Männer nicht so gute verbale Fähigkeiten haben.
    Ein kleines Missverständnis gibt es jedoch. Es ist die Krux der Statistik selbst, dass man von der Statistik nicht auf Einzelfälle schließen kann. Das ist immer und überall so.
    Ansonsten. Super Artikel.
    Danke Zeit-Wissen

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    • Karmann
    • 22. Januar 2009 12:03 Uhr

    Wir sammeln in unserem Blog schon eine Weile alle sog. Studien zum Unterschied Frau/Mann, die die Zeitungen so gerne auf ihren bunten Seiten veröffentlichen. "Frauen haben Angst vor dem Tanken" oder "Männer sagen öfters 'ich liebe dich', und solche Dinge. EInfach mal reinlesen:

    http://www.geschlechterkr...

    • rijukan
    • 13. Dezember 2006 13:00 Uhr

    Die Autorin trägt interessante Informationen zusammen, drängt aber dem Leser eine fehlerhafte Interpretation auf.

    Vor allem ignoriert der Artikel wie so viele feministische Ansätze zentrale Aspekte des Themas. Zuvorderst ist das die Frage der Motivation. Es mag sein, daß die (nachgewiesenen) statistischen Unterschiede, die zwischen männlichem und weiblichem Gehirn und Verhalten schon im Säuglingsalter existieren, relativ gering sind - so daß sie, gleiches 'Training' des Gehirns vorausgesetzt, auch gering bleiben oder gar nivelliert werden könnten. Aber das unterschiedliche 'Training' ist eben nicht nur Resultat der bösen Umwelt, sondern in nicht unterheblichem Maße Resultat der Motivation des Gehirnbesitzers.

    Wer mehr Spaß, mehr Interesse an einem Themengebiet hat, der wird sich mehr damit beschäftigen. Dadurch wird er darin besser sein als andere - und erhölt wiederum Anreize, weiterzumachen. Können und Motivation verstärken sich laufend gegenseitig. Selbst kleine Unterschiede in den Anfängen (etwa das Interesse an technischen Dingen, das männliche Säuglinge dazu bringt, ein maschinenähnliches Ding doppelt so lang anzuschauen wie die weiblichen) können so später zu großen Unterschieden führen.

    Bedeutender dürfte allerdings sein, daß auch unabhängig von der neurolalen 'Erstausstattung' Hormone eine zentrale Rolle auf die Motivationslage haben. Die Studien, die der Artikel benennt, belegen bereits, daß der Hormonspiegel das Denken verändert. Ungleich größer als auf die Fähigkeit, Denksportaufgaben zu bewältigen, ist der Einfluß der Hormone aber auf die Motivation: woran habe ich Interesse?

    Nehmen wir Mutterschaftsgefühle, also das Interesse und Mitgefühl für alles Niedliche, Hiflose. In jedem menschlichen Gehirn, weiblich oder männlich, sind 'Schaltkreise' dafür vorhanden, das sei der Autorin zugestanden. Aber ob sie aktiv werden, darüber bestimmen maßgeblich Hormone, unter anderem das 'Mutterschaftshormon' Prolaktin, und das wird nun mal (statistisch gesehen, Ausnahmen bestätigen die Regel) im Körper von Frauen (vor allem beim Vorliegen äußerer Reizem, wie einer Schwangerschaft oder dem Umgang mit kleinen Kindern) in deutlich größerem Umfang ausgeschüttet als in dem von Männern.

    Daß die Unterschiede etwa der Mathematikleistungen bei Grundschulkindern geringer sind als bei Erwachsenen, ist kein überraschender Befund. Die hormonellen Unterschiede sind zwischen Geburt und Pubertät relativ gering (gleichwohl sind sie vorhanden, und wie erläutert haben kleine Unterschiede in der Anfangsphase später - erst später! - große Auswirkungen). Doch dann kommt die Puberträtubertät, und von diesem Zeitpunkt an muß man offensichtlich davon ausgehen, daß sich nicht nur die Denkweise von Jungen und Mädchen unterscheidet, sondern auch ihre Motivationslage.

    Die typischen Rangkämpfe von Jungs zum Beispiel, ihr Interesse an Wettkämpfen aller Art, dürfte hormonell bedingt sein (Testosteron). Also raufen Jungs nicht nur häufiger als Mädchen, sie haben auch mehr Spaß an strategischen Spielen, die ganz nebenbei das räumlich-analytische Denken schulen. Wer das nicht glaubt, der sollte mal in die Kinderzimmer schauen: fast alle Computerspiele, selbet egoshooter, sind zumindest auch strategisch-taktisch ausgerichtet, und diese Spiele erfreuen sich bei Jungs einer SEHR viel größeren Beliebtheit als bei Mädchen.
    Oder man zähle in einem beliebigen Schachclub die Frauen. Nur anerzogenes Desinteresse? Ich bin ein begeisterter Brettspieler - Frauen zu finden, die Spaß an komplexen strategischen Spielen haben, ist mir in meiner Studentenzeit seltenst gelungen, und das gilt auch und gerade für Spiele, die ganz neu auf dem Markt waren.

    Es gibt also hormonell bedingte Verhaltens- und Motivationsunterschiede. Zusammen mit schon bei der Geburt vorhandenen, wenngleich kleinen Unterschieden (die ihrerseits wohl auf unterschiedliche hormonelle Einflüsse im Mutterleib zurückgehen dürften) führen sie dazu, daß männliche und weibliche Gehirne sich in aller Regel unterschiedlich entwickeln, und zwar im Wege der Selbstoranisation und der wechselseitigen Verstärkung der Einzelaspekte.

    Lächerlich wird der Artikel, wenn er solche 'nur' hormonell bedingten Einflüsse als 'nicht genetisch' bedingt abtut, so, als wären sie deshalb weninger bedeutsam. Die unterschiedliche hormonelle Ausstattung von Männer und Frauen IST nun mal angeboren (und letztlich genetisch bedingt). Daß ein kleiner Junge, dem man den Hodensack wegoperiert, sich unter Umständen mit einer Mädchenrolle anfreundet, hilft mir nicht weiter, solange ich die Männer nicht samt und sonders kastrieren will (was, dem eigenen Auftreten nach, das heimliche Ziel so mancher Frauenrechtlerin war). Daß umgekehrt selbst die Kastration zumindest nicht immer für eine solche 'Umpolung' ausreicht, zeigt, wie stark bereits die bis zur Geburt angelegten Unterschiede sich auswirken.

    30 Jahren Frauenemanzipation haben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht annähernd zum Verschwinden gebracht. Sie haben den Menschen mehr Freiheit gebracht (das ist zu begrüßen), aber leider auch dazu geführt, daß gerade die emanzipierte europäische Frau tendenziell kinderlos bleibt. Den Feminismus dahingehend zu korrigieren, daß die Freiheit für Frauen erhalten bleibt, aber trotzdem eine stabile Gesellschaft entsteht, das wäre das Gebot der Stunde. DIe Autorin aber empfiehlt uns munter die Rezepte von vorgestern.

    Heute hat jeder 3. Jugendliche in Deutschland einen 'Migrationshintergrund', davon die Hälfte einen muslimischen - und ein ausgesprochen patriarchalisches Denken. Innerhalb von einigen Jahrzehnten könnte der gesellschaftliche, vom heutigen liberalen Bürgertum getragene Konsens über die Gleichberechtigung der Frau (wie auch über andere Werte des aufgeklärten Westens) kippen. Es steht damit zu befürchten, daß die Emanzipation sich langfrisrig selbst abschafft. Wer Frauenrechte sichern will, indem er weiterhin darauf setzt, die bestehenden Unterschiede 'wegerziehen' zu können, der wird in einigen Jahrzehnten ein böses Erwachen erleben.

    Ich fordere daher die Autorin auf, sich der Relaität zu stellen - und ein weibliches Selbstbild zu etablieren, das auch noch ihren Urenkelinnen (so sie nicht kinderlos ist) ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Der Gleichmacher-Feminismus kann das nicht bieten - er ist sein eigener Totengräber.

    Eine Leserempfehlung
  2. Ich denke, zu den Argumenten, die BGrabe da anführt, sollte noch etwas gesagt werden:

    'dass genau diese marginalen Unterschiede die Entwicklung der Geschlechter maßgeblich beeinflussen.'

    Nein, was da wirklich steht, ist, dass vor allem die Sozialisation die Entwicklung der Geschlechter maßgeblich beeinflusst, weit mehr, als der genetische Einfluss das je rechtfertigen könnte.

    'realen Lebensumständen (Geburt und Aufzucht von Kindern)'

    Wie viele Kinder bekommt denn die durchschnittliche Frau hier in Deutschland? Nicht mal Zwei! Wenn ich da jetzt großzügig zwei Jahre dafür veranschlage bei einer Lebenserwartung bei neugeborenen Mädchen von 86,5 Jahren (Jungen knapp 80 Jahre)
    frage ich mich, von welchen realen Lebensumständen Sie da sprechen? So ein kurzer Abschnitt im Leben soll gleich die Frauen an den Herd verdammen? Das wird doch locker in den 6,5 Jahren erledigt, in der sie länger als die Männer leben.
    Und Kinder aufziehen, das können Männer genauso gut, und sie würden vermutlich davon profitieren, da ihren Beitrag zu leisten.

    'Andererseits sind die Rollenverhältnisse gar nicht so leicht aufzulösen, weil sie schlicht und einfach handfeste wirtschaftliche Vorteile haben, die mit den eher durchaus berechtigten, aber Egozentrierten bestreben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit der Frauen und der 'Selbstverwirklichung' konkurrieren.'

    Also wenn Frauen nach Selbstverwirklichung streben, sind sie gleich mal egozentriert? Das ist also bei Männern so nicht der Fall, und Frauen haben da halt mal einfach zurück zu stecken?
    Die 'handfesten wirtschaftlichen Vorteile' werden übrigens von unserem Staat so in die Gesetze rein geschrieben, weil von der Regierung immer noch das alte Ernährermodell gefördert wird, durch Instrumente wie das Ehegattensplitting und die nette Idee, dass Frauen Rente fürs Kinder aufziehen bekommen. Dass so wirtschaftliche Anreize für Familien geschaffen werden, dass Frauen zurückstecken, wenig verdienen und Kinder aufziehen ist der Politik zuzuschreiben und die ist nicht ökonomisch sondern ideologisch gerechtfertigt.

    Ja, und dass Frauen weniger verdienen, nachdem sie Jahrelang vom Arbeitsmarkt fern bleiben, um Kinder aufzuziehen, weil sie eben keine Kinderkrippen und Kindergärten haben, die das andere Familienmodell, das der Doppelverdiener unterstützt, wen wunderts? Auch das wird von der Politik bestimmt, die es offensichtlich für eine gute Idee hält, gut ausgebildete Frauen zum Kinder hüten abzustellen. Ich frage mich, wie der Staat sich das leisten kann? Erst so viel in die Ausbildung dieser Frauen zu investieren und sie dann zum Kochen an den Herd zu stellen?

    'Bisher gibt es keine vernünftige Lösung für dieses Dilemma, da die staatliche Förderung, so sie denn dieses Problem kompensieren wollte, aus ökonomischen Gründen niemals dafür ausreichen wird.
    Aus diesem Grunde bleibt nur die Doppelbelastung für die Frau, die beides will, Kind und Karriere.'

    Dänemark ist übrigens ein schönes Beispiel für einen Staat, in dem das Doppelverdiener-Modell gefördert wird (z.B. Krippen, angepasstes Steuermodell etc.). Dort arbeiten nicht nur mehr Frauen sondern sie bekommen auch noch gleichzeitig mehr Kinder(!). Ach ja, und die Männer helfen auch noch etwas mehr im Haushalt, von einer Doppelbelastung kann da also nicht mehr so die Rede sein.
    Für mich sieht das nach einer sehr vernünftigen Lösung aus, alles was es gebraucht hat war eine Umverteilung der staatlichen Subventionen. Das ist kein Verlustgeschäft und würde viele Probleme lösen, über die wir hier in Deutschland gerne nur reden.

    'Nämlich die Aufwertung der klassischen weiblichen Betätigungsfelder, die es erlauben würde reale Macht auszuüben und dieses Betätigungsfeld nach und nach in die meisten gesellschaftlichen Bereiche inkl. der Forschung auszuweiten.'

    Das ist ein ziemlich wirres Argument, was hätten wir von einer Aufwertung dieser Betätigungsfelder? Klar wäre es schön, wenn ErzieherInnen und (Grundschul-)LehrerInnen besser entlohnt würden und sich deshalb vielleicht auch mehr Männer in diese Berufsfelder verirren würden, siehe aktuelle Debatten.
    Aber warum ist es nötig, die 'klassischen weiblichen Betätigungsfelder' aufzuwerten? Und was hat das mit Macht zu tun? Diese 'Klassiker' gehören aufgelöst, davon hätten wir alle mehr, wie können Sie von so einem Artikel noch schreiben, dass es für diese Geschlechtertrennung in der Arbeitswelt irgend eine rationale Begründung gibt?

    'rechne ich eher mit Rückschritten, denn einer Verbesserung der Situation.'

    Das widerspricht ganz schlicht den Tatsachen, die Tendenz geht eindeutig hin zu einer Gleichberechtigung der Geschlechter, weg vom Ernährermodell und hin zu den Doppelverdienern. Da kann Eva Hermann noch so fleißig Bücher schreiben, hätte sie ihr Leben mit Kinder aufziehen, Haus dekorieren und Ehemann verwöhnen verbracht, würde sie vermutlich keine Bücher schreiben und wenn doch, dann vielleicht über das Glück des Arbeitens. Wer weiß?

    • rijukan
    • 13. Dezember 2006 13:43 Uhr

    Aus irgendeinem Grund ist der KOmmentar nicht lesbar gewesen (da komm nur '${content}'). ALso nochmal.

    Die Autorin trägt interessante Informationen zusammen, drängt aber dem Leser eine fehlerhafte Interpretation auf.

    Vor allem ignoriert der Artikel wie so viele feministische Ansätze zentrale Aspekte des Themas. Zuvorderst ist das die Frage der Motivation. Es mag sein, daß die (nachgewiesenen) statistischen Unterschiede, die zwischen männlichem und weiblichem Gehirn und Verhalten schon im Säuglingsalter existieren, relativ gering sind - so daß sie, gleiches 'Training' des Gehirns vorausgesetzt, auch gering bleiben oder gar nivelliert werden könnten. Aber das unterschiedliche 'Training' ist eben nicht nur Resultat der bösen Umwelt, sondern in nicht unterheblichem Maße Resultat der Motivation des Gehirnbesitzers.

    Wer mehr Spaß, mehr Interesse an einem Themengebiet hat, der wird sich mehr damit beschäftigen. Dadurch wird er darin besser sein als andere - und erhölt wiederum Anreize, weiterzumachen. Können und Motivation verstärken sich laufend gegenseitig. Selbst kleine Unterschiede in den Anfängen (etwa das Interesse an technischen Dingen, das männliche Säuglinge dazu bringt, ein maschinenähnliches Ding doppelt so lang anzuschauen wie die weiblichen) können so später zu großen Unterschieden führen.

    Bedeutender dürfte allerdings sein, daß auch unabhängig von der neurolalen 'Erstausstattung' Hormone eine zentrale Rolle auf die Motivationslage haben. Die Studien, die der Artikel benennt, belegen bereits, daß der Hormonspiegel das Denken verändert. Ungleich größer als auf die Fähigkeit, Denksportaufgaben zu bewältigen, ist der Einfluß der Hormone aber auf die Motivation: woran habe ich Interesse?

    Nehmen wir Mutterschaftsgefühle, also das Interesse und Mitgefühl für alles Niedliche, Hiflose. In jedem menschlichen Gehirn, weiblich oder männlich, sind 'Schaltkreise' dafür vorhanden, das sei der Autorin zugestanden. Aber ob sie aktiv werden, darüber bestimmen maßgeblich Hormone, unter anderem das 'Mutterschaftshormon' Prolaktin, und das wird nun mal (statistisch gesehen, Ausnahmen bestätigen die Regel) im Körper von Frauen (vor allem beim Vorliegen äußerer Reizem, wie einer Schwangerschaft oder dem Umgang mit kleinen Kindern) in deutlich größerem Umfang ausgeschüttet als in dem von Männern.

    Daß die Unterschiede etwa der Mathematikleistungen bei Grundschulkindern geringer sind als bei Erwachsenen, ist kein überraschender Befund. Die hormonellen Unterschiede sind zwischen Geburt und Pubertät relativ gering (gleichwohl sind sie vorhanden, und wie erläutert haben kleine Unterschiede in der Anfangsphase später - erst später! - große Auswirkungen). Doch dann kommt die Puberträtubertät, und von diesem Zeitpunkt an muß man offensichtlich davon ausgehen, daß sich nicht nur die Denkweise von Jungen und Mädchen unterscheidet, sondern auch ihre Motivationslage.

    Die typischen Rangkämpfe von Jungs zum Beispiel, ihr Interesse an Wettkämpfen aller Art, dürfte hormonell bedingt sein (Testosteron). Also raufen Jungs nicht nur häufiger als Mädchen, sie haben auch mehr Spaß an strategischen Spielen, die ganz nebenbei das räumlich-analytische Denken schulen. Wer das nicht glaubt, der sollte mal in die Kinderzimmer schauen: fast alle Computerspiele, selbet egoshooter, sind zumindest auch strategisch-taktisch ausgerichtet, und diese Spiele erfreuen sich bei Jungs einer SEHR viel größeren Beliebtheit als bei Mädchen.
    Oder man zähle in einem beliebigen Schachclub die Frauen. Nur anerzogenes Desinteresse? Ich bin ein begeisterter Brettspieler - Frauen zu finden, die Spaß an komplexen strategischen Spielen haben, ist mir in meiner Studentenzeit seltenst gelungen, und das gilt auch und gerade für Spiele, die ganz neu auf dem Markt waren.

    Es gibt also hormonell bedingte Verhaltens- und Motivationsunterschiede. Zusammen mit schon bei der Geburt vorhandenen, wenngleich kleinen Unterschieden (die ihrerseits wohl auf unterschiedliche hormonelle Einflüsse im Mutterleib zurückgehen dürften) führen sie dazu, daß männliche und weibliche Gehirne sich in aller Regel unterschiedlich entwickeln, und zwar im Wege der Selbstoranisation und der wechselseitigen Verstärkung der Einzelaspekte.

    Lächerlich wird der Artikel, wenn er solche 'nur' hormonell bedingten Einflüsse als 'nicht genetisch' bedingt abtut, so, als wären sie deshalb weninger bedeutsam. Die unterschiedliche hormonelle Ausstattung von Männer und Frauen IST nun mal angeboren (und letztlich genetisch bedingt). Daß ein kleiner Junge, dem man den Hodensack wegoperiert, sich unter Umständen mit einer Mädchenrolle anfreundet, hilft mir nicht weiter, solange ich die Männer nicht samt und sonders kastrieren will (was, dem eigenen Auftreten nach, das heimliche Ziel so mancher Frauenrechtlerin war). Daß umgekehrt selbst die Kastration zumindest nicht immer für eine solche 'Umpolung' ausreicht, zeigt, wie stark bereits die bis zur Geburt angelegten Unterschiede sich auswirken.

    30 Jahren Frauenemanzipation haben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht annähernd zum Verschwinden gebracht. Sie haben den Menschen mehr Freiheit gebracht (das ist zu begrüßen), aber leider auch dazu geführt, daß gerade die emanzipierte europäische Frau tendenziell kinderlos bleibt. Den Feminismus dahingehend zu korrigieren, daß die Freiheit für Frauen erhalten bleibt, aber trotzdem eine stabile Gesellschaft entsteht, das wäre das Gebot der Stunde. DIe Autorin aber empfiehlt uns munter die Rezepte von vorgestern.

    Heute hat jeder 3. Jugendliche in Deutschland einen 'Migrationshintergrund', davon die Hälfte einen muslimischen - und ein ausgesprochen patriarchalisches Denken. Innerhalb von einigen Jahrzehnten könnte der gesellschaftliche, vom heutigen liberalen Bürgertum getragene Konsens über die Gleichberechtigung der Frau (wie auch über andere Werte des aufgeklärten Westens) kippen. Es steht damit zu befürchten, daß die Emanzipation sich langfrisrig selbst abschafft. Wer Frauenrechte sichern will, indem er weiterhin darauf setzt, die bestehenden Unterschiede 'wegerziehen' zu können, der wird in einigen Jahrzehnten ein böses Erwachen erleben.

    Ich fordere daher die Autorin auf, sich der Relaität zu stellen - und ein weibliches Selbstbild zu etablieren, das auch noch ihren Urenkelinnen (so sie nicht kinderlos ist) ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Der Gleichmacher-Feminismus kann das nicht bieten - er ist sein eigener Totengräber.

    Eine Leserempfehlung
  3. Der Text ist eine mehrfache Widerholung folgenden Schemas: Jemand behaupte X, das sei aber gar nicht so sicher, in Wirklichkeit gilt nämlich Y (also doch alles klar?)

    Summasummarum: Nichts genaues weiß man nicht, die einen sagen so, und die anderen so. Daraus kocht sich dann jeder das ideologische Süppchen, das ihm politisch am besten schmeckt, die Autorin eingeschlossen. Wissenschaft sieht aber anders aus.

    Eine Leserempfehlung
    • rijukan
    • 15. Dezember 2006 12:37 Uhr

    Sie schreiben: 'Wenn die Männer einen größeren Einsatz in der Kindererziehung zeigen würden..., hätten die Frauen mit Sicherheit mehr Kinder.' Wenn, wenn, wenn. Nach 40 Jahren Emanzipation haben sich die Männer in diesem Punkt so gut wie nicht verändert (lesen Sie mal mein voriges Posting über Prolaktin, und SIe kennen den Grund). Nichts spricht dafür, daß sich das ändern könnte. Statt dessen ist ihr Interesse daran, Vater zu werden, auf ein historisches Minimum gesunken, wie alle Umfragen zeigen.

    Sie selber beklagen es ja - männliche Akademiker sind noch viel öfter kinderlos als weibliche, schreiben Sie. Über die Ursachen denken Sie nicht nach - die Männer sind einfach böse, nicht?

    Ich sage Ihnen was: diese Männer wurden fast ausschließlich von Frauen erzogen, ob nun im Elternhaus, im Kindergarten, in der Grundschule. Das Märchen von den nur anerzogenen Unterschieden der Geschlechter scheint mir da irgendwie unglaubhaft.

    Ich sage Ihnen noch was. Viele dieser Männer stammen aus Scheidungsfamilien. Sie sind ohne Vater aufgewachssen, ohne Vorbild für eine solche Rolle (die Mutter hat im Zweifel auf den Papa nur geschimpft).

    SIe wissen aus eigener Erfahrung, daß vom Zeitpunkt der Trennung an der Vater im Leben seiner Kinder bestenfalls noch die Stellung eines netten Onkels innehat. Bestenfalls! Zieht die Ex-Frau ein paar hundert Kilometer weg oder verweigert sie schlichtweg die Zusammenarbeit beim Besuchsrecht (was sehr häufig vorkommt), dann Sie als Mann ihre Kinder los. Derweil zahlen SIe horrende Unterhaltsbeträge nicht nur an die Kinder, sondern vor allem an die Ex-Frau, und - speziell wenn Kinder da sind - evtl. bis zur Rente. Sie haben keinerlei Chance, jemals wieder eine neue Familie zu gründen.
    Diese Männer kennen ihre Väter als arme Schweine. Und alle anderen kennen solche Fälle zumindest aus dem Bekanntenkreis.

    Wir wäre es, wenn Sie mal darüber nachdächten, welche Gründe es in unserer Gesellschaft gibt, Kinder zu bekommen? Wirtschaftlich ist es ein Riesenverlustgeschäft. Es verbleiben ausschließlich emotionale Gründe: Kinderliebe, der Wunsch, Kinder aufwachsen zu sehen etc. Die sind bei Männern von Haus aus schwächer als bei Frauen (Prolaktinmangel!). Viel schlimmer aber ist: im Falle einer Trennung ist dieser einzige 'Vorteil' eigener Kinder beim Teufel. Und das bei Scheidungsraten von 40%.
    Ein Mann, der ohne Trauschein mit einer Frau zusammenlebt, hat Sex und seine Freiheit, ohne bei einer Trennung etwas zu riskieren. Selbst, wenn er sie heiratet, hat er gute Chancen, daß sie sich nach einer Scheidung selbst ernähren kann und muß. Sobald aber ein Kind da ist, ändert sich das schlagartig: mit oder ohne Trauschein, er zahlt der Ex Unterhalt. Bei zwei oder mehr Kindern, wenn Berufstätigkeit für die Ex vollends unzumutbar wird, im Zweifel bis zur Rente. Dazu kommt der Unterhalt für Kinder, die er kaum noch zu sehen kriegt - und denendie Mama im Zweifel einimpft, was für einen schrecklichen Erzeuger sie haben.

    Je intelligenter ein Mann ist, desto eher kapiert er das. Und je mehr er verdient, desto teurer wird der Spaß für ihn (desto größer ist der materielle Unterschied zwischen dem kinderlosen Leben und dem als Vater). Und da wundern Sie sich über die Kinderaversion der heutigen Akademiker?

    Ich sage ihnen noch was. Die höhere (wenngleich immer noch zu geringe) Kinderquote in Schweden kommt nicht daher, daß die schwedischen Frauen so glücklich damit sind, ihre kleinen Kinder im Hort abzugeben, um sich im Beruf zu 'verwirklichen'. Keine Mutter tut das gern. Die Schwedinnen tun es, weil sie müssen - ein Gehalt reicht bei der dortigen, exorbitanten Abgabenquote einfach nicht aus. Für die Männer heißt das allerdings: im Fall einer Trennung muß ich zumindest nicht für die Ex bezahlen. Umfragen zeigen: vor allem bei schwedischen MÄNNERN ist die Bereitschaft, Kinder zu zeugen, deutlich größer als bei deutschen.

    Der Grund für die höhere Geburtenrate Schwedens liegt damit darin, daß der wirtschaftliche Vorteil der Kinderlosigkeit geringer ist. Denn zur Fremdbetreuung tragen auch die Kinderlosen bei, während für die Eltern die Opportunitätskosten sinken.

    Dennoch herrscht auch in Schweden gerade unter den Gebildeten Kindermangel. Denn die Nachteile, die Kinder mit sich bringen, sind nicht ausgeglichen, sondern nur abgefedert; und die Motivation, Kinder zu haben, ist vor allem für Frauen durch das frühe 'Hergebenmüssen' gedämpft.

    Also weg mit dem einer Emanzipation, deren Haßobjekt stets, mehr noch als die Männer, Mütter gewesen sind, die sich für ihre Kinder beruflich einschränkten. Moderne Frauenpolitik müßte sich auf die Bedrürnisse von MÜTTERN konzentrieren und alles tun, damit sie NEBEN und NACH der Kinderbetreuung (statt in Ersatz derselben) beruflich aktiv sein können. Moderne Frauenpolitik käme auch VÄTERN zugute, sie wäre Umverteilungspolitik zugunsten von Mittelstandsfamilien.

    Würden Kinderlose und Kinderarme gezwungen, zugunsten fremder Kinder dasselbe zu leisten, was Eltern (incl. Opportunitätskosten) für ihre Kinder erbringen, dann, das garantiere ich ihnen, wäre der Geburtenboom beispiellos.

    Eine Leserempfehlung
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    Wenn ihre Ansichten von einee breiteren Waehlerschaft gehoert und umgesetzt wuerden, dann koennte dieses Land wieder bluehen und gedeihen!

    Danke fuer ihre guten Kommentare

    Hannes

    • rijukan
    • 15. Dezember 2006 12:37 Uhr

    Sie schreiben: 'Wenn die Männer einen größeren Einsatz in der Kindererziehung zeigen würden..., hätten die Frauen mit Sicherheit mehr Kinder.' Wenn, wenn, wenn. Nach 40 Jahren Emanzipation haben sich die Männer in diesem Punkt so gut wie nicht verändert (lesen Sie mal mein voriges Posting über Prolaktin, und SIe kennen den Grund). Nichts spricht dafür, daß sich das ändern könnte. Statt dessen ist ihr Interesse daran, Vater zu werden, auf ein historisches Minimum gesunken, wie alle Umfragen zeigen.

    Sie selber beklagen es ja - männliche Akademiker sind noch viel öfter kinderlos als weibliche, schreiben Sie. Über die Ursachen denken Sie nicht nach - die Männer sind einfach böse, nicht?

    Ich sage Ihnen was: diese Männer wurden fast ausschließlich von Frauen erzogen, ob nun im Elternhaus, im Kindergarten, in der Grundschule. Das Märchen von den nur anerzogenen Unterschieden der Geschlechter scheint mir da irgendwie unglaubhaft.

    Ich sage Ihnen noch was. Viele dieser Männer stammen aus Scheidungsfamilien. Sie sind ohne Vater aufgewachssen, ohne Vorbild für eine solche Rolle (die Mutter hat im Zweifel auf den Papa nur geschimpft).

    SIe wissen aus eigener Erfahrung, daß vom Zeitpunkt der Trennung an der Vater im Leben seiner Kinder bestenfalls noch die Stellung eines netten Onkels innehat. Bestenfalls! Zieht die Ex-Frau ein paar hundert Kilometer weg oder verweigert sie schlichtweg die Zusammenarbeit beim Besuchsrecht (was sehr häufig vorkommt), dann Sie als Mann ihre Kinder los. Derweil zahlen SIe horrende Unterhaltsbeträge nicht nur an die Kinder, sondern vor allem an die Ex-Frau, und - speziell wenn Kinder da sind - evtl. bis zur Rente. Sie haben keinerlei Chance, jemals wieder eine neue Familie zu gründen.
    Diese Männer kennen ihre Väter als arme Schweine. Und alle anderen kennen solche Fälle zumindest aus dem Bekanntenkreis.

    Wir wäre es, wenn Sie mal darüber nachdächten, welche Gründe es in unserer Gesellschaft gibt, Kinder zu bekommen? Wirtschaftlich ist es ein Riesenverlustgeschäft. Es verbleiben ausschließlich emotionale Gründe: Kinderliebe, der Wunsch, Kinder aufwachsen zu sehen etc. Die sind bei Männern von Haus aus schwächer als bei Frauen (Prolaktinmangel!). Viel schlimmer aber ist: im Falle einer Trennung ist dieser einzige 'Vorteil' eigener Kinder beim Teufel. Und das bei Scheidungsraten von 40%.
    Ein Mann, der ohne Trauschein mit einer Frau zusammenlebt, hat Sex und seine Freiheit, ohne bei einer Trennung etwas zu riskieren. Selbst, wenn er sie heiratet, hat er gute Chancen, daß sie sich nach einer Scheidung selbst ernähren kann und muß. Sobald aber ein Kind da ist, ändert sich das schlagartig: mit oder ohne Trauschein, er zahlt der Ex Unterhalt. Bei zwei oder mehr Kindern, wenn Berufstätigkeit für die Ex vollends unzumutbar wird, im Zweifel bis zur Rente. Dazu kommt der Unterhalt für Kinder, die er kaum noch zu sehen kriegt - und denendie Mama im Zweifel einimpft, was für einen schrecklichen Erzeuger sie haben.

    Je intelligenter ein Mann ist, desto eher kapiert er das. Und je mehr er verdient, desto teurer wird der Spaß für ihn (desto größer ist der materielle Unterschied zwischen dem kinderlosen Leben und dem als Vater). Und da wundern Sie sich über die Kinderaversion der heutigen Akademiker?

    Ich sage ihnen noch was. Die höhere (wenngleich immer noch zu geringe) Kinderquote in Schweden kommt nicht daher, daß die schwedischen Frauen so glücklich damit sind, ihre kleinen Kinder im Hort abzugeben, um sich im Beruf zu 'verwirklichen'. Keine Mutter tut das gern. Die Schwedinnen tun es, weil sie müssen - ein Gehalt reicht bei der dortigen, exorbitanten Abgabenquote einfach nicht aus. Für die Männer heißt das allerdings: im Fall einer Trennung muß ich zumindest nicht für die Ex bezahlen. Umfragen zeigen: vor allem bei schwedischen MÄNNERN ist die Bereitschaft, Kinder zu zeugen, deutlich größer als bei deutschen.

    Der Grund für die höhere Geburtenrate Schwedens liegt damit darin, daß der wirtschaftliche Vorteil der Kinderlosigkeit geringer ist. Denn zur Fremdbetreuung tragen auch die Kinderlosen bei, während für die Eltern die Opportunitätskosten sinken.

    Dennoch herrscht auch in Schweden gerade unter den Gebildeten Kindermangel. Denn die Nachteile, die Kinder mit sich bringen, sind nicht ausgeglichen, sondern nur abgefedert; und die Motivation, Kinder zu haben, ist vor allem für Frauen durch das frühe 'Hergebenmüssen' gedämpft.

    Also weg mit dem einer Emanzipation, deren Haßobjekt stets, mehr noch als die Männer, Mütter gewesen sind, die sich für ihre Kinder beruflich einschränkten. Moderne Frauenpolitik müßte sich auf die Bedrürnisse von MÜTTERN konzentrieren und alles tun, damit sie NEBEN und NACH der Kinderbetreuung (statt in Ersatz derselben) beruflich aktiv sein können. Moderne Frauenpolitik käme auch VÄTERN zugute, sie wäre Umverteilungspolitik zugunsten von Mittelstandsfamilien.

    Würden Kinderlose und Kinderarme gezwungen, zugunsten fremder Kinder dasselbe zu leisten, was Eltern (incl. Opportunitätskosten) für ihre Kinder erbringen, dann, das garantiere ich ihnen, wäre der Geburtenboom beispiellos.

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