Klimawandel Die Familie
Warum die Hertles keine Tiefkühlpizza essen
Am liebsten rettet Hans Hertle die Welt am Wochenende. Diesmal war das Licht im Treppenhaus dran: Er verkabelte die Lampe mit einem Bewegungssensor. Seine Frau merkte das erst am Montag, als sie die Treppe saugte und das Licht dauernd ausging. Da dämmerte ihr: »Das ist wieder eine Hans-Konstruktion.«
Hans Hertle hat sich und seine Familie auf Kohlendioxidentzug gesetzt, der Umwelt zuliebe und weil er ein Vorbild sein möchte. Kohlendioxid (CO 2 ) ist das Treibhausgas, das am stärksten zur globalen Erwärmung beiträgt. Hans Hertle verursacht nur knapp die Hälfte der CO 2 -Emissionen des Durchschnittsdeutschen. Und er will noch mehr einsparen. Deshalb der Bewegungssensor.
Familie Hertle wohnt in Waldbrunn, mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Stunde von Heidelberg entfernt, in einem Bauernhof aus dem Jahr 1784. Sabine Hertle serviert Yogi-Tee in der kuschelig warmen Wohnküche. Das meiste CO 2 produzieren die Deutschen beim Heizen, knapp ein Viertel des Jahresaufkommens. Hertles Heizung dagegen gilt als CO 2 -neutral, weil sie Holz verfeuert (dafür allerdings Feinstaub in die Luft bläst). Was an Kohlendioxid aus dem Schornstein kommt, haben die Bäume zuvor der Luft entnommen. Die Außenwände sind mit dicken Isolierschichten gedämmt. Über dem Küchentisch leuchten Energiesparlampen. Hans Hertle vergräbt seine Hände im Kapuzenpulli, als schalte er selbst in den Energiesparmodus, und beim Reden macht er den Mund nicht weit auf, als wolle er auch noch einen Teil der warmen Luft zurückhalten. Er sagt: »Mein Vater war Diakon, mein Bruder ist Pfarrer. Das Missionarische liegt wohl in den Genen.«
Hertles Mission ist ein umweltfreundliches Deutschland. Seit 18 Jahren untersucht er am Institut für Energie und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg Schadstoffemissionen. Früher kämpfte er gegen den Ausstoß von Schwefel- und Stickoxiden, dann gegen den von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), heute gegen Kohlendioxidemissionen. CO 2 ist seine größte Herausforderung. Es wird immer mehr. Am ifeu berechnet Hertle die CO 2 -Bilanzen ganzer Städte und macht Vorschläge fürs Energiesparen. Das Problem: Die Leute ändern ihren Lebensstil nicht. Sie sind nicht so wie seine Familie, die auf ein Tiefkühlfach verzichtet, nicht mit dem Flugzeug verreist und in der schon die fünfjährige Tochter Barbara die Steckerleiste ausknipst, damit die Stereoanlage nicht auf Stand-by bleibt.
Deshalb plädiert Hertle, der seine Mails mit »umweltfreundlichen Grüßen« beendet, nicht nur für ein besseres Leben, sondern auch für strengere Vorschriften. »Bevor 80 Millionen Deutsche sich die falschen Steckerleisten kaufen, verbiete ich doch lieber die Geräte ohne Ausschaltknopf.« Auch besser isolierte Häuser solle man vorschreiben. »So wie damals die Gurtpflicht.«
Früher galten Leute wie er als Ökofanatiker, heute sind sie die Avantgarde. Vor kurzem fragte ihn ein Einheimischer aus dem Dorf, ob er sein Haus mit Styropor oder mit Kork dämmen sollte.
Max Rauner
Ökologischer Fußabdruck
10,5 Tonnen
: Deutschlands jährliche CO
2
-Emissionen pro Einwohner.
6 Tonnen
: Hans Hertles jährliche CO
2
-Emissionen, davon 1,2 Tonnen fürs Pendeln zur Arbeit mit der S-Bahn. Die nutzt keinen Ökostrom.
Kohlendioxid sparen kann jeder – mehr, als man denkt
Jährliche Emission eines Deutschen fürs Heizen:
2,5 Tonnen CO
2
Flug von Berlin nach New York:
2,1 Tonnen CO
2
pro Person
Anteil der deutschen Haushalte am Stromverbrauch:
30 Prozent
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- Datum 05.02.2007 - 02:57 Uhr
- Quelle ZEIT Wissen 02/2007
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Ein Mieter könnte probieren seinen Mieter zu zwingen in CO2 Reduzierende Massnahmen zu investieren. Nur auf welcher Argumentations Basis müßte er dies anstellen? Wenn hier ein Urteil in diese Reichtung erwirkt werden könnte, so könnten Millionen von Tonnen Co2 eingespart werden bei gleichzeitigem gestiegener Bautätigkeit...
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